Wenn die Stadt ruft… Chiang Mai!

In den letzten Wochen hat es mich am Wochenende immer wieder in die wunderschöne Stadt Chiang Mai gezogen. Man erreicht sie über etliche Serpentinen nach ca. 1 – 1,5 Stunden Autofahrt von Mae Sapok.  Neben dem „German Beergarden“ und anderen internationalen Restaurants gibt es hier zahlreiche tolle Cafés (mit richtig gutem Kaffee) und tolle Essensstände vor allem auf dem Samstags- und Sonntagsmarkt. Aus kulinarischer Sicht ist Chiang Mai also immer einen Wochenendtrip wert.

Neben den Gaumenfreuden gab es aber auch noch einen weiteren guten Grund, in der letzten Zeit Wochenende für Wochenende nach Chiang Mai zu fahren: die Gesellschaft von Denise und Daniel, deren Zeit hier sich nun leider dem Ende geneigt hat. Die beiden verweilen nun noch einen Monat im Süden Thailands, haben Chiang Mai aber nun nach etlichen Wochen leider verlassen. Wir haben tolle Zeiten miteinander erlebt – natürlich auch ganz viel Kulinarisches: German Beergarden, Mexikaner, Burger-Laden… aber auch die beste Khao Soi der Stadt und andere nordthailändische Spezialitäten ausprobiert.

Und natürlich haben wir auch Sang Som zusammen getrunken, einen ganz leckeren Thai-Rum (den die Thais als „Thai-Whiskey“ bezeichnen – das sagen sie jedoch zu jeder Spirituose außer Reisschnaps). Hierzulande trinkt man ihn meist mit Sodawasser, wir Farangs jedoch lieber mit Cola.

Doch wir haben nicht nur gegessen und getrunken! 🙂 Als Denise und ich eines Tages in einer Shoppingmall unterwegs waren, in der überwiegend Einheimische einkaufen, haben wir aus dem obersten Stockwerk laute Jubelrufe und Applaus vernommen. Neugierig sind wir also mit der Rolltreppe bis oben gefahren um den Grund für den Beifall herauszufinden. Plötzlich befanden wir uns inmitten einer Misswahl. Erst nach genauerem Hinsehen wurde uns klar, dass es keine ganz klassische Misswahl war, sondern eine Ladyboy-Misswahl! Bei den Ladyboys handelt es sich hierzulande um eine Art drittes Geschlecht: Männer, die sich – egal ob umoperiert oder nicht – als Frau kleiden und ihren Alltag leben, absolut akzeptiert von der Gesellschaft. Man begegnet ihnen hier sehr oft, erkennt es aber meist erst auf den zweiten oder dritten Blick, manchmal nur an der Stimme. Auch bei der Misswahl mussten Denise und ich mehrfach hinschauen, bis wir uns einig waren, bei machen war es kaum zu glauben.

Egal ob Ladyboys oder nicht: die Misswahl war zum Schreien. Die Präsentation der „Mädels“, ihre Abendgarderobe, die kritische Jury, die jubelnden Zuschauer (richtige Fanclubs), das Umziehen hinter der Bühne, inmitten der Shopping-Besucher – es war wirklich ein Erlebnis. Wir konnten uns kaum losreissen und haben das Shoppen völlig vergessen… und dass muss schon was heissen, denn es gab etliche Schuhgeschäfte in dem Shoppingcenter. Leider mussten wir die Show vor der Siegerehrung verlassen, weil wir einen Friseurtermin hatten. Schade, schade – nun werden wir nie erfahren, wer gewonnen hat.

Für unser letztes gemeinsames Wochenende in Chiang Mai hatten Denise und Daniel die tolle Idee einen ganztägigen Kochkurs zusammen zu belegen. Ich habe damals auf Koh Lanta bereits einmal einen mit meiner Mutter zusammen gemacht und wir hatten einen Riesenspaß – also war ich direkt begeistert von der Idee.

Letzten Sonntag war es dann soweit: wir wurden früh in Chiang Mai abgeholt, um dann erst einmal einen großen Markt gemeinsam zu besuchen. Hier hat uns May – die Inhaberin der Kochschule – bereits viele interessante Sachen erklärt und gezeigt, z.B. zig verschiedene Reissorten, oder auch wie Kokosmehl hergestellt wird usw.

Kurz danach ging es dann raus aufs Land zu Mays Farm, wo wir zunächst in ihrem großen Kräutergarten weitere Zutaten für unsere Rezepte gepflückt haben. Jeder dürfte sich vorab einige Gerichte aussuchen, die er am Tag zubereiten wollte.

Und dann ging es auch schon los mit Gemüse schnippeln und der Zubereitung des ersten Gangs. Insgesamt haben wir auf den Tag verteilt fünf Gänge gezaubert und gegessen – allesamt sehr lecker!

Darüberhinaus haben wir Tricks gelernt, wie man eine Kokosnuss öffnet, wie man Kokosraspeln aus ihr gewinnt um daraus dann Kokosmilch zu pressen. Schweisstreibende Arbeit, aber sehr interessant und um Längen besser als gekaufte Kokosmilch.

Auch wenn May sich teilweise als strenge Kochlehrerin herausstellte, hatten wir am Sonntag jede Menge Spaß. Insbesondere, wenn wir wieder einmal eine Anweisung aus Versehen ignoriert hatten (z.B. die Tomaten zu klein geschnitten oder die Zwiebel zu früh ins Curry – welch fatale Fehler, nicht wahr, Denise? ;-))

Als Erinnerung gab es natürlich ein Rezeptbuch, sogar mit persönlichem Foto auf der Titelseite. Sofern es mir gelingt die entsprechenden Zutaten im Asia-Shop zu bekommen, kommt der ein oder andere von euch vielleicht einmal in den Genuß von mir bekocht zu werden… wenn ich denn jemals irgendwann mal wieder Appetit auf Reis haben sollte… wahrscheinlich nicht so bald nach meiner Heimkehr!

Neben diesen schönen Unternehmungen, gab es in letzter Zeit auch notwendige Übel an meinen Chiang-Mai-Wochenenden zu erledigen, dazu gehörte mein Visa-run und ein Zahnarztbesuch.

Vor zwei Wochen war es soweit: meine 90 Tage Aufenthalt, die man bei dem Non-immigrant-Visum maximal bekommt, neigten sich dem Ende zu. Also musste ich kurz das Land verlassen, um erneut 90 Tage in meinen Pass gestempelt zu bekommen. Da dies hier die einzige Möglichkeit ist und tausende Menschen diese Prozedur hier regelmäßig betreiben müssen, bietet jedes Reisebüro Tagestrips dafür an, sogenannte Visa-Runs. Man wird mit dem Minibus am Hotel abgeholt, sammelt zig weitere Leute ein und fährt 4 Stunden nach Mae Sai, zum burmesischen Grenzübergang.

Dort gibt es ein reges Treiben. Man stellt sich in Thailand an einem Schalter an um auszureisen, läuft über eine Brücke und befindet sich somit in Myanmar / Burma. Dort bezahlt man 500 THB, kann dann kurz über einen Markt laufen, um danach erneut an einem Schalter anzustehen, um in Thailand wieder einreisen zu dürfen. Für die ganze Prozedur hat man ein Zeitfenster von knapp einer Stunde, bis der Minibus wieder zurück nach Chiang Mai fährt. Sofern man seinen Minibus sofort erkennt, zwischen all den  hundert silbernen Minibussen, deren Passagiere dieselbe Mission haben wie ich: einen Stempel zu bekommen!!!

Das einzig spannende an diesem Grenzübergang war das „organisierte Chaos“ auf der Straße: die Fahrzeuge wechselten auf der Brücke vom Linksverkehr (Thailand) auf Rechtsverkehr (Myanmar) – und das ohne wirkliches System, aber nahezu problemlos. Das hat mich fasziniert.

Ansonsten war der Tag (ein kompletter Samstag von 7 Uhr morgens bis 18 Uhr abends) einfach nur sehr anstrengend. Der Minibus legte ein gutes Tempo vor und das bei etlichen Serpentinen.Das alleine hätte mich nicht beunruhigt (das bin ich auch mittlerweile von unserem Fahrer Nui gewöhnt von der Strecke Mae Sapok – Thailand). Viel erschrockener war ich darüber, dass unser Minibusfahrer ständig beide Hände vom Lenkrad nahm um einen Wai zu machen. Der „Wai“ ist die traditionelle thailändische Begrüßung und Respektbekundung, also die gefalteten Hände vor der Brust (oder höher, je nachdem, wem es gilt). Unser Fahrer machte sie jedesmal, wenn am Straßenrand eine Buddhaabbildung, ein Tempel, ein Mönch, eine Königsabbildung oder Königsflagge zu sehen war. Für diejenigen unter euch, die noch nie in Thailand waren, kann ich euch sagen: das ist recht oft der Fall. Auf manchen Strecken tatsächlich alle paar hundert Meter (nicht übertrieben!!!) Der gute Mann hatte wirklich Stress mit schalten, Hände falten, hupen (wenn ein Geisterhaus am Wegesrand kam… hatte ich das mit dem Geisterglauben bereits erklärt??)! Anfangs habe ich mir wirklich Sorgen gemacht, als er das Lenkrad so oft losließ, später dachte ich mir: alle guten Geister, der König und Buddha sind mit uns – was soll denn da noch schief gehen? Mai pen rai! 🙂

Nun komme ich für heute zum Ende und stelle fest: nicht ein einziges Elefantenfoto??? Das kann doch nicht sein! Also, zum Abschluss nun mein absolutes Lieblingsfoto, was ich vor knapp zwei Wochen morgens früh geschossen habe:

IMG_7774

Die Stammleser unter euch dürften diese Aussicht kennen: der Blick von meiner Terrasse. Warum sich an diesem Morgen ein Elefant in „meinem“ Garten befand und mich bei meinem morgendlichen Kaffee beglückte, erzähle ich euch demnächst. Es war jedenfalls mein größter Glücksmoment hier!

Bis bald – ich wünsche euch auch ein paar Glücksmomente!

 

 

 

8 Gedanken zu “Wenn die Stadt ruft… Chiang Mai!

  1. Ich habe deinen zusammenfassung jetzt erst gelesen und möchte mich auch auf diesem Wege bei dir bedanken. Ich bin so froh, dass wir uns kennengelernt haben! Vermisse dich jetzt schon ganz schrecklich! Liebe Grüße aus koh phangan

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  2. Meine Liebe,
    ich bin einfach nur begeistert… Toll!
    Freue mich auch schon auf ein leckeres Gericht… Du weißt, bitte nicht zu scharf 😉
    Freue mich schon wieder sehr auf dich…

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  3. ❤ ❤ ❤
    Freue mich schon sehr auf deine Thai Kochkünste!
    Also nachdem du dich wieder an deutsch-europäischer Küche satt gegessen hast.
    Aber zum Inder gehen wir trotzdem, oder? 😄

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