Eisige Zeiten im Norden Thailands

Seit einigen Tagen weiß ich das schöne Wetter und die Sonne hier erst richtig zu schätzen. Heute strahlte die Sonne von einem wunderschönen blauen Himmel wieder zu uns herab, um uns zu wärmen – das war nicht immer so in den vergangenen Tagen.

Samstag war einer der heissesten Tage, die ich hier erlebt habe. Sonntag – mein freier Tag, den ich komplett lesend auf der wunderschönen Terrasse verbracht habe – war es immer noch sehr warm, allerdings auch recht windig und es gab zwei kurze Regenschauer. Die Vorboten für Montag…

Am Montag hat es dann wie aus Eimern geschüttet! Ich hatte mich morgens im Shop gegenüber noch rechtzeitig ausgestattet mit Gummistiefeln und Regencape. Darunter meine Regenjacke, Leggings, Fleecepullover und Wollsocken. Denn der Regen war nicht das Hauptproblem: schlimm war, dass die Temperatur extrem gefallen ist, so dass zu dem Regen auch noch Kälte und Wind hinzu kam.

Unser Programm mit den Gästen fand jedoch wie geplant statt: morgens holten wir die Elefanten aus dem Wald. Während die Mahouts auf uns warteten, hatten sie für sich und die Elefanten ein Feuer angezündet. Das einzige wirksame Mittel gegen die Kälte, wie ich in den nächsten Tagen noch erfahren konnte.

Egal ob bei uns zuhause in der Küche oder bei Bee und Nai vorm Shop: überall wurden Feuer angezündet (und bei der Gelegenheit auch direkt Bananen gegrillt), und man versammelte sich darum. Herrlich – zumal ich feststellte, dass meine Gummistiefel zum Ende der Tour nicht mehr ganz dicht waren und ich nasse und eiskalte Füße bekommen hatte.

Zum Glück hatte Bodo noch ein weiteres wirksames Mittel gegen die Kälte aufgetan: Glühwein! Sein Bekannter Joe betreibt ca. 1/2 Stunde von Mae Sapok entfernt eine deutsche Bäckerei mit leckerem Brot (eine Wohltat zwischen dem alltäglichen Toastbrot), deutscher Hausmannskost (tiefgefroren), Leberwurst…. und Glühwein!

Die Häuser hier in Thailand sind auf solche Temperaturen nicht vorbereitet. Heizungen sind natürlich ein Fremdwort und in die Holzhäuser zieht es durch jede Ritze. Teilweise gibt es auch keine Fenster, sondern nur Fliegengitter, zum Beispiel im Badezimmer. Duschen wurde also zur echten Mutprobe.

Das einzige, was neben dem Glühwein also half gegen diese eisige Kälte, war warme und dicke Kleidung. Meine Fleecejacke wurde zum ständigen Begleiter, drüber und drunter Zwiebellook. Untenrum zwei Leggings unter der Mahout-Hose oder meine neuste Errungenschaft (natürlich aus dem Shop gegenüber): eine Fleecehose mit lustigen Tiermotiven. Der letzte Schrei – ich sag´s euch! 🙂 Ich habe mich nur getraut sie im Haus anzuziehen, am liebsten im Bett oder versteckt unter der Mahouthose. Bei Natalie merkt man dann, dass sie schon seit 4 Jahren hier lebt: sie trägt die auch auf der Straße und drüben bei den Gästen. Soweit bin ich noch nicht… auch wenn ich mein Modebewusstsein hier auch recht schnell ad acta gelegt habe. „Mae Sapok-Style“ sagt Natalie ganz oft, wenn wir mal wieder Socken mit Möchtegern-Crocs oder Flip Flops tragen… so würde man wirklich nirgendwo sonst rumlaufen, aber hier ist es irgendwie egal.

Bei meinem letzten Beitrag – über den Kindergarten – saß ich übrigens mit Fleecepulli, Mütze und drei Decken in meinem Bett. Ich wollte eigentlich viel länger geschrieben haben – unter anderem über die Wettersituation -, aber da meine Hände so gefroren haben, habe ich es bei einem kurzen Beitrag belassen. Als ich mit meiner Mutter und auch meinem Onkel geskypt habe, amüsierten die beiden sich über mein Outfit – während sie mir in Shirt und Hemd gegenüber saßen. Wir wissen oft gar nicht, wie gut wir es haben, dass wir im Winter einfach die Heizung aufdrehen können. Die armen Thais sind solche Temperaturen jedenfalls nicht gewöhnt. Tatsächlich gab es hier im Norden auch tragische Schlagzeilen von Kältetoten, ebenso wie von vielen Tieren, die die Kälte nicht überlebt haben. Unseren Elefanten hat es auch nicht gefallen – an Baden war gar nicht zu denken.

Gott sei Dank kam gestern nachmittags dann die Sonne wieder raus. Die Temperatur stieg rapide. Über den Tag entledigte ich mich dann von den zwei Paar Leggings, die ich noch unter der Mahouthose trug und auch obenrum war es dann nachmittags plötzlich wieder nur noch die kurzärmelige Karentracht (morgens noch mit Pulli darunter und Fleecejacke drüber). Was habe ich mich gefreut, als nach dem Mittagessen der Himmel aufriss und die Sonne über dem Tal vor strahlend blauer Kulisse lachte.

Nach unserem Programm mit den Gästen sind wir noch in ein benachbartes Camp gefahren, wo einige unserer „alten“ Elefanten nun arbeiten. Die Elefantenbesitzer schließen mit den Camps Jahresverträge, so dass es sein kann, dass die Elefanten dann nach einiger Zeit das Camp wechseln. Hier haben wir zwei Elefantendamen besucht, die Natalie schon lange kennt. Beide haben ihre Kälber seinerzeit bei Elephant Special Tours geboren, Puh Noi ist nun 7 Jahre alt und Bouvie 5 Jahre.

Puh Noi ist ein ganz schöner Racker, wie unser kleiner Jack. Er hört nur auf seinen Mahout Müth, kein anderer kommt gut mit ihm zurecht. Aber Küsschen geben macht er sehr gut (wie unser Jack!). Er hat jetzt schon recht große Stoßzähne und wird bestimmt ein wunderschöner Bulle – ach was: das ist er jetzt schon!

Richtig verliebt habe ich mich gestern allerdings in Bouvie. Sie ist ein zuckersüßes Elefantenmädchen, das man richtig knuddeln kann – ganz anders als unser Jack! Bouvie mag es besonders, wenn man sie am Maul krault, so süß. Die hätte ich am liebsten sofort mitgenommen. So schade, dass sie nicht mehr in unserem Camp ist.

Aber auch die älteren Elefanten in dem Camp sind toll: die Mütter von Bouvie und Phu Noi und Mae Doulu – eine ganz süße rundliche Elefantendame.

Zum Abschluss eines schönen Tages haben wir dann gestern noch mit Nai zusammen gekocht. Ich liebe ihre Kartoffeltaschen ganz besonders und nun haben wir sie einmal zusammen gemacht, damit ich lerne, wie man sie macht. Eigentlich ganz simpel – und seeehr lecker.

Als Revanche haben wir ihr dann gezeigt, wie man Reibekuchen macht – die scheinen hier in Thailand auch ganz gut anzukommen. Besonders das Apfelmus (was aus Deutschland importiert wurde) fanden sie sehr interessant! 😉

Zuletzt haben wir hier Pizza gemacht und uns darüber amüsiert, dass die Mädels (Kellnerinnen aus dem Guesthouse) dazu tatsächlich Reis gegessen haben. Naja – Reis gehört hier eben zu jeder Mahlzeit. Das gemeinsame Kochen macht jedenfalls riesig Spaß, vor allem, wenn man dabei auch noch ein paar neue Gerichte lernt.

Demnächst muss ich mir die Zubereitung von Massaman Curry noch einmal genauer anschauen. Das ist schon seit längerem mein Thai-Lieblingsgericht, aber hier schmeckt es besonders gut (könnte an den Zimtstangen liegen, die ich neulich darin entdeckt habe).

Von den ganzen Essensfotos bekomme ich fast wieder Hunger. Dabei habe ich eigentlich eben gut – und deftig! – gegessen. Bodo hatte Linsensuppe vom Joe mitgebracht und noch verfeinert, sehr lecker. Vor allem, wenn man so etwas ewig nicht gegessen hat. Ich freue mich mittlerweile immer, wenn es einmal keinen Reis gibt. Wir Deutschen sind eben Kartoffel-Esser – da stehe ich zu. 🙂

 

3 Gedanken zu “Eisige Zeiten im Norden Thailands

  1. Hallo Melanie,

    sehr schön wieder Dein ausführlicher Bericht mit den vielen schönen Fotos.
    Ein Winter in Thailand zu erleben ist doch auch mal was ganz anderes. Da weiß man dann die
    Annehmlichkeiten bei uns richtig zu schätzen und Du kannst die Sonne jetzt wieder sooo richtig genießen!!!
    Habe gestern auch einen riesigen Topf Linsensuppe vorbereitet. Wolfgang und Papa haben heute
    „Männerabend“.
    Wir werden heute abend an Dich denken und ein Cola-Bier für Dich mittrinken. Du bist aber auch
    dieses Wochenende in Chiangmai und da wünschen wir Dir auch viel Spaß…
    Sei ganz lieb gegrüßt und laß Dich in Gedanken ganz fest drücken von uns allen.

    Gefällt mir

  2. Puh du siehst echt durchgefroren auf den Bildern aus – aber die schlabberhosen gefallen mir!!!

    Wie kalt war es denn? Das muss ja dann ein Unterschied von mind 20 grad gewesen sein zwischen dem Morgen u wenn die Sonne wieder rauskommt! Wahnsinn!

    Gefällt mir

    1. Es war ca. 8 Grad, fühlte sich aber noch kälter an. Und sobald die Sonne raus kam war es wieder heiß! Momentan sind wieder nur die Nächt sehr kalt und morgens und abends entsprechend kühl!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s