Weihnachtstage in Mae Sapok

Die Zeit vergeht wieder wie im Fluge und ich komme kaum dazu, euch auf dem Laufenden zu halten. Unsere Gäste vom Weihnachtsspecial sind noch da (insgesamt 11 Tage) und es ist eine nette Truppe, so dass wir abends meist lange am Feuer sitzen oder Karten spielen.

An Heiligabend waren wir mittags am Fluss essen, eine schöne Lokalität, wo auch oft Einheimische anzutreffen sind. Unsere Gäste haben nach dem Mittagessen eine Bambus-Flossfahrt gemacht und wir haben derweil auf sie gewartet und Dame gespielt.

Nachmitttags habe ich dann Bee und Nai nebenan im Guesthouse bei den Vorbereitungen für die abendliche Party geholfen. Ich war für die  Tischdeko und die Verpackung der Gastgeschenke zuständig (mit der Farbe der Weihnachtsbaumbeleuchtung habe ich nichts zu tun! ;-)).

Am Abend gab es dann ein tolles Thai-Buffet mit verschiedenen Live-cooking-Stationen und Barbeque an der Feuerstelle, dazu leckere Bowle.

Das Guesthouse, was direkt auf der anderen Straßenseite gegenüber der White Lodge (meinem zuhause) liegt, wird geführt von Nai und Bee (Schwestern) und Nok (Bees Mann). Es sind die herzlichsten Menschen, die ihr euch vorstellen könnt, und sie sind hier innerhalb kürzester Zeit zu meiner Ersatzfamilie geworden. Alle drei sind unfassbar lieb und fürsorglich – einfach ganz wunderbare Menschen, die ich euch hiermit gerne einmal vorstellen möchte.

(Foto 1: Bee & Nok, Foto 2: Nai & ich, Foto 3: unsere Gäste und Team)

Wir hatten alle zusammen einen tollen Abend mit super Livemusik, guten Gesprächen und viel zu Lachen. Erst als ich später in der Nacht mit meiner Familie geskypt habe, sind ein paar Heimweh-Tränchen gekullert, aber tatsächlich hatte ich ein sehr schönes – und spezielles – Weihnachtsfest, das sicherlich unvergesslich bleibt. Und im Herzen war meine Familie sowieso bei mir – das sind sie immer!

Am nächsten Tag waren wir tagsüber im Elefantencamp (nachdem der Tag an Heiligabend elefantenfreier Ausruhtag war) und haben dort auch erstmalig abends gegessen und eine Party mit den Mahouts gefeiert. Ebenfalls ein toller Abend. Bei Kerzenschein umgeben von Elefanten – ein Traum!

Dank Rogers Autoradio hatten wir sogar Musik zum Tanzen – auch für die Mahouts etwas Besonderes, da es in diesem Camp keinen Strom gibt. Auch das war ein toller und besonderer Weihnachtsabend!

Am zweiten Weihnachtstag hatte ich wieder eine alleinige Tour in unserer Tong-Bai-Stiftung. Vier Gäste (zwei aus Australien und zwei aus London) wurden von mir mit den Elefanten vertraut gemacht und durften diese zur Badestelle führen und baden. Dieses mal war ich auch gar nicht nervös vorher, da es zuletzt so gut gelaufen ist. Die Gäste waren wieder happy – und ich war es auch.

Diesmal waren meine Gäste jedoch recht ängstlich beim „unter den Elefanten sitzen“und hätten am liebsten einen Sicherheitsabstand eingehalten. Dabei ist diese Nähe – wenn die Rüssel dich beschnuppern und abtasten – für mich persönlich einer der schönsten Momente des Tages (wie ich sicherlich schon mehrfach erwähnt habe!). Wobei das Elefanten-Baden für mich natürlich nach wie vor auch ein Highlight ist.

Die Krönung des Tages war jedoch ein feuchter Schmatzer von unserem kleinen Racker Jack! Oft ein echter Satansbratan, doch heute war er zuckersüß: ganz lieb und brav präsentierte er sich meinen Stiftungsgästen – dafür hätte ich ihn am liebsten zurück geknutscht!

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Mit diesem Elefantenknutscher verabschiede ich mich für heute – auch wenn ich noch viel mehr Schreibstoff und vor allem Fotos für euch hätte. Demnächst zeige ich euch dann einmal einige Aufgaben aus meinem Praktikantenalltag: z.B. diverse Aufsteige-Techniken auf den Elefanten vormachen, Gästen beim Auf- und Absteigen helfen, Holzschieben mit dem Chef präsentieren, usw.Dank der lieben Weihnachtsspecial-Gäste werde ich zur Zeit mit etlichen Fotos von mir selbst versorgt!

Ich wünsche euch jetzt bereits einen guten Rutsch in ein glückliches und gesundes Jahr 2016! Mein Jahr startet mit 6 Stunden Vorsprung… 😉

 

 

 

 

Frohe Weihnachten

Auch wenn es es sich hier nicht so anfühlt: heute ist Weihnachten. Hier ist es vormittags, ich sitze auf meiner Terrasse und während ich diesen Titel eintippe merke ich, wie surreal diese Situation ist. Weihnachten bei 30 Grad und Sonne – ein ganz neues Gefühl für mich.

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Wie ihr seht, sind die Reisfelder nicht mehr ganz so grün. Sie wurden zwischenzeitlich abgebrannt (eine sehr rauchige Angelegenheit) und nun gepflügt. Momentan ändert sich der Ausblick auf die Felder täglich.

Weihnachten. Unglaublich. Dank euch habe ich jedoch ein wenig Adventszeit erlebt. Vier Adventskalender – davon ein selbstgemachter von der Mama (danke!) schmücken mein Zimmer seit ich hier angekommen bin.

Und der kleinste Adventskranz der Welt (danke, Manon!) begleitete mich Sonntag für Sonntag. Pünktlich zum zweiten Advent hatte ich die gesamte Familie bei mir (dank kleiner Bilder in Mamas großartigem Adventskalender) und habe es zelebriert!

Und letzten Sonntag haben tatsächlich alle 4 Kerzchen geleuchtet. Weihnachten! Auch die Deko in der Shopping Mall in Chiang Mai ließ keinen Zweifel daran. Also habe ich flugs noch ein paar kleine Weihnachtsgeschenke für meine Kollegen-auf-Zeit und meine süße Thai-Ersatzfamilie Nai, Bee & Nok besorgt und gestern verpackt.

Um die Adventszeit ein wenig authentischer werden zu lassen, haben wir einen Reibekuchen-und Glühwein-Abend mit dem Team inszeniert. Und natürlich auch Nai, Bee & Nok probieren lassen. Besonders begeistert waren sie vom Apfelmus, sie wollten wissen, wie wir das gemacht haben. Nun ja… das hatte Roger aus Deutschland mitgebracht… im Tetra Pak. Aber die Reibekuchen waren selbstgemacht – wirklich!

Zugegeben, ein wenig Schwermut hat mich in den letzten Tagen schon erfasst. Nicht nur bei der Weihnachtsfeier meiner Cologne-Promotion-Familie letzten Samstag. Ihr habt mich so süß daran teilhaben lassen – vielen Dank. Auch ich war bei euch in meinen Gedanken – und habe mich an die alljährliche Mützenpflicht gehalten!!! Ihr seid einfach gegen kein Team aus der Welt auszutauschen – ich freu mich schon wieder auf euch!

Aber nicht nur die CP-Familie fehlt. Die andere Familie fehlt sehr. Die, in die ich geboren wurde (man, bin ich ein Glückspilz!!!) und die, die ich mir selbst ausgesucht habe: meine FREUNDE!!!

Ich wünsche euch allen – und auch allen anderen Lesern dieses Blogs (Freundesfreunde, Bekannte, Weggefährten…) – ein wunderschönes Weihnachtsfest im Kreise eurer Lieben – oder wie bei mir: im HERZEN eurer Lieben! Frohe Weihnachten!

 

Erster Alleingang

Da ich momentan nur mit dem Handy wlan Empfang habe, wird dieser Beitrag wahrscheinlich nicht allzu textreich werden. Aber zumindest wollte ich kurz vor Weihnachten noch einmal von mir hören lassen und außerdem sprechen die Bilder auch für sich. 

Letzten Samstag dürfte ich erstmals alleine Gäste betreuen, bei unserer Tagestour durch die Tongbai-Stiftung. Ich  hatte 4 Gäste, zwei Mädels aus den USA und zwei aus England. Ohje – alles Englisch-Muttersprachler, da hatte ich doch ein wenig Respekt vor meinem englischen Vortrag. Aber es hat alles prima funktioniert, mit den Elefanten und Mahouts lief auch alles super und es war ein toller Tag. Dadurch, dass Miriam (ehemalige Praktikantin, war gerade zu Besuch) zwischendurch vorbei kam, gibt es sogar einige Fotos (ich selbst kann natürlich keine machen wenn ich die Gäste betreue). 

Zunächst empfing ich die Gäste und gab ihnen Kleidung für den Tag, denn die Klamotten bei unseren Touren werden garantiert nass und schmutzig. Danach folgte einige Theorie von mir über die Elefanten im allgemeinen, den asiatischen insbesondere und über den Arbeitselefanten und seine Beziehung zum Menschen. Wenn mein Laptop wieder im WLAN funktioniert erläutere ich dies gerne näher. 

Keiner meiner Gäste hatte bis dato näheren Kontakt zu einem Elefanten – umso aufgeregter waren sie, als ich sie nun ganz nah zusammen brachte.    

 Nachdem ich unsere vier Elefanten für den heutigen Tag inkl. ihrer Mahouts vorgestellt habe (Mae Gaeo II, Salia, Mae Boontong und Mae Kaphat), setzen wir uns unter die Elefanten. Immer wieder ein fantastischer Moment – für die Gäste und für mich. 

Bei einem Mittagessen wurden die ersten Erlebnisse verarbeitet und kurz darauf ging es mit den Elefanten eine schöne Strecke entlang zu einer Badestelle. Bei der Tongbai-Tagestour werden die Elefanten nicht geritten, sondern von den Gästen geführt. Dann kommt das Highlight: Elefanten Baden. Auch hierbei waren die Gäste und ich gleichermaßen begeistert.

   
    
   
Nachdem alle Elefanten sauber und erfrischt waren, ging es zurück ins Stiftungscamp. Nun gab es noch Bananen zu verfüttern und letzte Abschiedsfotos mit den liebgewonnenen Dickhäutern.   

   
   
 Und natürlich hab ich mich auch ausgiebig bei meinen sanften Riesen bedankt, dass sie mich an dem Tag so toll unterstützt haben – ebenso wie die Mahouts und das Thaiteam. Ein aufregender Tag für mich – den ich mit einem glücklichen Lächeln beendete! 

Sonntagsspaziergang

Nachdem ich meinen ersten freien Sonntag in der Stadt verbracht hatte, habe ich mich vergangenen Sonntag dafür entschieden auf dem Land zu bleiben. Ich wollte die Gegend hier zu Fuß erkunden, nachdem ich nun bereits einige Wegestrecken (von der Lodge zum Camp, zur Stiftung, zum Wasserfall, zum Karendorf…) kannte.

Zunächst hatte ich mich aufs Ausschlafen gefreut, da der Wecker montags bis samstags um 7 Uhr klingelt – doch leider haben mich die Hunde bereits mit lautem Gebell und Getöse am Sonntagfrüh noch vor 7 Uhr geweckt. Mai pen rai (macht ja nichts!) – dann habe ich eben etwas vom Tag, schließlich möchte ich auch viel sehen. Als ich die  Flügeltüren zur Terrasse öffnete, konnte ich auch sehen, was kurz zuvor los war: Hunde-Kissenschlacht mit den Gartenpolstern. Wie gut, dass Seng (unser „Hausdrachen“ ;-)) heute frei hat und das nicht sieht! Als ich dann in die Küche gehe, um mir mein Frühstück zuzubereiten, schauen mich natürlich alle Doggies ganz unschuldig an, allen voran unser Franzl mit seinem Welpenblick – da kann man einfach nicht böse sein.

Ich lasse den Tag gemütlich angehen und sitze lange auf der Terrasse und genieße die Aussicht und die idyllische Ruhe. „Irgendwas ist immer“ eigentlich – doch heute ist es so ruhig und friedlich auf der White Lodge, dass ich froh bin, diesmal nicht in die Stadt gefahren zu sein.

Ich plane bergauf zu laufen, denn dort bin ich bereits oft entlang gefahren, vorbei an einem Tempel, den ich mir heute in Ruhe anschauen möchte. Es ist der Tempel „Mae Sapok“, eine kleine beschauliche Anlage. Bei weitem nicht so imposant und prachtvoll wie die Tempel in Chiang Mai – aber wir sind ja hier schließlich auf dem Land. Das Besondere an diesem Tempel ist, dass unsere Elefanten beim Bau der Gebetshalle  – die überwiegend aus Holz besteht – geholfen haben. Der Holzabbau ist in Thailand seit 1989 verboten, was auch der Grund ist, warum ca. 2.500 Arbeitselefanten von einem Tag auf den anderen arbeitslos geworden sind und nun in Touristencamps für ihr Einkommen sorgen müssen. Ein Elefant zu unterhalten ist ein teures Unterfangen, denn nicht nur die 200 kg Futter, die er täglich frisst, müssen bezahlt werden, sondern auch ein Mahout, der 24 Stunden für sein Tier sorgt. Daher müssen die Elefanten ihren Besitzern auch Geld einbringen. Leider ist das Geldverdienen oft an eine hohe Arbeitsbelastung des Elefanten gebunden. In einem klassischen Camp, in dem Touristen ca. 30 min. eine Runde in einem Korb reiten, von 8.00 bis 18.00 Uhr ist sehr anstrengend für den Elefanten. Bei uns „arbeiten“ die Elefanten morgens ca. 2 Stunden und nachmittags nochmal maximal 2 Stunden. Wobei „arbeiten“ bedeutet, dass wir sie zum baden bringen, mit ihnen Ausritte durch die Wälder oder durch den Fluss machen, und Holzschiebeübungen.

A propos: eigentlich war ich dort stehen geblieben: bei den Holzarbeiten. Viele unserer Elefanten haben früher jahrelang „im Holz“ gearbeitet, leider auch oft unter schwersten Bedingungen. Sie beherrschen allerdings die Kommandos des Holzschiebens („Or!) und Aufstaplens („Makut!“) noch einwandfrei. Bei den 3-Tages-Touren machen wir dies am letzten Tag mit unseren Gästen, da die Tradition aufrecht erhalten bleiben soll und die Elefanten auch gerne herausgefordert und beschäftigt werden möchten. Natürlich nur zwei kleine Baumstämme für jeweils zwei Elefanten, es soll ja eher spielerisch sein und ist nicht zu vergleichen mit den schweren Arbeiten, die damals von früh bis spät verrichtet wurden.

Jedenfalls war es eine große Ehre, als vor ein paar Jahren, die Anfrage an „Elephant Special Tours“ herangetragen wurde, ob unsere Elefanten beim Transport der Baumstämme helfen können. Die Regierung hat eine Sondergenehmigung zum Holzabbau erteilt und unsere Elefanten waren maßgeblich am Bau des Tempels beteiligt.

Ich spaziere durch die Tempelanlage und sehe einen Mönch bei der Gartenarbeit, der mich freundlich begrüßt. Ein weiterer -recht alter- Mönch winkt mich freudig zu sich und fragt mich, wo ich herkomme und was ich hier mache. Ich bin überrascht, denn normalerweise sollten Frauen Mönchen „aus dem Weg gehen“ um sie nicht in Verlegenheit zu bringen. Dieser ältere Herr freut sich scheinbar sehr über meinen Besuch und möchte ein wenig Plaudern. Ich erfahre, dass in dieser Anlage nur drei Mönche leben und nach kurzer Zeit habe ich alle drei gesehen. Mae Sapok ist kein touristischer Ort und der Tempel ist für die Dorfbewohner errichtet. Somit bin ich als Farang hier wahrscheinlich ein seltener Anblick. Als ich erkläre wo ich wohne und was ich hier mache lächelt er nur „ah Bodooo“ – meinen Chef, den Elefantenmann, kennt hier wirklich jeder!

Der nette Mönch erlaubt mir noch einige Fotos zu machen „take your time“- ich traue mich nur nicht ihn selbst zu fotografieren, obwohl er wahrscheinlich kein Problem damit gehabt hätte. Vielleicht traue ich mich bei meinem nächsten Besuch zu fragen, falls er wieder in Plauderstimmung ist, denn er ist wirklich ein niedlicher älterer Herr in dieser hübschen orange-braunen Mönchskutte – den würde ich euch eigentlich gerne mal zeigen.

Als nächstes führt mich mein Spaziergang zu einem weiteren Tempel und Meditationszentrum, dem „Wat Tan Doi Tone“. Am Eingang lese ich, dass Besuchern nur sonntags der Zutritt erlaubt ist – was für ein Glück! Eingebettet in eine wunderschöne Parklandschaft, gibt es auch hier eine Gebetshalle und auch einige Schlafunterkünfte. Heute habe ich erfahren, dass dieser Tempel einer der bedeutendsten in ganz Thailand ist (und das in unserem Dorf – stolz!) und das Meditationszentrum sehr bekannt ist. Hier lebt auch ein Mönch aus den USA, den habe ich neulich im Shop kurz kennengelernt, als er sich mit unserem Maler (zu ihm später mehr) unterhalten hat.

Ich spaziere durch die hübsch angelegte Parkanlage und stelle fest, dass auch Mönche ihre Wäsche sonntags waschen (hatte ich am Morgen auch bereits erledigt). Kurz darauf spricht mich erneut ein Mönch an, fragt wo ich herkomme, ob ich mit einer Gruppe hier bin und was ich mache. Und er fragt mich, ob ich die Höhle bereits gesehen habe. Hatte ich nicht, und bis dato wusste ich auch noch gar nichts von einer Höhle. Also weist er mir den Weg, der mich entlang eines gigantischen Bambuswaldes führt.

Ich laufe auf eine massive Felswand zu, und erst als ich kurz davor bin, stelle ich fest, dass es sich um eine riesige Schlucht inmitten der Felsen handelt, die von außen nicht einsehbar ist. Ich bin überwältigt von dem wunderschönen Anblick der Buddhastatuen inmitten der gigantischen Felsen. Eine freie  Fläche dient der Meditation und auch ich halte einige Zeit inne und bete für meine Lieben – und auch für die, die uns leider schon verlassen mussten (ich denk oft an dich, Opa!)

Auf dem Rückweg durch die Anlage lächle ich glückselig vor mich hin und werde abermals von einem Mönch angesprochen. Nach den obgliatorischen Fragen wer ich bin und wo ich herkomme empfiehlt er mir, den Wasserfall zu besuchen und erklärt mir den Weg. Prima, da wollte ich sowieso hin. Ich bedanke mich und bin begeistert, wie gesprächig die Mönche hier auf dem Dorf sind.

Also laufe ich noch gefühlte 2-3 km weiter durch den Wald, bis ich zuerst das Plätschern höre und dann das Schild entdecke: der Mae Wang Wasserfall. Es ist natürlich nicht derselbe Wasserfall, den wir immer mit unseren Gästen besuchen, da bin ich schließlich recht oft. Auch diesen Ort mag ich sofort. Das satte Grün vor dem strahlend blauen Himmel, das klare Wasser, was kraftvoll herunterplätschert und in einen kleinen Fluss mündet – herrlich. Nachdem ich mich ein wenig erfrischt habe, verweile ich auf einem großen Stein, der ideal zum Sonnenbaden geeignet ist. So kann man ihn genießen – den freien Tag. Zunächst ist noch ein Mann mit seinem kleinen Sohn dort, der vergnügt auf den Steinen herumspringt, später bin ich alleine und döse ein wenig in der Sonne.

Nachdem ich noch eine Weile am Fluss entlang gelaufen bin, mache ich mich auf den Heimweg. Ein kurzes Mittagessen bei der Orn (Suppenküche mit 2-3 wechselnden Thaigerichten), die Bodo als seine Schwester bezeichnet, weil sie ihn seit seiner Anfangszeit begleitet. Sie weiß direkt wer ich bin – im Dorf spricht sich das schnell rum! Das Essen war köstlich und hat 40 Baht gekostet (weniger als 1,- EUR), hier bekommt man noch was für sein Geld.

Am Nachmittag erreiche ich die Lodge und stelle fest, dass mein kleiner Spaziergang gut 10 km umfasst hat. Die Umgebung hier ist wunderschön und so ruhig und idyllisch – traumhaft. Nun stehe ich vor der schweren Entscheidung, ob ich den kommenden Sonntag hier oder in der Stadt verbringen möchte – beides hat seinen Reiz. Ich habe ja noch ein paar Tage um es mir zu überlegen…

Heute habe ich erstmalig unsere eintägige Tour vom Tong Bai Stiftungscamp begleitet, die Roger durchgeführt hat. Ich musste gut aufpassen und einiges mitschreiben, denn am Samstag werde ich diese Tour direkt alleine mit Gästen durchführen. Das bedeutet: Erklärungen was es mit der Stiftung auf sich hat, Aufklärung über den asiatischen Elefanten (im Vergleich zum afrikanischen) und über den Arbeitselefanten im Besonderen, die besondere Beziehung zwischen Mahout und Elefant, die Erläuterung des Elefantenhakens… u.v.m. Auf Englisch übrigens, aber: Mai pen rai… Und – eigentlich das wichtigste – natürlich die Vorstellung unserer Elefanten, das Kreis-Sitzen, und dann eine ausgiebige Tour (ohne reiten) zu einer Badestelle wo die Dickhäuter ausgiebig gebadet werden.  Da fällt mir auf: mein Eintrag neigt sich dem Ende und ich habe tatsächlich kein einziges Foto eines badenden Elefanten dabei. Wie konnte das passieren? Bzw. noch schlimmer: gar kein Elefantenfoto. Aber auch das entspricht der Realität: arbeitsfreier Tag heißt auch elefantenfreier Tag – schade eigentlich! Trotzdem war es ein toller Tag!

Bald gibt es wieder Elefanten und Bade-Fotos – versprochen. Und vielleicht übe ich an euch auch vor Samstag noch die Inhalte meiner Tour – denn zu all diesen Themen könnte – und möchte!- ich euch auch noch eine ganze Menge schreiben.

Doch jetzt ist mal wieder Schlafenszeit bei mir. Ich verabschiede mich mit dem nächtlichen Zirpen, dem Tapsen des kleinen Geckos an der Decke und dem süßlichen Geruch einer Baumfrucht, die nur nachts ihren Duft verströmt. Gute Nacht!

 

 

 

Die Zeit rast

Und schon ist wieder Sonntagabend und die Woche ist wie im Flug vergangen. Ich hatte mir fest vorgenommen, regelmäßiger zu schreiben, da ich nicht nur viel Schreibstoff, sondern auch ganz besonders viele schöne Bilder habe, die ich mit euch teilen möchte. Aber tatsächlich ist hier immer etwas los, was mich vom Schreiben abhält. Jetzt ist es bereits wieder nach 22 Uhr und ich bin totmüde, aber bevor wieder eine Arbeitswoche ins Land zieht, muss ich doch noch das ein oder andere Erlebnis loswerden.

Um dort anzuknüpfen, wo ich zuletzt aufgehört habe: ja, hier werden Spinnen gegessen, genau genommen Tarantulas, oder wie wir sie bezeichnen: Vogelspinnen. Ich musste mir leider Fotos und Videos davon anschauen, wie Noah und Marius diese gegessen haben – und ich bin so froh, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht zuhause war. Ich wusste bereits, dass die Spinnen in Löchern leben und dass sich auch eines davon in unmittelbarer Nähe zu unserem Essensplatz befindet. Aber nun weiß ich auch, dass wir noch mehr dieser Nester im Garten haben – vielen Dank für diese Information, Jungs. Wahrscheinlich sollte ich ihnen wirklich dankbar sein, dass die Bestände nun reduziert sind. Ich hatte nur anfangs einen Rachefeldzug der Spinnen befürchtet – oh my Buddha!

Tatsächlich aber habe ich die letzten Tage alleine auf der Lodge ganz gut überstanden- glücklicherweise ohne die persönliche Bekanntschaft mit den ungeliebten zuviel-beinigen Mitbewohnern zu machen. Am Morgen nach meinem letzten Eintrag bin ich sehr früh aufgestanden, um die Trekking-Gruppe mit zu verabschieden. Es hat sich gelohnt, denn es war ein einmaliges Erlebnis. Es gab eine kleine Zeremonie, angeleitet durch Muag, unseren Zeremonienmeister. Nach einem bestimmten Ritual wurden verschiedene Dinge den Geistern geopfert: u.a. zwei Hühner: ein männliches und ein weibliches, das weibliche musste noch ein ungelegtes Ei in sich tragen, was zuerst verzehrt wurde. Die -extrem scharfe- Hühnersuppe wurde vor dem Tag der Abreise bereits gekocht und nach der Zeremonie verspeist. Und natürlich wurde auch Reisschnaps geopfert – und getrunken (um 6 Uhr morgens, noch vor der Hühnersuppe).

Es war wirklich ein besonderes Erlebnis, an dieser Zeremonie teilzunehmen. Muag, der Zeremonienmeister, ist seit Bodos Anfangszeit einer seiner engsten Vertrauten und Berater. Ein sehr lieber älterer Herr, der sich gefreut hat, dass ich die Hühnersuppe probiert habe, im Gegensatz zu vielen anderen Farangs (=Weißen). Die Schärfe und die Teile des kompletten (!!!) Huhns sind für uns Europäer tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig. Nun ja – danach war ich jedenfalls endgültig wach!

Auch der nächste Morgen war kein normaler Start in den Tag, denn Natalie kam aufgelöst zur Arbeit und berichtete, dass sich ein Hund schwer verletzt in ihre Einfahrt geschleppt hat. Er hat um Hilfe gewinselt und wir haben überlegt, was wir tun können. Da wir noch Zeit hatten, bis unsere neuen Gäste eintrafen, sind wir zusammen zu ihrem Haus zurück gefahren, wo der hübsche Kleine auf uns gewartet hat. Er winselte herzzerbrechend und kam uns auf seinen Vorderbeinen entgegen gehumpelt, die Hinterbeine zog er nach – wir mussten dringend etwas unternehmen. Also haben wir Pon, einen unserer Fahrer, mit Geld versorgt und ihm geholfen, den ängstlichen Hund ins Auto zu tragen, damit er ihn in die Tierklinik nach Chiang Mai bringt. Parallel haben wir versucht „Care for dogs“ zu erreichen, die sich hier vor Ort für hilfebedürftige Hunde einsetzen. Das Ende der Geschichte ist leider, dass dem Hübschen nicht mehr geholfen werden konnte und dass „Care for dogs“ entschieden hat, ihn von seinen Qualen zu erlösen. Neu war für mich, dass die Tierklinik sich hier generell weigert, Tiere einzuschläfern, weil das gegen ihren buddhistischen Glauben ist. Somit war es wichtig, dass „Care for dogs“ die Initiative ergriffen hat, denn wir haben den Arztbericht gelesen: Hüft- und Wirbelsäulenbruch – der Arme hatte Höllenqualen. Natalie und ich haben ihn im Nachhinein Foxy genannt, denn er war ein hübscher Fuchs. Somit muss er sich nicht namenlos in den Hundehimmel verabschieden. Und ein Bildchen von ihm muss auch in meinen Blog, damit er noch ein kleines Andenken bekommt. Machs gut, Foxy!

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Nach dem Schock am frühen Morgen begrüßten wir – mit ein wenig erzwungener guter Laune – unsere neuen 5 Gäste und fuhren mit ihnen ins Elefantencamp. Hier gab es nach der kurzen thereotischen Einführung das klassische Kennlernritual mit den Elefanten. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es bereits erwähnt hatte. Jedenfalls setzen wir uns mit unseren Gästen auf den Boden und alle Elefanten kommen um uns herum und sind dann sozusagen über uns. Für die Gäste – und auch für mich – ein wunderschöner Moment, der so viel Vertrauen erzeugt.

Die nächsten beiden Tage waren wie immer: Elefanten baden, Spaziergänge durch den Wald, Besuch des Karen-Dorfs und des Wasserfalls, Schlagen von Elefantengras – mein ganz normaler Arbeitsalltag (ich kann es immer noch nicht so richtig fassen!) Ich glaube, ich hab euch schon lange keine badenden Elefanten gezeigt, oder? 😉

Und was natürlich auch zu meinem harten Arbeitsalltag gehört, ist der Feierabend-Reisschnaps mit der Company (dem ich jedoch immer häufiger geschickt entkomme). Dafür bin ich – entgegen meinem sonstigen Naturell – recht ausprobierfreudig bei den Speisen, die sie dazu servieren. Es steht immer etwas anderes auf dem Tisch und das probiere ich fast immer aus… zur Ablenkung, wenn ich das Schnapsglas weiterreiche.

Zur Company-Family gehören natürlich auch die 5 Hunde. Sie haben sich hier auf dem eigenen „Walk of Fame“ verewigt. Die Stelle neben unserem Essensplatz ist letzte Woche neu ausgegossen worden – und natürlich sind alle Hunde mal durchmarschiert und haben ihre Pfotenspuren hinterlassen. Die White Lodge hat nun also einen „Walk of dogs“ – wer hat das schon?!

Am Freitagnachmittag hatte ich Glück, dass wir nur noch einen einzelnen Gast hatten und ich somit selbst auf einem Elefanten mitreiten dürfte. Ich bin Mae Gaeo geritten, die Mutter von unserem kleinen Jack. Sie ist die Leitkuh unserer Herde und gleichzeitig auch die Mutter von Salia und Phu Chapo – es ist also eine komplette Elefatenfamilie hier zusammen, was ich sehr schön finde.

Auch wenn es nicht das erste Mal war, dass ich auf einem Elefanten reiten durfte, so war es doch wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Die Welt sieht von dort oben einfach noch ein bisschen schöner aus! Und man fühlt sich mit dem sanften Riesen besonders verbunden – es war einfach nur toll. Ich hoffe, dass sich diese Gelegenheit noch öfters ergibt.

Freitagabend haben wir die Jungs und deren Gäste beim Trek besucht. Sie hatten ihr Nachtlager ca. eine halbe Autostunde von uns entfernt aufgebaut (sie wandern während des Treks einmal um das ganze Tal herum). Es war ein feucht-fröhlicher Abend mit Lagerfeuer, Gitarre, Glühwein (jaaa – Glühwein!) und viel Gesang (ich habe mit Irene aus Düsseldorf „Superjeile Zick“ gesungen. 🙂 Neben einem leckeren Barbecue gab es auch ein paar gegrillte Maden… muss man natürlich mal probiert haben – reicht dann aber auch!!!

Für heute verabschiede ich mich mit ein paar „Kuschel“-Bildern von unserem größten Elefanten: Phu Sii. Er ist nicht nur der größte Bulle in unserem Camp, sondern auch der größte im gesamten Tal – eine imposante Erscheinung, aber ganz lieb. Einer unserer ruhigsten und sensibelsten, also kein typischer Bulle. Aber ein Wunderschöner!

Demnächst erzähle ich euch von meinem freien Tag (also heute!) denn ich habe noch so vieles zu berichten. Doch die Uhrzeit neigt sich bei mir gegen Mitternacht und mein Wecker klingelt um 7 Uhr… und die Hunde bellen ab 6 Uhr. Also muss ich langsam ins Bett.

Außerdem muss mir noch etwas Spannendes für euch aufheben. Das ist doch bei den Serien auch nicht anders: die enden immer so, dass man sich auf die Fortsetzung freut. 🙂

In diesem Sinne: bis bald!

 

 

Irgendwas ist immer

Meinen Titel habe ich heute ganz bewusst ausgewählt. Es ist ein Zitat von Bodo Förster, meinem Chef und einem sehr faszinierenden Menschen. Ich habe ihn gestern kennengelernt und heute viel Zeit mit ihm verbracht, doch dazu komme ich später.

Um ein wenig chronologisch vorzugehen, möchte ich zunächst von den letzten Tagen berichten. Ich habe mich seit fast einer Woche nicht gemeldet, denn wie Bodo oft treffend formuliert „Irgendwas ist immer“, was mich vom Schreiben abgehalten hat. Doch heute packe ich die Gelegenheit beim Schopfe, denn wenn sich zu viel Schreibstoff ansammelt (wie es eigentlich jetzt schon der Fall ist), weiß man gar nicht so recht, wo man beginnen soll.

Meine Tage starte ich nun tatsächlich eine Viertelstunde früher mit einem gemütlichen Kaffee auf der Terrasse. So sehr mir mein morgendlicher Schlaf am Herzen liegt, so sehr lohnt sich trotz allem das frühere Aufstehen. Halbwach tapse ich in die Küche, schwanzwendelnd begrüßt von unseren Hunden und bereite mir einen Nescafé zu (ja, man gewöhnt sich an alles, seufz). Kurz darauf mache ich es mir eingemummelt in meinen Fleecepullover auf der Terrasse gemütlich und warte darauf, dass der Tag und mein müder Geist erwacht. Mit den Nebelschwaden weicht auch meine Müdigkeit und wenn die wärmende Sonne langsam die Berggipfel erklommen hat und unser Tal erstrahlen lässt – dann bin ich auch ich startklar für den neuen Tag.

Neben unserer Terrasse steht übrigens ein kleines Geisterhaus, welches die Tradition der Thais und Karen sehr gut widerspiegelt. Jeder, der hier ein Haus baut, platziert in unmittelbarer Nähe auch ein Geisterhaus. Dieses beschützt die Bewohner vor den Geistern, vor denen alle großen Respekt haben. Hier werden regelmäßig Lebensmittel hergebracht um die Geister zu besänftigen. In der Stadt wird den Geistern oft rote Fanta geopfert, warum genau diese Sorte werde ich sicher noch herausfinden. Viele Thais oder Karen haben zusätzlich auf der Wegstrecke zur Arbeit ein Geisterhaus. Hier hupen sie jedes mal, wenn sie vorbeifahren, damit die Geister sie auf der Fahrt beschützen.

Mein Arbeitsalltag hat sich hier langsam eingependelt und ich könnte immer noch stundenlang den Elefanten beim Baden zusehen. Es ist einfach herrlich mitanzusehen, wie vergnügt die Dickhäuter planschen und toben. Auch auf die Gefahr hin, dass euch die wiederkehrenden Fotos irgendwann langweilig werden, ich zeige euch ganz bestimmt immer wieder badende Elefanten – da müsst ihr durch! 🙂 Voilà!

Auch der Wasserfall hat seine Magie für mich noch nicht verloren und obwohl das Wetter deutlich schlechter war als beim letzten Besuch, kam kurz die Sonne heraus und hat uns erneut einen Regenbogen beschert.

Es gab aber auch ein neues Ereignis, was ich mit unseren zweiten Gästen in der letzten Woche erstmalig erlebt habe: das Schlagen von Elefantengras. Direkt auf dem Gelände hinter der Lodge, neben den Reisfeldern, haben wir eine Fläche gepachtet, auf der wir Futter für unsere Elefanten anbauen. Letzte Woche sind wir – gemeinsam mit der anderen Gästegruppe von Marius und Noah – zum Elefantengras-Schlagen gefahren. Wir vom Team fahren meist hinten stehend auf den Autos mit, während unsere Gäste natürlich im Auto sitzen. Bisher habe ich mich während der Fahrt noch nicht getraut ein Foto zu machen, da man sich gut festhalten muss, diesmal hat es aber kurz vorm Anhalten funktioniert.

Marius hat unseren Gästen gezeigt, wie man die Machete richtig ansetzt, um das Gras zu schlagen ohne sich zu verletzen. Kurz darauf waren unsere Fahrzeuge vollbepackt und die Fahrt ins Camp war hinten drauf umso abenteuerlicher. Der freudige Empfang, den uns die Elefanten danach bereitet haben, hat mich für die Strapazen der kurzen Fahrt entschädigt – wobei mir schon klar war, dass der weniger uns Menschen, sondern eher dem frischen grünen Futter galt.

Am Samstagnachmittag haben Natalie und ich die letzten Gäste unserer 3-Tagestour verabschiedet. Ich hatte vorher entschieden mit den Gästen gemeinsam nach Chiang Mai zu fahren und mich ins Stadtleben zu stürzen. Mal raus aus den schmutzigen Klamotten und rein ins Getümmel!

Unvorstellbar, wie schnell man sich an das Leben auf dem Land gewöhnt – mir erschien Chiang Mai wie eine Großstadt. Verglichen zu meinen bisherigen Thailandtrips, wo ich Chiang Mai immer als die kleine beschauliche Stadt erlebt habe, wenn man aus dem lauten und trubeligen Bangkok kommt. Bangkok – mit all seinen Facetten – mag ich sehr, aber Chiang Mai liebe ich besonders, immer schon. Hier kann man ohne Plan einfach stundenlang umher spazieren und trifft auf beeindruckende Tempelanlagen, einen wunderschönen Terrakottagarten oder einen belebten Markt mit duftenden Essensständen.

Bisher kannte ich jedoch nur die kleineren Märkte in Chiang Mai und war fast geschockt von dem riesigen Sonntagsmarkt – der Sunday Market Walking Street, die sich vom Thapae Gate quer durch die Altstadt erstreckt. Die Marktstände befinden sich vor den atemberaubenden Kulissen der imposanten Tempel, teilweise auch innerhalb der Gärten und Anlagen. Hier trifft man auch die Mönche beim Shoppen. Neben dem einzigen Teil, was ich tatsächlich „brauchte“ nämlich einer Kopfbedeckung, habe ich noch zahlreiche andere wunderschöne Dinge erstanden. Irgendwann wurde es mir jedoch tatsächlich zu voll. So ein Gedränge und Geschiebe, wie ihr wahrscheinlich gerade auf den Kölner Weihnachtsmärkten am Wochenende erleben könnt, war mir – als neues Dorfkind 🙂 – einfach zuviel.

Ansonsten habe ich mein Wochenende in Chiang Mai ruhig angehen lassen und mir ein fantastisches Frühstück gegönnt. Ich wohnte im Thapae Gate Lodge Guesthouse, welches Olaf gehört. Er ist ein guter Bekannter von der Company hier, ebenfalls Deutscher, und hier quartieren sich alle ein, wenn´s sie in die Stadt zieht (außer Natalie, die mit ihrem Freund ein Haus in der Stadt bewohnt).

Kulinarisch war das Wochenende in Chiang Mai großartig: leckeres Frühstück mit richtig gutem Kaffee (den man dann umso mehr zu schätzen weiß), Massamam Curry mit braunem Reis und zur Krönung einen Roti – einen besonders zubereiteten Pancake/Crepe mit Banane und Schoko – ein Traum!

Beinahe hätte ich nun vergessen, einen der heiligsten Feiertage der Thais zu erwähnen: am Samstag, den 05.12. haben wir hier den Königs-Geburtstag gefeiert. Ich persönlich habe an dem Tag zwar eher den Geburtstag einer ganz besonders lieben Freundin gefeiert (Happy birthday again, Natascha) UND meinen Papa (denn Kings Birthday ist hier auch gleichzeitig Vatertag), aber wenn ich das hier laut äußere, komme ich womöglich ins Gefängnis. Tatsächlich war an dem Tag natürlich ein Riesenspektakel auf den Straßen und rund um das Thapae Gate in Chiang Mai eine große Bühnenshow, Fotostände, Promotions, Feuerwerk, usw.

Nach einem schönen und aufregenden Wochenende in Chiang Mai hat Natalie mich Montagmorgen um  7 Uhr im Guesthouse abgeholt und wir sind gemeinsam zur Arbeit gefahren. Dort haben wir dann gestern unsere neuen Gäste begrüßt, die bis morgen bleiben werden.

Gestern habe ich dann auch Bodo Förster, den Gründer von Elephant Special Tours – und somit mein Chef – kennengelernt. Es war nur eine kurze Begegnung gestern, da wir viel mit unseren Gästen beschäftigt waren. Heute morgen hat Bodo dann spontan entschieden, dass ich den Tag mit ihm verbringen sollte, weil wir bisher noch nicht zusammen gearbeitet haben und damit wir uns kennenlernen.

Somit hatte ich heute erstmals keinen „klassischen Tag mit Gästen“, sondern habe ein Filmteam betreut, welches Bodo heute hier auf der Lodge und im Camp interviewt hat. Für ihn scheinbar nichts Besonderes mehr, denn er arbeitet sehr viel mit der Presse und den Medien zusammen – er sucht die Aufmerksamkeit für sein „Viehzeug“ wie er seine geliebten Elefanten liebevoll nennt. Ein Träumer und Visionär, der in den letzten 15 Jahren hier viel bewegt hat – und noch sehr viel mehr bewegen möchte!

Für mich war es spannend, heute so viel über ihn und seine Arbeit zu erfahren. Nicht nur über sein Untenehmen und seine Visionen, sondern auch über den Menschen Bodo, der vor knapp zwei Wochen seinen Vater verloren hat. Um es kurz zu fassen, würde ich Bodo ebenso beschreiben, wie seine Seelenverwandten: er ist ein sanfter Riese, oder auch sein sanfter Dickhäuter (und Dickschädel, wie er selbst von sich sagt).

Mehr dazu berichte ich sicherlich in den nächsten Tagen, doch nun muss ich ins Bett. Morgen früh geht es bereits um 6 Uhr ins Camp, dann verabschieden wir uns von Marius und Noah und den 7 Gästen und Elefanten, die auf den großen Trek gehen (7 Tage, 6 Nächte übernachten in der Wildnis). Ab morgen wohne ich dann erstmal für ein paar Tage alleine auf der White Lodge. Über Spinnen muss ich mir aber vorerst keine Sorgen machen, die haben die Jungs alle gegessen (kein Witz!!! gebratene Vogelspinnen…. die spinnen doch!!!) aber auch dazu später mehr. Ich muss jetzt schnell diese Bilder aus meinem Kopf bekommen, damit ich gut schlafen kann.

Gute Nacht ihr Lieben!

PS. Ich freue mich riesig über jeden einzelnen eurer Kommentare und die Anteilnahme an meinem großen Abenteuer – danke dafür!!!

 

 

Ein ganz normaler Arbeitstag

Das Erste, was ich morgens mache, wenn ich aus meinem Zimmer trete, ist das Öffnen der großen Flügeltüre auf unsere tolle Terrasse. Ich liebe den morgendlichen Ausblick auf das Tal, auf dem sich dann noch sanfte Nebelwolken über das – sonst so satte – Grün gelegt haben. Die ersten Sonnenstrahlen erklimmen den Berg und lassen den Tag erwachen.

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Für einige Momente genieße ich die Ruhe vor dem Sturm, denn schon bald beginnt der Trubel in der White Lodge. Seit meiner Ankunft nehme ich mir vor, morgens früh den ersten Kaffee an diesem wunderschönen Platz zu genießen – ich habe es bisher nicht geschafft. Gestern waren Bphu und Morn (unser Hauspersonal) schon früher da, heute war es Natalie. Und sobald jemand hier ist, setzt man sich dann an den kleinen Tisch, direkt an der Küche – denn dies ist der Dreh- und Angelpunkt des Hauses. Die Küche ist hier außerhalb des Hauptgebäudes, was hierzulande sehr oft der Fall ist. Generell haben in Thailand viele Haushalte gar keine Küche, da die Thais ihre Mahlzeiten überwiegend auswärts einnehmen. Bei den Karen ist es jedoch anders, sie haben fast alle Küchen oder kochen draußen.

 

Morgen stehe ich vielleicht einmal eine halbe Stunde früher auf, um meinen Kaffee auf der schönen Terrasse zu genießen – irgendwann muss es schließlich einmal klappen.

Um 8 Uhr geht einer von uns rüber zu den Gästen ins Resort (gegenüberliegende Straßenseite) und schaut nach, ob alles in Ordnung ist, wenn die Gäste frühstücken. Um 9 Uhr kommen die Gäste dann rüber zur White Lodge, um gemeinsam mit uns ins Elefantencamp zu fahren. Unsere kleine Gruppe (heute waren es nur noch 3 Gäste, von dem jüngeren Pärchen haben wir uns gestern verabschiedet, da sie nur den 2-Tages-Trip gebucht hatten) hat heute zunächst einen Zwischenstopp am Mae Sapok Wasserfall gemacht. Ein wunderschöner – irgendwie magischer – Ort.

Von unten konnten wir einen wunderschönen Regenbogen sehen, aber auch oben – hinter dem Wasserfall – war es ein fantastisches Erlebnis. Ich war genauso begeistert wie unsere Gäste. Mal schauen wie lange die Magie für mich anhält, denn wahrscheinlich bin ich nun alle paar Tage mit neuen Gästen an diesem Ort.

Nur die Aussicht auf die Elefanten konnte mich von diesem wunderschönen und friedlichen Ort weglocken – denn die Vorfreude auf die Dickhäuter ist immer noch ungebrochen. Glücklicherweise sind die Entfernungen hier alle recht kurz und so waren wir innerhalb weniger Minuten in unserem Camp. Das sonst so belebte Camp war fast menschen- und auf jeden Fall sehr elefantenleer, denn die schönen Riesen waren heute früh noch im Wald. Bei Elephant Special Tours verbringen alle Elefanten die Nächte im Wald. Spätestens nachmittags, wenn die Gäste das Camp verlassen, bringen ihre Mahouts sie tief in den Wald. Dort werden sie an einer sogenannten Trippelkette befestigt, die ca. 20-30 Meter lang ist. Die Kette (die bei mir anfangs auf ein wenig Unbehagen gestoßen ist) hat mehrere Funktionen. Zum einen sorgt sie dafür, dass der Elefant nicht direkt zurück ins Camp rennt, weil er weiß, dass es dort Futter gibt, ohne dass er sich groß darum bemühen muss (Elefanten sind sehr schlaue Tiere). Zum anderen sorgt sie dafür, dass die Elefanten nicht in die nahegelegenen Reisfelder ausbüxen, wo sie einem Reisbauern mit seiner Schrotflinte begegnen. Das ist leider schon passiert, eine der Elefantenkühe hat unschöne Narben von Schüssen eines wütenden Bauern, dessen Reisernte zerstört wurde. Last but not least kommen die Gefahren der Straße hinzu, denn leider rasen die Fahrzeuge hier teilweise sehr und ein kreuzender Elefant wäre für beide Seiten eine böse Überraschung.

So sorgen also die Mahouts dafür, dass die Elefanten Nacht für Nacht an immer wieder anderen nahrhafen Stellen platziert werden. Unsere erste Aufgabe bestand heute morgen darin, die Elefanten aus dem Wald zu holen und sie ins Camp zu reiten. Also stapften wir zunächst tief in den Wald über Stock und Stein und suchten die Elefanten. Ohne die Mahouts hätten wir sie niemals gefunden, denn sie sind erstaunlich getarnt zwischen dem Grün. Ja… auf jedem der folgenden Fotos ist ein Elefant zu sehen (viel Spaß beim Suchen), nicht nur auf dem letzten! 🙂

Kaum im Elefantencamp angekommen, ging es auch schon weiter zur nahegelegenen Badestelle. Die Elefanten lieben das Wasser und sie genießen das Baden und Abduschen der Gäste sehr. Und tatsächlich ist es auch wichtig, dass die Elefanten regelmäßig ordentlich abgeschrubbt werden, wegen der Parasiten. Das anfangs noch klare Flusswasser färbt sich schnell bräunlich, wenn unsere Dreckspatzen zum Baden kommen. Hinzu kommt der Pipi-Reflex, der einsetzt, sobald ein Elefant im Wasser ist. Und ja… fast immer erledigen die Dickhäuter auch ihr großes Geschäft im Fluss. Es kommt also nicht selten vor, dass dicke grüne Elefantenknödel neben einem schwimmen – das sollte hier niemanden abschrecken. Die Mahouts sorgen jedoch dafür, dass der Fluss einigermaßen sauber bleibt und fischen den Dung direkt heraus, denn flussabwärts waschen die Karen ihre Kleidung in ebendiesem Wasser.

Ich könnte den schönen Riesen stundenlang dabei zuschauen, wie sie sich im Wasser drehen und wälzen, planschen und mit ihrem Rüssel Wasser prusten, sich und allen anderen eine Dusche verpassen – einfach herrlich. Ich dürfte es, seit ich hier bin, jeden Tag miterleben und ich kann mir nicht vorstellen, dass es mir dabei einmal langweilig werden kann. Und nass finde ich die Dickhäuter besonders hübsch – obwohl sie eigentlich immer wunderschön sind.

Nach dem Bad haben wir die Elefanten ins Camp zurück gebracht, um kurz darauf zu unserer Tong Bai Stiftung zu fahren. Hier hatten sich für den Nachmittag Journalisten angemeldet, die über das Projekt von Bodo Förster berichten möchten. Keine Seltenheit, wie ich mittlerweile mitbekommen habe. Es gibt recht oft Pressetermine, Interviews, usw. Bodo Förster ist hier eine ziemliche Legende. Ich freue mich darauf, meinen Chef am Sonntag persönlich kennenzulernen. Momentan ist er auf einer Elefanten-Lesereise durch Laos unterwegs.

Zunächst genießen wir mit unseren Gästen ein leckeres Mittagessen auf der hübschen Terrasse der Stiftung und dann verabschieden wir unsere Gäste zur Floßfahrt, die sie am Nachmittag erwartet. Unterdessen gibt Natalie ein Interview und wir beobachten die Elefanten in der Stiftung beim Fressen und Spielen. Jack, unser Kleinster, ist mal wieder außer Rand und Band. Zum Leidwesen seiner großen Schwester Salia, die immer wieder gepiesackt wird, aber zur großen Freude der Journalisten, die den kleinen Frechdachs natürlich entzückend finden.

Zur Tong Bai Stiftung werde ich euch bald noch mehr berichten, denn sie ist ein sehr gutes und wichtiges Projekt neben Elephant Special Tours. Ebenfalls möchte ich euch noch  über den „bösen Elefantenhaken“ und das traurige Ritual des Einbrechens der jungen Elefanten berichten, beides Themen, über die ich in den letzten Tagen vieles gelernt habe. Am liebsten möchte ich alles neu Erlernte direkt mit euch teilen – aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Und dieser möchte früh begonnen werden… vielleicht mit einem ruhigen und gemütlichen Kaffee auf der großen Terrasse? 😉

Für heute verabschiede ich mich mit den Bildern von unserem Feierabendbierchen. Dem Reisschnaps der Thais konnte ich heute erstmals entgehen, da wir nach unserem Feierabendbier in der Kneipe (ihr wisst schon, die Bank des Ladens gegenüber) noch zu Natalie auf die Terrasse gefahren sind.

Bild 1: Blick von unserem Stammplatz aus auf den Laden. Hier kommen gerade die Reisbauern von der Ernte (daher die Gummistiefel) und halten im Shop

Bild 2: Natalie und Noah, meine beiden Kollegen, beim Feierabendbier auf unserem Stammplatz

Bild 3: Ein letztes Feierabendbier auf der Terrasse von Natalies Haus im Nachbardorf (noch ungeduscht, wie man unschwer erkennen kann)

So, Feierabend auch hier für heute! Gute Nacht!