Irgendwas ist immer

Meinen Titel habe ich heute ganz bewusst ausgewählt. Es ist ein Zitat von Bodo Förster, meinem Chef und einem sehr faszinierenden Menschen. Ich habe ihn gestern kennengelernt und heute viel Zeit mit ihm verbracht, doch dazu komme ich später.

Um ein wenig chronologisch vorzugehen, möchte ich zunächst von den letzten Tagen berichten. Ich habe mich seit fast einer Woche nicht gemeldet, denn wie Bodo oft treffend formuliert „Irgendwas ist immer“, was mich vom Schreiben abgehalten hat. Doch heute packe ich die Gelegenheit beim Schopfe, denn wenn sich zu viel Schreibstoff ansammelt (wie es eigentlich jetzt schon der Fall ist), weiß man gar nicht so recht, wo man beginnen soll.

Meine Tage starte ich nun tatsächlich eine Viertelstunde früher mit einem gemütlichen Kaffee auf der Terrasse. So sehr mir mein morgendlicher Schlaf am Herzen liegt, so sehr lohnt sich trotz allem das frühere Aufstehen. Halbwach tapse ich in die Küche, schwanzwendelnd begrüßt von unseren Hunden und bereite mir einen Nescafé zu (ja, man gewöhnt sich an alles, seufz). Kurz darauf mache ich es mir eingemummelt in meinen Fleecepullover auf der Terrasse gemütlich und warte darauf, dass der Tag und mein müder Geist erwacht. Mit den Nebelschwaden weicht auch meine Müdigkeit und wenn die wärmende Sonne langsam die Berggipfel erklommen hat und unser Tal erstrahlen lässt – dann bin ich auch ich startklar für den neuen Tag.

Neben unserer Terrasse steht übrigens ein kleines Geisterhaus, welches die Tradition der Thais und Karen sehr gut widerspiegelt. Jeder, der hier ein Haus baut, platziert in unmittelbarer Nähe auch ein Geisterhaus. Dieses beschützt die Bewohner vor den Geistern, vor denen alle großen Respekt haben. Hier werden regelmäßig Lebensmittel hergebracht um die Geister zu besänftigen. In der Stadt wird den Geistern oft rote Fanta geopfert, warum genau diese Sorte werde ich sicher noch herausfinden. Viele Thais oder Karen haben zusätzlich auf der Wegstrecke zur Arbeit ein Geisterhaus. Hier hupen sie jedes mal, wenn sie vorbeifahren, damit die Geister sie auf der Fahrt beschützen.

Mein Arbeitsalltag hat sich hier langsam eingependelt und ich könnte immer noch stundenlang den Elefanten beim Baden zusehen. Es ist einfach herrlich mitanzusehen, wie vergnügt die Dickhäuter planschen und toben. Auch auf die Gefahr hin, dass euch die wiederkehrenden Fotos irgendwann langweilig werden, ich zeige euch ganz bestimmt immer wieder badende Elefanten – da müsst ihr durch! 🙂 Voilà!

Auch der Wasserfall hat seine Magie für mich noch nicht verloren und obwohl das Wetter deutlich schlechter war als beim letzten Besuch, kam kurz die Sonne heraus und hat uns erneut einen Regenbogen beschert.

Es gab aber auch ein neues Ereignis, was ich mit unseren zweiten Gästen in der letzten Woche erstmalig erlebt habe: das Schlagen von Elefantengras. Direkt auf dem Gelände hinter der Lodge, neben den Reisfeldern, haben wir eine Fläche gepachtet, auf der wir Futter für unsere Elefanten anbauen. Letzte Woche sind wir – gemeinsam mit der anderen Gästegruppe von Marius und Noah – zum Elefantengras-Schlagen gefahren. Wir vom Team fahren meist hinten stehend auf den Autos mit, während unsere Gäste natürlich im Auto sitzen. Bisher habe ich mich während der Fahrt noch nicht getraut ein Foto zu machen, da man sich gut festhalten muss, diesmal hat es aber kurz vorm Anhalten funktioniert.

Marius hat unseren Gästen gezeigt, wie man die Machete richtig ansetzt, um das Gras zu schlagen ohne sich zu verletzen. Kurz darauf waren unsere Fahrzeuge vollbepackt und die Fahrt ins Camp war hinten drauf umso abenteuerlicher. Der freudige Empfang, den uns die Elefanten danach bereitet haben, hat mich für die Strapazen der kurzen Fahrt entschädigt – wobei mir schon klar war, dass der weniger uns Menschen, sondern eher dem frischen grünen Futter galt.

Am Samstagnachmittag haben Natalie und ich die letzten Gäste unserer 3-Tagestour verabschiedet. Ich hatte vorher entschieden mit den Gästen gemeinsam nach Chiang Mai zu fahren und mich ins Stadtleben zu stürzen. Mal raus aus den schmutzigen Klamotten und rein ins Getümmel!

Unvorstellbar, wie schnell man sich an das Leben auf dem Land gewöhnt – mir erschien Chiang Mai wie eine Großstadt. Verglichen zu meinen bisherigen Thailandtrips, wo ich Chiang Mai immer als die kleine beschauliche Stadt erlebt habe, wenn man aus dem lauten und trubeligen Bangkok kommt. Bangkok – mit all seinen Facetten – mag ich sehr, aber Chiang Mai liebe ich besonders, immer schon. Hier kann man ohne Plan einfach stundenlang umher spazieren und trifft auf beeindruckende Tempelanlagen, einen wunderschönen Terrakottagarten oder einen belebten Markt mit duftenden Essensständen.

Bisher kannte ich jedoch nur die kleineren Märkte in Chiang Mai und war fast geschockt von dem riesigen Sonntagsmarkt – der Sunday Market Walking Street, die sich vom Thapae Gate quer durch die Altstadt erstreckt. Die Marktstände befinden sich vor den atemberaubenden Kulissen der imposanten Tempel, teilweise auch innerhalb der Gärten und Anlagen. Hier trifft man auch die Mönche beim Shoppen. Neben dem einzigen Teil, was ich tatsächlich „brauchte“ nämlich einer Kopfbedeckung, habe ich noch zahlreiche andere wunderschöne Dinge erstanden. Irgendwann wurde es mir jedoch tatsächlich zu voll. So ein Gedränge und Geschiebe, wie ihr wahrscheinlich gerade auf den Kölner Weihnachtsmärkten am Wochenende erleben könnt, war mir – als neues Dorfkind 🙂 – einfach zuviel.

Ansonsten habe ich mein Wochenende in Chiang Mai ruhig angehen lassen und mir ein fantastisches Frühstück gegönnt. Ich wohnte im Thapae Gate Lodge Guesthouse, welches Olaf gehört. Er ist ein guter Bekannter von der Company hier, ebenfalls Deutscher, und hier quartieren sich alle ein, wenn´s sie in die Stadt zieht (außer Natalie, die mit ihrem Freund ein Haus in der Stadt bewohnt).

Kulinarisch war das Wochenende in Chiang Mai großartig: leckeres Frühstück mit richtig gutem Kaffee (den man dann umso mehr zu schätzen weiß), Massamam Curry mit braunem Reis und zur Krönung einen Roti – einen besonders zubereiteten Pancake/Crepe mit Banane und Schoko – ein Traum!

Beinahe hätte ich nun vergessen, einen der heiligsten Feiertage der Thais zu erwähnen: am Samstag, den 05.12. haben wir hier den Königs-Geburtstag gefeiert. Ich persönlich habe an dem Tag zwar eher den Geburtstag einer ganz besonders lieben Freundin gefeiert (Happy birthday again, Natascha) UND meinen Papa (denn Kings Birthday ist hier auch gleichzeitig Vatertag), aber wenn ich das hier laut äußere, komme ich womöglich ins Gefängnis. Tatsächlich war an dem Tag natürlich ein Riesenspektakel auf den Straßen und rund um das Thapae Gate in Chiang Mai eine große Bühnenshow, Fotostände, Promotions, Feuerwerk, usw.

Nach einem schönen und aufregenden Wochenende in Chiang Mai hat Natalie mich Montagmorgen um  7 Uhr im Guesthouse abgeholt und wir sind gemeinsam zur Arbeit gefahren. Dort haben wir dann gestern unsere neuen Gäste begrüßt, die bis morgen bleiben werden.

Gestern habe ich dann auch Bodo Förster, den Gründer von Elephant Special Tours – und somit mein Chef – kennengelernt. Es war nur eine kurze Begegnung gestern, da wir viel mit unseren Gästen beschäftigt waren. Heute morgen hat Bodo dann spontan entschieden, dass ich den Tag mit ihm verbringen sollte, weil wir bisher noch nicht zusammen gearbeitet haben und damit wir uns kennenlernen.

Somit hatte ich heute erstmals keinen „klassischen Tag mit Gästen“, sondern habe ein Filmteam betreut, welches Bodo heute hier auf der Lodge und im Camp interviewt hat. Für ihn scheinbar nichts Besonderes mehr, denn er arbeitet sehr viel mit der Presse und den Medien zusammen – er sucht die Aufmerksamkeit für sein „Viehzeug“ wie er seine geliebten Elefanten liebevoll nennt. Ein Träumer und Visionär, der in den letzten 15 Jahren hier viel bewegt hat – und noch sehr viel mehr bewegen möchte!

Für mich war es spannend, heute so viel über ihn und seine Arbeit zu erfahren. Nicht nur über sein Untenehmen und seine Visionen, sondern auch über den Menschen Bodo, der vor knapp zwei Wochen seinen Vater verloren hat. Um es kurz zu fassen, würde ich Bodo ebenso beschreiben, wie seine Seelenverwandten: er ist ein sanfter Riese, oder auch sein sanfter Dickhäuter (und Dickschädel, wie er selbst von sich sagt).

Mehr dazu berichte ich sicherlich in den nächsten Tagen, doch nun muss ich ins Bett. Morgen früh geht es bereits um 6 Uhr ins Camp, dann verabschieden wir uns von Marius und Noah und den 7 Gästen und Elefanten, die auf den großen Trek gehen (7 Tage, 6 Nächte übernachten in der Wildnis). Ab morgen wohne ich dann erstmal für ein paar Tage alleine auf der White Lodge. Über Spinnen muss ich mir aber vorerst keine Sorgen machen, die haben die Jungs alle gegessen (kein Witz!!! gebratene Vogelspinnen…. die spinnen doch!!!) aber auch dazu später mehr. Ich muss jetzt schnell diese Bilder aus meinem Kopf bekommen, damit ich gut schlafen kann.

Gute Nacht ihr Lieben!

PS. Ich freue mich riesig über jeden einzelnen eurer Kommentare und die Anteilnahme an meinem großen Abenteuer – danke dafür!!!

 

 

9 Gedanken zu “Irgendwas ist immer

  1. Hallo Melanie, es liest sich einfach wunderbar – und ich sehe Deine strahlenden Augen vor mir !!!!
    Schön, dass Du alles so erleben darfst und Deine Erwartungen erfüllt werden….In Gedanken bin ich bei Dir
    und genieße alles mit !!

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  2. Du schreibst so lebendig, man glaubt dabei zu sein. Die schoenen Bilder ergaenzen alles so wunderbar.Danke , daß Du uns alle daran teilhaben lässt. LG :):):)

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  3. Wieder schöne Bilder!!! … aber auf deiner Terrasse habe ich keinen Nescafé geschnuppert. … Wenn du dich schon umgewöhnen musst, versuche es mit Tee, … und hin und wieder mit ’nem „echten“ Bohnenkaffee, geht auch ohne Filter oder Maschine … Du solltest deine Traumtage nicht mit Nescafé beginnen.
    Freue mich auf mehr badende Elefanten!

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  4. Liebe Melanie,
    es ist schön, deine leuchtenden Augen zu sehen auf den Fotos. Sie haben einen besonderen Glanz, den du dir bewahren solltest.
    Ich musste in einem meiner letzten Lehrhefte das Thema „Tagebuch – der tägliche Begleiter eines Schriftstellers“ bearbeiten. Ein Blog ist eine vielleicht etwas modernere und öffentlichere Art des Tagesbuchs schrieben – also alles was du schreibst, bringt dich einem anderen Ziel näher 😉
    Und unser erbarmungsloses Feedback kann bei diesen Erlebnissen nur lauten: großartig, toll und nochmals großartig. Da fällt es uns Daheimgebliebenen mit all unseren banalen Alltäglichkeiten schon deutlich schwerer, ein interessantes Tagebuch zu verfassen…
    In diesem Sinne – Bitte mehr davon und einen dicken Kuss aus der Heimat 😘😘😘😘😘😘

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  5. Wie die essen Spinnen?! ?!?!🕷😳😷☠
    Hab ich aber von den Südamerikanern auch schonmal gehört. Da gibt’s wohl Vogelspinnen, die Hühner fressen u deshalb deren Fleisch wie Hühnchen schmeckt.

    Also eigentlich müsstest du das mal probieren, das passt doch zu diesem aufregenden Abenteuer. 😉👍

    Von Bodo musst du aber noch mehr erzählen. Er hört sich nach einer sehr interessanten Person an. Wie alt ist er denn? Und wie hat es ihn dorthin verschlagen?

    Die Bilder sind alle so toll und ich wette jeder einzelne von uns, der das liest und anschaut, bekommt ein bisschen Fernweh dabei.

    Kuss an dich und ich bin so froh, dass du dir diesen Traum verwirklichst! 😘
    Zissy

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  6. Na super, jetzt hab ich so ben langen Kommentar geschrieben u er hat ihn nicht gesendet. So ein Mist. Ist dir das bei mir nicht auch mal passiert? Egal ich kriege es jetzt nochmal hin: also: wie, die essen Spinnen?!?!?!🕷😷☠

    Und dazu schreibt keiner was?

    Ich hatte tatsächlich schonmal davon gehört dass die Südamerikaner das auch machen. Und zwar gibt es eine Vogelspinnenart, die Hühner frisst und deren Fleisch dann wie Hühnchen schmeckt. Pelzige Hühnerbeinchen, hmmmm.🤔

    Bitte erzähl uns noch was über Bodo. Er hört sich wirklich sehr interessant an. Wie kam er dahin und was hat ihn dazu bewegt, dieses Elefantencamp zu gründen u wie hat er es finanziert?

    Die Bilder sind wirklich traumhaft u ich wette jeder, der das liest, bekommt dabei ein bisschen Fernweh.

    Ich freue mich so, dass du dir diesen Traum erfüllt hast.

    Ich drück dich aus der Ferne😘
    Zissy

    Gefällt 1 Person

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