Mein erster Arbeitstag

Heute beginnt es also – mein Praktikum. Ein steiler Karrieresprung, den ich da hingelegt habe: von der Geschäftsführerin zur Praktikantin! Um 6.30 Uhr reisst mich mein Wecker aus dem Schlaf. Die nächtlichen Geräusche waren nun schon ein wenig vertrauter als in der ersten Nacht. Da gibt es die Hähne, die sich gegen 4 Uhr melden und die Hunde, die ab spätestens 5 Uhr von sich hören lassen. Und natürlich die anderen zirpenden und schnalzenden Waldtiere, die ich höre, aber noch nicht gesehen habe.

Nach einer Dusche und einem schnellen Frühstück bin ich startklar für meinen ersten Arbeitstag. Um 8 Uhr setzt sich das Team zusammen und bespricht den Tag. Heute kommen insgesamt 12 Gäste an, eine Gruppe à 7 Personen hat den 5-Tages-Trip gebucht, und es gibt 5 Gäste, die für 2-3 Tage in unserem Camp bleiben.

Natalie, die seit 4 Jahren hier lebt und arbeitet, übernimmt mit mir gemeinsam die Gruppe mit den 5 Personen, Marius (Elefantenpfleger aus Karlsruhe) und Noah (Praktikant aus Mallorca) übernehmen die 7-Personen-Gruppe. Gegen 9 Uhr begrüßen wir unsere Gäste im Resort, schräg gegenüber von unserer White Lodge. Hier gibt es zunächst einen Überblick, was die Gäste in den nächsten Tagen erwartet sowie nützliche Hinweise zu Kleidung und Sonnenschutz. Kurz darauf gehts los, wir fahren in unser Elefantencamp, was ca. 5 min. mit dem Auto entfernt liegt.

Und da sind sie: die wunderschönen Dickhäuter. Und sofort weiß ich wieder, warum ich das hier mache! Diese Tiere üben einfach eine Faszination auf mich aus, die kaum in Worte zu fassen ist. Am liebsten würde ich zu jedem einzelnen hingehen: zum streicheln, knuddeln, flüstern…. aber ich habe ja einen Job hier!

Aber schön zu sehen, dass es unseren Gästen ganz genauso geht. Auch wenn man vorher kein großer Elefantenfan war – kaum erlebt man einen Elefanten in unmittelbarer Nähe, so ist man sofort verliebt. Meine Mama kann das bestätigen! 🙂

Bevor die Gäste intensiv mit den Elefanten bekannt gemacht werden, gibt es ein wenig Theorie über den asiatischen Elefanten z.B. im Vergleich zum afrikanischen Elefanten. Es wird ebenfalls erklärt, dass für die thailändischen Elefanten kaum noch Lebensraum besteht und dass es ca. 2000 wild lebende Elefanten gibt und ebenso viele Arbeitselefanten, die vor einigen Jahren noch für Waldarbeiten genutzt wurden. Viele dieser Elefanten haben ein hartes Schicksal hinter sich und kommen manchmal vom Regen in die Traufe – je nachdem in welchem Touristencamp sie landen. Ich persönlich bin  froh sagen zu können – denn das war meine größte Sorge vor der Abreise – dass die Tiere hier im Camp großes Glück haben. Nun ja, sie müssen ein wenig „arbeiten“ aber unter sehr guten Bedingungen. Und die Mahouts haben großen Respekt vor ihren Tieren. Sie lieben sie sehr und behandeln sie wie ein Familienmitglied.

Zurück zu unseren Gästen! Auch ich hatte / habe Glück, denn meine ersten Gäste sind wirklich eine sehr nette Truppe. Ein sehr junges Pärchen, ein älteres Pärchen und ein alleinreisender Polizist. Natalie hat die Elefanten perfekt zugeteilt, so dass es ideal passt. Zu Beginn erleben die Gäste ein ganz besonderes – sicherlich unvergessliches – Erlebnis. Alle setzen sich auf den Boden und werden umringt von den Elefanten – die Menschen sitzen sozusagen unter den Elefanten. Hier wird ganz deutlich, was das Wichtigste ist: Vertrauen! Und auf diesem gegenseitigen Vertrauen basiert eine wunderbare Zusammenarbeit mit den sanften Riesen.

Nachdem die Gäste sich mit ihrem persönlichen Elefanten für die nächsten Tage vertraut gemacht haben, bringen wir die schönen Tiere zum nahe gelegenen Fluss um sie zu baden. Die Elefanten lieben das Wasser und baden gerne ausgiebig. Und die Gäste haben großen Spaß am Schrubben und Abduschen ihrer neuen Gefährten.

Und damit die Gäste unbeschwert mit ihren Tieren planschen können, kümmert die Praktikantin sich gerne darum, mit den verschiedenen Kameras zig schöne Fotos zu machen – damit die unvergesslichen Momente mit den Lieben daheim geteilt werden können. Und somit gibts für meine lieben Daheimgebliebenen auch ein Foto von der Prakikantin! 🙂

Nach dem Bad war ein wunderschöner Waldspaziergang an der Reihe. Auf dem Rücken eines Elefanten zu sitzen, ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis, was ich jedem nur empfehlen kann. Ich bin mir sicher, unsere Gästen träumen heute Nacht davon und begrüßen uns – und vor allem ihre Elefanten – morgen mit strahlenden Augen.

Zum Abschluss besuchten wir heute ein klassisches Karendorf, in dem auch einige unserer Mahouts leben. Also kein Showdorf, wie es Touristen leider öfters vorgeführt wird, sondern ein tatsächliches Dorf. Die Karen sind die größte in Thailand lebende Minderheit. Sie unterscheiden sich nicht nur optisch von den Thais, sondern sprechen auch ihre eigene Sprache. Insbesondere die Frauen tragen wunderschöne Trachten, die sie selbst weben. Die Karen leben mit ihren Schweinen, Hühnern, tlw. Kühen zusammen.

Zum Abschied aus dem Dorf wird natürlich das Gläschen mit Reisschnaps herumgereicht. In dieses Ritual wurde ich an meinem Ankunftstag bereits eingeführt. Unser Hauspersonal macht immer gegen 17 Uhr Feierabend und dann findet man sich gemütlich auf der kleinen Terrasse an der Küche ein. Jetzt wird geklönt und gelacht (ich lache mit, auch wenn ich bisher kein Worte verstehe) und natürlich wandert das Gläschen Reisschnaps umher. An den Geschmack muss ich mich erst noch gewöhnen.
Woran ich mich aber sehr gut gewöhnen kann ist das Feierabendbier mit unserem kleinen Team, am Shop gegenüber.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist ein kleiner Laden, der eigentlich alles verkauft, was man sich vorstellen kann. Die Inhaber sind herzallerliebst und die Omi an der Kasse hat ein umwerfendes Lächeln. Dies ist jedoch nicht nur ein Laden, sondern auch unsere Stammkneipe. Ja… „unsere“ …denn ich darf seit heute – wie alle anderen auch hier – anschreiben lassen auf meinen Namen. Und somit habe ich heute auch meinen Einstand bei den Mahouts gegeben. PROST  ihr Lieben – darauf, dass ich angekommen bin!!!

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Endlich angekommen

Nach einer über 20-stündigen (gefühlten 40-stündigen) Anreise habe ich am Samstagmittag Ortszeit endlich mein Ziel erreicht. Marius von Elephant Special Tours hat mich gemeinsam mit einem Fahrer am Flughafen von Chiang Mai abgeholt. Die Autofahrt dauerte ca. 1 Stunde bis wir die White Lodge erreichten- mein Zuhause für die nächsten 5 Monate. Sie befindet sich im Mae Wang Tal, am Fuße des Nationalparks Doi Inthanon (größter Berg Thailands). Unser Dorf heißt Mae Sapok und die hier lebenden Menschen sind allesamt Karen, also ein Bergvolk.

Die White Lodge begeisterte mich von Anfang an. Nicht nur die riesige Terrasse mit traumhaftem Blick über die Reisfelder, sondern auch die Tatsache, dass hier so viele Tiere leben und alles naturverbunden ist. Da wird der Kindheitstraum „einmal auf einem Bauernhof leben“ doch noch wahr. Auch wenn ich zu den Hängebauchschweinen, Fasanen, Gänsen usw. vielleicht keine allzu enge Bindung aufbauen werden, so sind mir die 5 Hunde jetzt bereits sehr vertraut. Besonders der kleine Welpe „Franzl“- der nun knapp 3 Monate alt ist – hat mein Herz im Sturm erobert.

Was kann da noch Besseres kommen? Ach ja… die Elefanten!!! 🙂