Ein ganz normaler Arbeitstag

Das Erste, was ich morgens mache, wenn ich aus meinem Zimmer trete, ist das Öffnen der großen Flügeltüre auf unsere tolle Terrasse. Ich liebe den morgendlichen Ausblick auf das Tal, auf dem sich dann noch sanfte Nebelwolken über das – sonst so satte – Grün gelegt haben. Die ersten Sonnenstrahlen erklimmen den Berg und lassen den Tag erwachen.

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Für einige Momente genieße ich die Ruhe vor dem Sturm, denn schon bald beginnt der Trubel in der White Lodge. Seit meiner Ankunft nehme ich mir vor, morgens früh den ersten Kaffee an diesem wunderschönen Platz zu genießen – ich habe es bisher nicht geschafft. Gestern waren Bphu und Morn (unser Hauspersonal) schon früher da, heute war es Natalie. Und sobald jemand hier ist, setzt man sich dann an den kleinen Tisch, direkt an der Küche – denn dies ist der Dreh- und Angelpunkt des Hauses. Die Küche ist hier außerhalb des Hauptgebäudes, was hierzulande sehr oft der Fall ist. Generell haben in Thailand viele Haushalte gar keine Küche, da die Thais ihre Mahlzeiten überwiegend auswärts einnehmen. Bei den Karen ist es jedoch anders, sie haben fast alle Küchen oder kochen draußen.

 

Morgen stehe ich vielleicht einmal eine halbe Stunde früher auf, um meinen Kaffee auf der schönen Terrasse zu genießen – irgendwann muss es schließlich einmal klappen.

Um 8 Uhr geht einer von uns rüber zu den Gästen ins Resort (gegenüberliegende Straßenseite) und schaut nach, ob alles in Ordnung ist, wenn die Gäste frühstücken. Um 9 Uhr kommen die Gäste dann rüber zur White Lodge, um gemeinsam mit uns ins Elefantencamp zu fahren. Unsere kleine Gruppe (heute waren es nur noch 3 Gäste, von dem jüngeren Pärchen haben wir uns gestern verabschiedet, da sie nur den 2-Tages-Trip gebucht hatten) hat heute zunächst einen Zwischenstopp am Mae Sapok Wasserfall gemacht. Ein wunderschöner – irgendwie magischer – Ort.

Von unten konnten wir einen wunderschönen Regenbogen sehen, aber auch oben – hinter dem Wasserfall – war es ein fantastisches Erlebnis. Ich war genauso begeistert wie unsere Gäste. Mal schauen wie lange die Magie für mich anhält, denn wahrscheinlich bin ich nun alle paar Tage mit neuen Gästen an diesem Ort.

Nur die Aussicht auf die Elefanten konnte mich von diesem wunderschönen und friedlichen Ort weglocken – denn die Vorfreude auf die Dickhäuter ist immer noch ungebrochen. Glücklicherweise sind die Entfernungen hier alle recht kurz und so waren wir innerhalb weniger Minuten in unserem Camp. Das sonst so belebte Camp war fast menschen- und auf jeden Fall sehr elefantenleer, denn die schönen Riesen waren heute früh noch im Wald. Bei Elephant Special Tours verbringen alle Elefanten die Nächte im Wald. Spätestens nachmittags, wenn die Gäste das Camp verlassen, bringen ihre Mahouts sie tief in den Wald. Dort werden sie an einer sogenannten Trippelkette befestigt, die ca. 20-30 Meter lang ist. Die Kette (die bei mir anfangs auf ein wenig Unbehagen gestoßen ist) hat mehrere Funktionen. Zum einen sorgt sie dafür, dass der Elefant nicht direkt zurück ins Camp rennt, weil er weiß, dass es dort Futter gibt, ohne dass er sich groß darum bemühen muss (Elefanten sind sehr schlaue Tiere). Zum anderen sorgt sie dafür, dass die Elefanten nicht in die nahegelegenen Reisfelder ausbüxen, wo sie einem Reisbauern mit seiner Schrotflinte begegnen. Das ist leider schon passiert, eine der Elefantenkühe hat unschöne Narben von Schüssen eines wütenden Bauern, dessen Reisernte zerstört wurde. Last but not least kommen die Gefahren der Straße hinzu, denn leider rasen die Fahrzeuge hier teilweise sehr und ein kreuzender Elefant wäre für beide Seiten eine böse Überraschung.

So sorgen also die Mahouts dafür, dass die Elefanten Nacht für Nacht an immer wieder anderen nahrhafen Stellen platziert werden. Unsere erste Aufgabe bestand heute morgen darin, die Elefanten aus dem Wald zu holen und sie ins Camp zu reiten. Also stapften wir zunächst tief in den Wald über Stock und Stein und suchten die Elefanten. Ohne die Mahouts hätten wir sie niemals gefunden, denn sie sind erstaunlich getarnt zwischen dem Grün. Ja… auf jedem der folgenden Fotos ist ein Elefant zu sehen (viel Spaß beim Suchen), nicht nur auf dem letzten! 🙂

Kaum im Elefantencamp angekommen, ging es auch schon weiter zur nahegelegenen Badestelle. Die Elefanten lieben das Wasser und sie genießen das Baden und Abduschen der Gäste sehr. Und tatsächlich ist es auch wichtig, dass die Elefanten regelmäßig ordentlich abgeschrubbt werden, wegen der Parasiten. Das anfangs noch klare Flusswasser färbt sich schnell bräunlich, wenn unsere Dreckspatzen zum Baden kommen. Hinzu kommt der Pipi-Reflex, der einsetzt, sobald ein Elefant im Wasser ist. Und ja… fast immer erledigen die Dickhäuter auch ihr großes Geschäft im Fluss. Es kommt also nicht selten vor, dass dicke grüne Elefantenknödel neben einem schwimmen – das sollte hier niemanden abschrecken. Die Mahouts sorgen jedoch dafür, dass der Fluss einigermaßen sauber bleibt und fischen den Dung direkt heraus, denn flussabwärts waschen die Karen ihre Kleidung in ebendiesem Wasser.

Ich könnte den schönen Riesen stundenlang dabei zuschauen, wie sie sich im Wasser drehen und wälzen, planschen und mit ihrem Rüssel Wasser prusten, sich und allen anderen eine Dusche verpassen – einfach herrlich. Ich dürfte es, seit ich hier bin, jeden Tag miterleben und ich kann mir nicht vorstellen, dass es mir dabei einmal langweilig werden kann. Und nass finde ich die Dickhäuter besonders hübsch – obwohl sie eigentlich immer wunderschön sind.

Nach dem Bad haben wir die Elefanten ins Camp zurück gebracht, um kurz darauf zu unserer Tong Bai Stiftung zu fahren. Hier hatten sich für den Nachmittag Journalisten angemeldet, die über das Projekt von Bodo Förster berichten möchten. Keine Seltenheit, wie ich mittlerweile mitbekommen habe. Es gibt recht oft Pressetermine, Interviews, usw. Bodo Förster ist hier eine ziemliche Legende. Ich freue mich darauf, meinen Chef am Sonntag persönlich kennenzulernen. Momentan ist er auf einer Elefanten-Lesereise durch Laos unterwegs.

Zunächst genießen wir mit unseren Gästen ein leckeres Mittagessen auf der hübschen Terrasse der Stiftung und dann verabschieden wir unsere Gäste zur Floßfahrt, die sie am Nachmittag erwartet. Unterdessen gibt Natalie ein Interview und wir beobachten die Elefanten in der Stiftung beim Fressen und Spielen. Jack, unser Kleinster, ist mal wieder außer Rand und Band. Zum Leidwesen seiner großen Schwester Salia, die immer wieder gepiesackt wird, aber zur großen Freude der Journalisten, die den kleinen Frechdachs natürlich entzückend finden.

Zur Tong Bai Stiftung werde ich euch bald noch mehr berichten, denn sie ist ein sehr gutes und wichtiges Projekt neben Elephant Special Tours. Ebenfalls möchte ich euch noch  über den „bösen Elefantenhaken“ und das traurige Ritual des Einbrechens der jungen Elefanten berichten, beides Themen, über die ich in den letzten Tagen vieles gelernt habe. Am liebsten möchte ich alles neu Erlernte direkt mit euch teilen – aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Und dieser möchte früh begonnen werden… vielleicht mit einem ruhigen und gemütlichen Kaffee auf der großen Terrasse? 😉

Für heute verabschiede ich mich mit den Bildern von unserem Feierabendbierchen. Dem Reisschnaps der Thais konnte ich heute erstmals entgehen, da wir nach unserem Feierabendbier in der Kneipe (ihr wisst schon, die Bank des Ladens gegenüber) noch zu Natalie auf die Terrasse gefahren sind.

Bild 1: Blick von unserem Stammplatz aus auf den Laden. Hier kommen gerade die Reisbauern von der Ernte (daher die Gummistiefel) und halten im Shop

Bild 2: Natalie und Noah, meine beiden Kollegen, beim Feierabendbier auf unserem Stammplatz

Bild 3: Ein letztes Feierabendbier auf der Terrasse von Natalies Haus im Nachbardorf (noch ungeduscht, wie man unschwer erkennen kann)

So, Feierabend auch hier für heute! Gute Nacht!

 

 

 

 

 

10 Gedanken zu “Ein ganz normaler Arbeitstag

  1. Liebe Melanie, die noch nicht näher definierten Waldtiere haben dich hoffentlich sanft in den Schlaf gezirpt und geschnalzt. So viele neue Eindrücke! Ich habe auf den Bildern Mühe gehabt, die Elefanten auszumachen. Ich wünsche Dir einen magischen neuen Tag….:-)

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  2. Lb. Melanie, Deine Begeisterung ist zu spüren und beim Skypen auch zu sehen, wie Du diese schöne Auszeit
    genießt. Die Bilder sprechen auch für sich…. Einfach traumhaft….Ich hatte auch Probleme die Elefanten zu
    finden. War nicht so einfach. Wir freuen uns alle mit Dir, das Du es so gut angetroffen hast und fiebern jetzt
    Deinen Berichten mit Fotos entgegen!!!

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  3. Liebe Melanie, auf einer Safari wurde mir gezeigt, wie man Tiere erkennt, die getarnt in Ihrer Umgebung stehen. Insofern war das Entdecken der Elefanten nicht so schwierig, ich finde es aber großartig, dass sie (wenn auch angeleint) in der Natur sein dürfen und nicht in irgendwelchen Käfigen…
    Deine Berichte lesen sich toll, ich bin ganz bei dir und kann verstehen, wie du dich fühlst… frei, unabhängig, glücklich. Und ich im fernen Deutschland hab ganz sicher Asienweh…
    Ich freue mich auf weitere Berichte… Alles Liebe

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  4. Liebe Melanie, das sieht und klingt alles wunderschön & faszinierend anders aus. Mit wie viel Liebe du von den Elefanten berichtest ist rührend …und das mit dem Morgen-Kaffee-Tal-Blick wird schon 😊. . Ich würde mal sagen „Alles richtig gemacht“ 😃 … wir trinken heute einen Glühwein auf dich und ich freu mich über weitere Bilder und Berichte Alles Liebe & weiterhin ganz viel törööööö

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  5. Dein Titelfoto ist wunderschön!!! Mir zeigt es so unendlich viel Vertrauen. Und das Foto von Deiner Terasse macht echt neidisch … noch ein wenig Gezirpe, ein leichter, frischer Windhauch … und ich kann tatsächlich den Kaffee riechen, den du dort trinkst.
    Ich freue mich auf deine weiteren Texte und Bilder.
    LG Erika

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  6. Hallo Melanie,

    man spürt richtig, wie gut es dir im Camp geht. Das freut mich und es ist total unterhaltsam, deinen Blog zu lesen, ich warte schon auf die Fortsetzung.

    Liebe Grüße Viktoria

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