Sabaai dii pii mai

„Ein Frohes Neues Jahr“ wünsche ich euch allen. Dies ist einer der wenigen Thai-Sätze, die ich bisher beherrsche. Ebenso natürlich „Prost“ oder „Prost auf ein Frohes Neues Jahr“ und ganz wichtig: „Nein, danke, ich möchte nicht“ oder „nur ein kleines bißchen“ – diese Sätze habe ich mir für die abendlichen Schnapsrunden schnell eingeprägt. Es funktioniert noch nicht immer, aber immer öfters.

Wir haben ein paar schöne letzte Tage des alten Jahres mit unseren Gästen des Weihnachtsspecials verbracht. Lange und ausgiebige Ausritte rund um unser Tal. Ich selbst habe auch mal wieder auf einem Elefanten sitzen dürfen: einmal beim Holz schieben, was ich gemeinsam mit Roger den Gästen gezeigt habe und ein anderes mal beim Aufzeigen der verschiedenen Aufstiegsmöglichkeiten auf den Elefanten. Hierzu ein anderes mal mehr im Kapitel „Praktikantenalltag“, vorab nur bereits ein kleiner Vorgeschmack mit Fotos.

Foto 1: Baumstammschieben auf Mae Wan Mai mit Roger auf Phu Sii,   Foto 2: Kuscheln mit Salia

Während sich die Elefantentage für unsere Weihnachtsgäste dem Ende näherten, haben wir alle gemeinsam einen schönen Sylvesterabend auf unserer White Lodge verbracht. Es gab eine Art Thai-Raclette und Sticky Reis aus dem Bambus – sehr lecker.

Wie fast an allen allen vorherigen Abenden, wechselten wir jedoch schnell von den Essenstischen an das gemütlichere Lagerfeuer. Diesmal an der neuen Feuerstelle in unserem großen Garten der zur Lodge gehört. Die Musik einer Karenband sorgte für gute Stimmung und ließ die Zeit schnell vergehen.

Roger hatte im Vorfeld entschieden, Sylvester auf 21 Uhr vorzuziehen, weil er meinte, die Thais halten nicht bis 0 Uhr durch. Gefühlt ist es hier sowieso immer später als die tatsächliche Uhrzeit, da es um 18 Uhr dunkel wird und schnell stockfinster ist. Bis auf den atemberaubenden Sternenhimmel, den man hier in den Bergen leuchten sieht. Also wurde um 21 Uhr ein Feuerwerk gezündet und die „Lucky Balloons“ mit den Gästen steigen gelassen.

Beim wirklichen Sylvester um 0 Uhr waren dann tatsächlich nur noch eine handvoll Gäste sowie Noah, Marius und ich anwesend – die Gitarre wanderte mittlerweile umher, weil die Musiker Feierabend hatten. Eine gemütliche kleine Runde, mit der wir ins neue Jahr gestartet sind. Das deutsche Sylvester habe ich leider verschlafen, bzw. mein Wecker klingelte um kurz danach (deutsche Zeit 1 Uhr, zu meiner Zeit 7 Uhr). Denn während ihr alle noch eifrig am Feiern ward, begann für mich der neue Arbeitstag.

Für unsere Gäste war es der letzte Tag im Elefantencamp, gekrönt durch eine Abschiedsparty mit den Mahouts und unserem gesamten Personal und der Aushändigung der „Elefanten-Führerscheine“.

Foto 1: Rogers und meine Gruppe, Foto 2: Marius und Noahs Gruppe, Foto 3: BBQ, Foto 4: Betreuer /  Elefantentrainer

Danach hieß es für unsere Gäste dann Abschied nehmen von den Elefanten. Dies war teilweise sehr tränenreich und – wie die meisten von euch wissen, verdrücke ich mir auch sehr schnell mal ein paar Tränchen – ich musste mich zusammenreissen, dass ich nicht bei jedem mitweine. Es hat mir einen klitzekleinen Vorgeschmack darauf gegeben, was mich Ende April erwartet. ABER darüber werde ich jetzt noch nicht nachdenken – ich habe schließlich noch 4 Monate vor mir.

Bevor wir unsere Gäste am Samstagmorgen verabschiedet haben, gab es noch eine Segnung von unserem Zeremonienmeister Muag. (Bei den Gästen besser bekannt als Schnapsminister. Bei ihm ist es immer am schwersten dem Reisschnaps zu entkommen, gelingt mir nur selten!) Auf unserer Terrasse auf der White Lodge hat jeder Gast Armbänder (bestehend aus 9 einzelnen Fäden) mit einer feierlichen Ansprache – die wir leider nicht verstanden haben – umgebunden bekommen. Diese Armbänder bringen Glück und Segen für das neue Jahr. Wie ich später nachgelesen habe, heißen die Armbänder Sai Sin oder gesegnete „9-Tage-und-9-Nächte-Glücksarmbänder“. Auch ich bin von unserem Muag gesegnet worden und trage nun ein Armband. Man soll dieses so lange tragen, bis es von alleine abfällt.

Kurz darauf war es Zeit, sich von unseren Gästen zu verabschieden, die sich nun in alle Himmelsrichtungen verstreut haben. Ich bin mit dem ersten Minibus an Gästen mit nach Chiang Mai gefahren und habe das Wochenende gemeinsam mit Franzi – eine unserer Gäste aus Bayern – dort verbracht.

Chiang Mai war wie immer schön – aber auch wieder ein wenig trubelig, wenn man vom Land kommt. Ich mag es immer wieder in die quirlige Stadt zu kommen, aber ich freue mich nach dem Wochenende dann auch jedes mal aufs Neue auf unser ruhiges und beschauliches Bergdorf.

Gewohnt habe ich diesmal im „la mer“ Guesthouse, einer schönen Unterkunft, die ich von meinen Aufenthalten der letzten Jahre bereits kenne. Direkt gegenüber gibt es eines der besten Frühstücke in Chiang Mai bei „nice kitchen“. Das Essen war einer der Hauptgründe, warum es mich an diesem Wochenende in die Stadt zog. Ich konnte zwischenzeitlich keinen Reis mehr sehen und brauchte dringend mal was anderes.

Und nun dürft ihr mal raten, wo wir abends essen waren?!?! 🙂

Ja – im German Beer Garden. Ein unfassbar leckeres Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat… das hat mich ganz schön glücklich gemacht, kann ich euch sagen! Da konnte ich (fast) darüber hinwegsehen, dass das Hauptklientel aus dicken, weißen, älteren Herren mit Hosenträgern bestand – scheinbar dem Proto-Deutschen. Wie dem auch sei: das Essen war vorzüglich und ich habe es sehr genossen. So sehr, dass wir am nächsten Morgen zum Frühstück tatsächlich wiedergekommen sind… und das heißt bei mir schon etwas, wenn ich das Frühstück im „Nice kitchen“ ausschlage.

Und während wir uns noch darüber amüsiert haben, wieviele Menschen beim Frühstück bereits Sekt trinken, kam der Kellner an den Tisch und servierte mir einen solchen. Dieser sei bei meinem Frühstück inklusive. Ich war mir zwar fast sicher, dass er sich vertan hat – aber wieso lange protestieren… der Sekt hat geschmeckt, auch am Morgen! 🙂

Somit waren wir gut gestärkt für den Tag, denn wir wollten hoch zum Tempel auf den Doi Suthep. Mit einem Songthaew (Sammeltaxi) fuhren wir vom NorthGate die kurvige Straße ca. 30 min. hinauf zu der imposanten Tempelanlage, von der man einen wunderschönen Blick über ganz Chiang Mai genießen kann.

Wir haben alle Rituale der Buddhisten mitgemacht, u.a. drei Runden betend um den Chedi (goldene Kuppel siehe Foto) laufen und uns auf dem Tuch verewigt, welches später um den Chedi gewickelt wird. Und ich habe mein eigenes kleines Ritual durchgeführt, was ich in Tempel (oder auch Kirchen) vollziehe: zwei Kerzen angezündet, eine um die lieben Lebenden zu beschützen und eine für die friedliche Ruhe der lieben Verstorbenen.

Leider war es an diesem Sonntag ziemlich voll auf dem Doi Suthep, denn neben etlichen Touristen waren auch viele gläubige Buddhisten zu Neujahr im Tempel. Da die Anlage jedoch riesig ist, verlief es sich an einigen Ecken ein wenig. In einer kleinen Gebetshalle, in die wir vorsichtig hereinlugten, war es menschenleer, als uns ein Mönch zu sich heran winkte. Er legte uns ein Sai Sin-Armband an und sprach dabei seinen Segen. Wow – nun bin ich doppelt gesegnet – was kann da noch schief gehen in diesem Jahr? Eigentlich nichts!

Am Nachmittag zog es uns dann auf die „Sunday Market Walking Street“. Neben einem leckeren Smoothie haben wir verschiedene Snacks ausprobiert – das Frühstück war schließlich schon eine ganze Weile her.

Nach erfolgreichem Shoppen wurde es uns irgendwann zu voll auf dem Markt, das Geschiebe wurde zu vorgerückter Stunde einfach zu anstrengend. Beeindruckend fand ich jedoch wieder, dass nach einer Lautsprecher-Durchsage (von den Tempeln kommend) das gesamte Treiben um 18 Uhr für eine Minute still stand und sich kein Mensch rührte. Eine Art Schweigeminute (genauer habe ich es noch nicht verstanden) und das Menschengewusel erstarrte umgehend – um kurz darauf wieder erneut loszuwuseln. Ein ganz besonderer Moment des Innehaltens, wie ich finde!

Am Abend hieß es dann Abschied nehmen von Franzi – mit einem Cocktail! Ich wollte nicht zu spät ins Bett, da ich wusste, dass mein Wecker mich heute früh um 6 Uhr wecken wird. Natalie, die gestern aus dem Urlaub zurückgekommen ist, hat mich um 7 Uhr am Tapae Gate in Chiang Mai aufgegabelt, damit wir pünktlich zum Arbeitsbeginn in Mae Sapok ankommen.

Chiang Mai ist am frühen Morgen wunderbar ruhig. Überall begegnen einem die Mönche in ihren leuchtend-orangenen Gewändern, die ein Strahlen in das trübe Morgenlicht bringen. Sie sammeln ihre Almosen um diese frühe Uhrzeit auf den Straßen der Stadt.

Für die Gläubigen ist es eine große Ehre, den Mönchen Speisen spenden zu dürfen, da sie dadurch gutes Karma sammeln. Somit bedankt sich auch nicht der Mönch bei den Spendern, sondern der Spender bei den Mönchen mit einem Wai (gefaltete Hände), dafür dass ihm diese Ehre zuteil wird.

In Mae Sapok angekommen, begrüßten wir heute 12 neue Gäste (also 6 pro Gruppe) für 2-3 Tage. Da Natalie noch ein wenig jetlag-geplagt war, durfte ich den heutigen Einführungstag so gut wie komplett alleine gestalten, das war auch einmal schön. Kenne ich bisher nur von der Tongbai-Stiftungstour, aber diese ist komplett anders, weil die Elefanten dort nicht geritten werden. Es hat Spaß gemacht und die Gäste sind auch allesamt sehr nett. Bei den Kurzzeitgästen baut man natürlich nicht so eine Bindung auf, wie bei den Gästen, die uns nun 11 Tage und vor allem Weihnachten und Sylvester begleitet haben.

Es ist aber auch mal wieder schön, einen gemütlichen Abend „zuhause“ zu verbringen und zu schreiben. Dies ist in den letzten Tagen deshalb etwas zu kurz gekommen, weil ich gerne meine Abende mit den Weihnachtsgästen am Lagerfeuer oder beim Kartenspielen verbracht habe. Nun ist wieder mehr Zeit für andere Dinge – eben alles zu seiner Zeit!

 

 

 

 

11 Gedanken zu “Sabaai dii pii mai

  1. Liebe Melli
    das hört sich ja nach aufregenden Tagen an. freut mich sehr. Wie toll die Fotos sind.
    Ich mag deinen Hut.
    Freue mich schon auf deinen nächsten Bericht. Bussi

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    1. Danke, ich mag meinen Hut auch. Wobei hier abends und morgens momentan eher Schal- und Mützenwetter ist, sehr kalte Nächte und morgens nur max. 8 Grad. Aber wem sag ich das? 😉 Bei euch sicher auch nicht besser… und bei uns wird es tagsüber immerhin 25-30 Grad 🙂

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  2. Liebe Melanie, das sieht alles sehr, sehr gut aus! Ich hoffe, dass Dich alle Glücksarmbänder recht lange begleiten. Ich frage mich, wie man auf die Elefanten raufkommt. Knien sie sich hin wie Kamele, damit man draufklettern kann? Weiter eine gute Zeit!

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  3. Hallo Melanie !
    Deine Mutter meint ich dürfte Dir schreiben obwohl wir uns nicht kennen ! Wir sind die Leute wo Stecklers mit in Thailand waren! Also ich lese Deine Berichte und bin ganz begeistert, wir waren auch schon mal in einem Camp und alles kann ich mir gut vorstellen, aber weil ich auch ein absoluter Thailandfan bin !!!
    Ich finde es ganz Klasse daß Du so etwas machst, das kann Dir keiner mehr nehmen ! ! Genieße die Zeit nimm alles mit ,es ist einfach nur wunderbar ! !
    Ganz liebe Grüße und ich warte schon auf den nächsten Bericht
    Maria Brings

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    1. Hallo Maria,
      wow – nun habe ich schon unbekannte Leser! 🙂 Freut mich, dass euch mein Blog gefällt und ich euch als Thailandfans somit ein wenig Thailandfeeling vermitteln kann – hilft vielleicht gegen Fernweh! 😉
      liebe Grüße nach Köln,
      Melanie

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