Die Zeit rast

Und schon ist wieder Sonntagabend und die Woche ist wie im Flug vergangen. Ich hatte mir fest vorgenommen, regelmäßiger zu schreiben, da ich nicht nur viel Schreibstoff, sondern auch ganz besonders viele schöne Bilder habe, die ich mit euch teilen möchte. Aber tatsächlich ist hier immer etwas los, was mich vom Schreiben abhält. Jetzt ist es bereits wieder nach 22 Uhr und ich bin totmüde, aber bevor wieder eine Arbeitswoche ins Land zieht, muss ich doch noch das ein oder andere Erlebnis loswerden.

Um dort anzuknüpfen, wo ich zuletzt aufgehört habe: ja, hier werden Spinnen gegessen, genau genommen Tarantulas, oder wie wir sie bezeichnen: Vogelspinnen. Ich musste mir leider Fotos und Videos davon anschauen, wie Noah und Marius diese gegessen haben – und ich bin so froh, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht zuhause war. Ich wusste bereits, dass die Spinnen in Löchern leben und dass sich auch eines davon in unmittelbarer Nähe zu unserem Essensplatz befindet. Aber nun weiß ich auch, dass wir noch mehr dieser Nester im Garten haben – vielen Dank für diese Information, Jungs. Wahrscheinlich sollte ich ihnen wirklich dankbar sein, dass die Bestände nun reduziert sind. Ich hatte nur anfangs einen Rachefeldzug der Spinnen befürchtet – oh my Buddha!

Tatsächlich aber habe ich die letzten Tage alleine auf der Lodge ganz gut überstanden- glücklicherweise ohne die persönliche Bekanntschaft mit den ungeliebten zuviel-beinigen Mitbewohnern zu machen. Am Morgen nach meinem letzten Eintrag bin ich sehr früh aufgestanden, um die Trekking-Gruppe mit zu verabschieden. Es hat sich gelohnt, denn es war ein einmaliges Erlebnis. Es gab eine kleine Zeremonie, angeleitet durch Muag, unseren Zeremonienmeister. Nach einem bestimmten Ritual wurden verschiedene Dinge den Geistern geopfert: u.a. zwei Hühner: ein männliches und ein weibliches, das weibliche musste noch ein ungelegtes Ei in sich tragen, was zuerst verzehrt wurde. Die -extrem scharfe- Hühnersuppe wurde vor dem Tag der Abreise bereits gekocht und nach der Zeremonie verspeist. Und natürlich wurde auch Reisschnaps geopfert – und getrunken (um 6 Uhr morgens, noch vor der Hühnersuppe).

Es war wirklich ein besonderes Erlebnis, an dieser Zeremonie teilzunehmen. Muag, der Zeremonienmeister, ist seit Bodos Anfangszeit einer seiner engsten Vertrauten und Berater. Ein sehr lieber älterer Herr, der sich gefreut hat, dass ich die Hühnersuppe probiert habe, im Gegensatz zu vielen anderen Farangs (=Weißen). Die Schärfe und die Teile des kompletten (!!!) Huhns sind für uns Europäer tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig. Nun ja – danach war ich jedenfalls endgültig wach!

Auch der nächste Morgen war kein normaler Start in den Tag, denn Natalie kam aufgelöst zur Arbeit und berichtete, dass sich ein Hund schwer verletzt in ihre Einfahrt geschleppt hat. Er hat um Hilfe gewinselt und wir haben überlegt, was wir tun können. Da wir noch Zeit hatten, bis unsere neuen Gäste eintrafen, sind wir zusammen zu ihrem Haus zurück gefahren, wo der hübsche Kleine auf uns gewartet hat. Er winselte herzzerbrechend und kam uns auf seinen Vorderbeinen entgegen gehumpelt, die Hinterbeine zog er nach – wir mussten dringend etwas unternehmen. Also haben wir Pon, einen unserer Fahrer, mit Geld versorgt und ihm geholfen, den ängstlichen Hund ins Auto zu tragen, damit er ihn in die Tierklinik nach Chiang Mai bringt. Parallel haben wir versucht „Care for dogs“ zu erreichen, die sich hier vor Ort für hilfebedürftige Hunde einsetzen. Das Ende der Geschichte ist leider, dass dem Hübschen nicht mehr geholfen werden konnte und dass „Care for dogs“ entschieden hat, ihn von seinen Qualen zu erlösen. Neu war für mich, dass die Tierklinik sich hier generell weigert, Tiere einzuschläfern, weil das gegen ihren buddhistischen Glauben ist. Somit war es wichtig, dass „Care for dogs“ die Initiative ergriffen hat, denn wir haben den Arztbericht gelesen: Hüft- und Wirbelsäulenbruch – der Arme hatte Höllenqualen. Natalie und ich haben ihn im Nachhinein Foxy genannt, denn er war ein hübscher Fuchs. Somit muss er sich nicht namenlos in den Hundehimmel verabschieden. Und ein Bildchen von ihm muss auch in meinen Blog, damit er noch ein kleines Andenken bekommt. Machs gut, Foxy!

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Nach dem Schock am frühen Morgen begrüßten wir – mit ein wenig erzwungener guter Laune – unsere neuen 5 Gäste und fuhren mit ihnen ins Elefantencamp. Hier gab es nach der kurzen thereotischen Einführung das klassische Kennlernritual mit den Elefanten. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es bereits erwähnt hatte. Jedenfalls setzen wir uns mit unseren Gästen auf den Boden und alle Elefanten kommen um uns herum und sind dann sozusagen über uns. Für die Gäste – und auch für mich – ein wunderschöner Moment, der so viel Vertrauen erzeugt.

Die nächsten beiden Tage waren wie immer: Elefanten baden, Spaziergänge durch den Wald, Besuch des Karen-Dorfs und des Wasserfalls, Schlagen von Elefantengras – mein ganz normaler Arbeitsalltag (ich kann es immer noch nicht so richtig fassen!) Ich glaube, ich hab euch schon lange keine badenden Elefanten gezeigt, oder? 😉

Und was natürlich auch zu meinem harten Arbeitsalltag gehört, ist der Feierabend-Reisschnaps mit der Company (dem ich jedoch immer häufiger geschickt entkomme). Dafür bin ich – entgegen meinem sonstigen Naturell – recht ausprobierfreudig bei den Speisen, die sie dazu servieren. Es steht immer etwas anderes auf dem Tisch und das probiere ich fast immer aus… zur Ablenkung, wenn ich das Schnapsglas weiterreiche.

Zur Company-Family gehören natürlich auch die 5 Hunde. Sie haben sich hier auf dem eigenen „Walk of Fame“ verewigt. Die Stelle neben unserem Essensplatz ist letzte Woche neu ausgegossen worden – und natürlich sind alle Hunde mal durchmarschiert und haben ihre Pfotenspuren hinterlassen. Die White Lodge hat nun also einen „Walk of dogs“ – wer hat das schon?!

Am Freitagnachmittag hatte ich Glück, dass wir nur noch einen einzelnen Gast hatten und ich somit selbst auf einem Elefanten mitreiten dürfte. Ich bin Mae Gaeo geritten, die Mutter von unserem kleinen Jack. Sie ist die Leitkuh unserer Herde und gleichzeitig auch die Mutter von Salia und Phu Chapo – es ist also eine komplette Elefatenfamilie hier zusammen, was ich sehr schön finde.

Auch wenn es nicht das erste Mal war, dass ich auf einem Elefanten reiten durfte, so war es doch wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Die Welt sieht von dort oben einfach noch ein bisschen schöner aus! Und man fühlt sich mit dem sanften Riesen besonders verbunden – es war einfach nur toll. Ich hoffe, dass sich diese Gelegenheit noch öfters ergibt.

Freitagabend haben wir die Jungs und deren Gäste beim Trek besucht. Sie hatten ihr Nachtlager ca. eine halbe Autostunde von uns entfernt aufgebaut (sie wandern während des Treks einmal um das ganze Tal herum). Es war ein feucht-fröhlicher Abend mit Lagerfeuer, Gitarre, Glühwein (jaaa – Glühwein!) und viel Gesang (ich habe mit Irene aus Düsseldorf „Superjeile Zick“ gesungen. 🙂 Neben einem leckeren Barbecue gab es auch ein paar gegrillte Maden… muss man natürlich mal probiert haben – reicht dann aber auch!!!

Für heute verabschiede ich mich mit ein paar „Kuschel“-Bildern von unserem größten Elefanten: Phu Sii. Er ist nicht nur der größte Bulle in unserem Camp, sondern auch der größte im gesamten Tal – eine imposante Erscheinung, aber ganz lieb. Einer unserer ruhigsten und sensibelsten, also kein typischer Bulle. Aber ein Wunderschöner!

Demnächst erzähle ich euch von meinem freien Tag (also heute!) denn ich habe noch so vieles zu berichten. Doch die Uhrzeit neigt sich bei mir gegen Mitternacht und mein Wecker klingelt um 7 Uhr… und die Hunde bellen ab 6 Uhr. Also muss ich langsam ins Bett.

Außerdem muss mir noch etwas Spannendes für euch aufheben. Das ist doch bei den Serien auch nicht anders: die enden immer so, dass man sich auf die Fortsetzung freut. 🙂

In diesem Sinne: bis bald!

 

 

4 Gedanken zu “Die Zeit rast

  1. Leider hoffnungslos, Dir was zu schreiben. Zweimal alles verschwunden, als ich mich über WordPress einloggen wollte. Keine Lust mehr, alles noch mal zu schreiben. Liebe Grüße Hannah und Hanswerner

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    1. Hallo ihr zwei. Komischerweise ist der Blog so eingerichtet, dass ich Kommentare erst freischalten bzw. genehmigen muss – daher sehr ihr sie nicht direkt. Und durch die Zeitverschiebung bekomme ich das tlw. erst später mit. Ich muss mal schauen, wie ich das geändert bekomme. Lg Melanie

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  2. Liebe Melanie, aus deinen Geschichten hört man heraus, wie glücklich du bist.

    Ich sitze morgens gemütlich im Bett und lese deinen Blog, wenn hier noch alles schläft und bin einfach froh, so viele Glücksgefühle übermittelt zu bekommen. Danke dafür!

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