Bergfest, Chinesesisches Neujahr und Happy Valentine

Wie der Titel bereits vermuten lässt, überschlagen sich die Ereignisse im kleinen nordthailädischen Bergdorf. Ich persönlich erlebe mein Bergfest, da ich nun bereits auf die Hälfte meines Gesamtaufenthaltes zurück blicken kann. Seit Ende November bin ich nun hier und Anfang Mai kehre ich zurück nach Deutschland.

Wenn ich die vergangenen Wochen Revue passieren lasse, stelle ich fest, dass mich die sanften Riesen täglich aufs Neue in ihren Bann ziehen und dass sie mich begeistern, wie an meinen ersten Tagen. Ich habe mich noch lange nicht satt gesehen an badenden Elefanten! Ich hoffe, es geht euch ähnlich, dann natürlich habe ich hierzu noch ein paar aktuelle Fotos…

Ich stelle aber auch fest, dass mir meine Lieben sehr fehlen. Familie und Freunde, Arbeitskollegen und Kunden sowie sonstige Weggefährten… sicherlich ist es schwierig mit den sanften Riesen zu konkurrieren, aber ich kann euch sagen: ihr habt ziemlich gute Chancen! Ich freue mich, dass ich hier noch einige Zeit verbringen kann und werde sie weiterhin in vollen Zügen genießen, aber ich freue mich auch bereits sehr auf das Wiederkommen und Wiedersehen.

In der vergangenen Woche haben wir hierzulande das Chinesische Neujahr gefeiert. In Thailand feiert man tatsächlich dreimal das Neue Jahr. Zuerst einmal gemeinsam mit uns das klassische Sylvester am 31.12. Wobei die buddhistischen Thais am 1. Januar nicht das Jahr 2015 willkommen geheissen haben, sondern das Jahr 2559. Hier erfolgt die Zeitrechnung nicht nach Christus, sondern nach Buddha.Ich bin euch, während ihr das lest, nicht nur 6 Stunden voraus, sondern ganze 543 Jahre… das ist doch einmal eine interessante Betrachtungsweise!

Doch bevor ihr länger darüber nachgrübelt… zurück zum chinesischen Neujahr. Natürlich bekomme ich hier auf dem Dorf wenig von pompösen Festivitäten mit, die man wahrscheinlich in den größeren Städten erleben würde, besonders in den Chinatown-Vierteln von Chiang Mai oder Bangkok. Ich habe tatsächlich erst das chinesische Neujahr bemerkt, als Bodo auf der Bierbak (ihr erinnert euch? Unsere Feierabend-Bank alias „Stammkneipe“ am Shop) sagte, wir müssen nachher noch beim Man vorbei, aufs Neujahr anstossen. Man ist sein thailändischer Geschäftspartner, mit dem er die Firma zusammen gegründet hat. In Thailand müssen 51 % eines Unternehmens in thailändischer Hand sein, ansonsten hat man als Farang (= Weißer / Langnase) keine Chance hier eine Firma zu gründen. Da Man ein Thai mit chinesischer Herkunft ist, ist es selbstverständlich, dass er zum chinesischen Neujahr Freunde und Familie bewirtet. Am ersten Tag haben wir nur auf das neue Jahr getrunken, es gab Sang Som (Thai-Rum / Whiskey) für die Thais mit Soda, für uns mit Cola. Am zweiten Tag waren wir zum Essen eingeladen und es gab natürlich weiterhin Sang Som. Schliesslich muss das neue Jahr – übrigens das Jahr des Affen – anständig begrüsst werden. Von Bee und Nai gab es einen Präsentteller, den man sich scheinbar klassisch an Neujahr überreicht. Bei den Vorbereitungen hilft die komplette Familie mit. Aber als dieser Teller dann bei uns in der Küche stand, musste ich doch ein wenig schlucken.

Für mich persönlich hätte man den Hühnerkopf gut und gerne weglassen können, aber: andere Länder andere Sitten. Das wurde mir zuletzt – ebenfalls in unserer Küche – deutlich vor Augen geführt.

Dort stand ein Sack, der sich plötzlich bewegte und Geräusche von sich gab. Ich dachte kurzzeitig, unser kleiner Hund Franz – der übrigens gar nicht mehr so klein ist – hätte sich dahinter versteckt und hob den Sack an, was mit gackerndem Protest honoriert wurde. Schlagartig wurde mir bewusst, dass sich unter dem Sack kein kleiner Hund befand, sondern in dem Sack ein lebendiges Huhn. Nun gut, wenn man sich den Sack genauer anschaut hätte man durchaus direkt darauf kommen können – ich war dennoch überrascht. Ich ahnte bereits Schreckliches. Eine Milisekunde habe ich darüber nachgedacht, das arme Lebewesen zu befreien, doch damit hätte ich es mir endgültig mit Seng (unserem „Hausdrachen“, wie sie hier liebevoll genannt wird) verscherzt. Also: nicht länger darüber nachdenken und zurück ins Büro gehen. Wenig später höre ich lautes Gegacker und Geflatter und sehe wie unsere beiden Gärtner mit Besen bewaffnet über den Hof jagen. Meine Devise lautet weiterhin: nicht darüber nachdenken und bloß nicht aus dem Bürofenster schauen. Ich vertiefe mich in die Arbeit und irgendwann höre ich nichts mehr – es scheint überstanden zu sein. Später, nachdem ich meine Bürotätigkeit beendet habe, bringe ich meine Kaffeetasse in die Küche – wo mich ein frisch gerupftes Huhn im Kochtopf erwartet. Sofort überkommt mich wieder Mitleid mit dem armen Huhn. Es war Gott sei Dank nicht mein Abendessen, sondern Sengs Mitbringsel für eine Geburtstagsfeier!

An solchen alltäglichen Dingen stelle ich immer wieder fest, wie unterschiedlich mein normales Leben in Deutschland doch zu dem Leben hier ist. Umso spannender ist es, diese Eindrücke – mit allem was dazu gehört – erleben zu können, was einem bei einer klassischen Urlaubsreise niemals gelingen würde. Ich bin mittlerweile zum fünften Mal in diesem wunderschönen Land, habe verschiedene Ecken bereist, vom Norden bis in den Süden, sämtliche Inseln usw. und war mir sicher, schon sehr viel zu wissen und kennengelernt zu haben. Aber hier zu LEBEN gemeinsam mit Thais und Karen, das ist tatsächlich etwas ganz Spezielles und nicht vergleichbar mit den diversen Reisen davor. Nicht nur die Elefanten bereichern hier meine Zeit ungemein – sondern auch die Menschen mit ihrer Kultur, ihren Traditionen und allem was dazu gehört.

Neulich war ich wieder shoppen, in den „H&M“s unserers Dorfes. Ich habe eine wunderschöne rote handgewebte Decke erstanden in Mae Sapok Nuea (bei der Konkurrenz) und eine weitere tolle Karentasche von Porn in Mae Sapok Dei. Bei Porn (erstes Foto), der Frau unseres Fahrers, kaufe ich am liebsten ein. Sie ist so süß und lieb und immer am Lachen, wenn sie am Webstuhl sitzt, obwohl sie oft schon einen anstrengenden Tag auf dem Reisfeld hinter sich hat. Die weiße Karentracht (ihr erinnert euch? Die Kleidung der unverheirateten Frauen.) wurde mir nur fürs Foto verpasst. Ich trage hier lieber die bunten Karenoberteile… und weiß wäre bei den Elefanten auch nicht lange weiß. Schließlich gehen sie gerne auf Tuchfühlung mit ihrem Rüssel.

Unter Berührungsängsten mit Menschen leiden unsere Riesen ganz sicher nicht. Gerne kommen sie auch im Camp an unseren überdachten Essensplatz und schauen einmal nach dem Rechten. Unser Jungbulle Phu Chapo hat diesen Platz neulich, als ich dort mit Gästen saß, ganz besonders inspiziert. Wir konnten dann direkt einmal die Zahnkontrolle durchführen, denn sein abgebrochener Stoßzahn war nicht zu übersehen war.

Phu Chapos Mahout Chai Laan nimmt es mit der Körperpflege seines Schützlings übrigens sehr genau. Er ist einer der gründlichsten Mahouts, wenn es um das Waschen und Abbürsten seines Dickhäuters geht. Da wird auch gerne noch einmal nachgeholfen, wenn der Gast bereits denkt, dass sein Elefant sauber sei. Chai Laan lässt sich auch nicht davon abhalten, dass das Wasser an dieser Badestelle sehr seicht ist. Offensichtlich hat Phu Chapo aber auch Spaß dabei und genießt das kühle Nass.

Mit den badenden Elefanten schließe ich meinen Blogeintrag für heute. Ich könnte euch noch von meinem schönen Wochenende in Chiang Mai berichten, wo ich wieder einmal eine tolle Zeit mit Denise und Daniel erlebt habe. So sehr ich meine Freunde zuhause vermisse, so schön ist es, hier neue gefunden zu haben – eine echte Bereicherung meines Aufenthaltes! Ich bin jetzt schon traurig, dass die beiden bald in den Süden weiterreisen.

Von unseren Erlebnissen am Wochenende berichte ich beim nächsten Mal, denn mein Bett ruft nun. Ihr könnt euch freuen auf eine abgefahrene Misswahl, die beste Khao Soy der Stadt, noch mehr Sang Som… und vielleicht auch auf ein paar Elefanten. 😉

 

 

 

„Kölle Alaaf“ aus dem Bergdorf

Während ihr in den letzten Tagen hoffentlich ordentlich gefeiert habt, ist bei uns im Bergdorf alles beim Alten. Ich stelle fest: Karneval ist wie Weihnachten; man vermisst die Heimat und die Lieben mehr denn je. Aber man kann eben nicht alles haben und im nächsten Jahr bin ich wieder beim Karneval dabei – und vermisse bestimmt meine Elefanten! 😉

Ich hatte letztens eine kleine Gruppe Gäste, einmal tatsächlich sogar auch nur einen Gast, so dass ich selbst auch mal wieder zum Reiten gekommen bin. Diesmal hatte ich das Vergnügen mit Mae Dou, einer unruhigen Elefantendame, die ihren eigenen Kopf hat und somit eine kleine Herausforderung darstellt – aber eine sehr liebenswerte!

Mein einzelner Gast, Nina, war total begeistert und hat uns auch eine sehr schöne Bewertung bei Tripadvisor hinterlassen – darüber habe ich mich riesig gefreut. Irgendwann ist es wahrscheinlich nichts besonderes mehr, aber da es für mich persönlich die erste Bewertung war, hat es mich sehr glücklich gemacht. Es ist schon toll, dass ich daran mitwirken kann, dass unsere Gäste hier eine traumhafte Zeit erleben (eigentlich gar nicht so weit weg von meinem „normalen“ Job zuhause). Aber zugegeben: den Hauptjob übernehmen hier unsere sanften Riesen, die es im Nu schaffen, jedermann zu begeistern.

 

An meinen letzten freien Sonntag zog es mich dann wieder einmal in die Stadt, nach Chiang Mai – zumal ich dort mit sehr netten Menschen verabredet war. Die Welt ist ein Dorf und somit haben wir über eine Chiang-Mai-Facebookgruppe festgestellt, dass wir eine gemeinsame Freundin in Köln (bzw. Bonn) haben – also Grund genug, sich einen schönen gemeinsamen Tag in Chiang Mai zu machen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück beim Olaf (im „German Beergarden“) haben wir fast den kompletten Rest des Tages in einem wunderschönen Café inmitten eines Terrakotta-Gartens verbracht. Ich hatte dieses hübsche Fleckchen Erde vor einigen Jahren in Chiang Mai entdeckt, da war es jedoch nur ein kleiner malerischer Garten ohne Gastronomie. Als Denise mir nun von der Kulisse eines tollen Cafés erzählte, mussten wir doch direkt einmal checken, ob es derselbe Terrakottagarten von damals war. Und tatsächlich: mittlerweile gibt es ein Café im Garten.

Wir haben bis zum späten Nachmittag zu dritt in dem Café verbracht und uns stundenlang unterhalten. Denise und Daniel leben zur Zeit in Chiang Mai und somit konnten wir einige Tipps austauschen. Daniel hat von einem spannenden Meditationsretreat mit den Mönchen berichtet, was ich unbedingt während meiner Zeit hier noch ausprobieren möchte. Natürlich habe ich auch viel von meinem Job hier erzählt und die beiden mit meinen Elefantenerlebnissen so begeistert, dass sie kurzerhand einen 2-Tages-Trip für das Wochenende buchten.

Letztes Wochenende war es also soweit, ich dürfte die beiden hier – gemeinsam mit zwei weiteren Gästen – in Mae Sapok begrüßen. Ich habe mich sehr auf sie gefreut und war gespannt, ob die sanften Riesen auch bei ihnen die Wirkung nicht verfehlten. Und natürlich (wie kann es anders sein?!) waren die beiden ganz begeistert von unseren hübschen Dickhäutern.

Neben unserem großen Bullen Phu Sii hatte ich die jungen Elefantendamen Yaya, Mae Boonsin und Salia dabei. Unser erster Tag (inkl. „drunter sitzen“ und berüsselt werden) fand in unserem schönen Stiftungcamp mit dem großen Freigehege statt.

Natürlich ging es auch zum nahe gelegenen Fluss, um die Elefanten zu baden. Besonders unsere jüngsten Elefanten Yaya und Salia (beide ca. 10 Jahre alt) hatten wieder einen Riesenspaß. Und erfrischten uns zusätzlich mit einer Rüsseldusche!

Am zweiten Tag haben wir morgens die Elefanten aus dem Wald geholt und den Tag im Camp II verbracht. Von dort aus gab es einen kurzen Ritt zur flachen Badestelle, denn das Elefantenbaden hatte es nicht nur Denise und Daniel, sondern auf dem anderen Pärchen angetan. Zum Abschluss wurden dann noch Bananen gefüttert – ein besonderer Leckerbissen für unsere Elefanten!

Ein Erinnerungsfoto für die gemeinsame Freundin dürfte natürlich nicht fehlen!

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Danke liebe Sabrina, fürs indirekte „Miteinander-bekannt-machen“ – dank dir hatten wir zwei tolle Wochenenden und planen gerade das nächste Wiedersehen!

Die letzten beiden Tage habe ich mit Shoppen für die Firma verbracht, zur Ausstattung von Bodos neuem Projekt – mehr dazu später. Jedenfalls kenne ich nun sämtliche Thai-Baumärkte, Dekoläden, Farang-(also „Weisse-„) Läden usw. War auch mal witzig und spannend. Doch nun freue ich mich umso mehr auf morgen: auf die Elefanten.

Ich habe 8 Gäste, vier von Elephant-Special-Tours (die zwei Tage bleiben) und vier von unserer Tong-Bai-Stiftung (eintägig) – erstmals miteinander kombiniert. Schauen wir mal, wie das klappt… aber: „irgendwas ist immer“…  🙂