Familienbande

Wie so oft gehen die Momente, auf die wir uns im Vorfeld so sehr freuen, viel zu schnell vorüber. Meine Mutter und meine Tante sind inzwischen wieder abgereist, nachdem wir zwei fantastische Wochen gemeinsam erlebt haben. Sonntag vor zwei Wochen haben wir uns am Flughafen in Bangkok wiedergesehen und es war ein tolles Gefühl – die Familie teilweise wieder vereint. Nach einem kurzen Wiedersehens-Kaffee brachten wir das Gepäck ins Hotel und stürzten uns ins Getümmel Bangkoks. Hier hatten wir nur einen Tag und den wollten wir nutzen!  Nach erfolgreichem Shopping auf dem Chattuchak-Weekend Markt, genossen wir eine gemütliche Bootstour auf dem Chaopraya und den umliegenden Klongs (kleine Kanäle).

Danach statteten wir der Khaosan-Road – dem Backpacker-Treffpunkt Bangkoks und für mich mit vielen Erinnerungen verbunden – einen Besuch ab. Für einen entspannten Ausklang des Tages wählten wir eine Skybar weit über den Dächern der pulsierenden Stadt: die Octave-Bar des Marriott Hotels. Sie bietet einen fantastischen 360 Grad-Blick über ganz Bangkok, und ist nicht so überlaufen wie die (seit Hangover gehypte) Scirocco-Skybar.

Am nächsten Morgen ging es früh zum Flughafen, um nach Trat zu fliegen und von dort die Fähre nach Ko Chang zu erreichen. Das Meer rief und wir folgten seiner Einladung nur zu gerne!

Unsere Unterkunft am nördlichsten Punkt des traumhaften White Sand Beachs stellte sich als perfekte Wahl heraus: näher am Meer konnte man nicht wohnen. Wenn bei Ebbe noch endlos weißer Sandstrand zwischen den Bungalows und dem Meer lag, so waren es bei Flut nur noch knapp 5 Meter bis zur Terrasse der auf Stelzen gebauten Bungalows.

Während ich mich im Vorfeld noch über „typisch-Deutsch-nörgelnde“-Tripadvisor-Bewertungen „das Meer ist zu laut!“ amüsiert habe, musste ich wirklich schmunzeln, dass meine Mutter die ersten Nächte kein Auge zugemacht hat, weil das Meer tatsächlich sehr sehr laut war. In der Tat war es nicht möglich, sich von Terrasse zu Terrasse der benachbarten Bungalows zu unterhalten – die Brandung war stärker als unsere Stimmbänder. Aber wir fanden es toll und genossen die Nähe zum Meer!

Und dort verbrachten wir die nächsten Tagen überwiegend: im Meer! Die Temperatur glich zwar eher denen einer Badewanne als einem wilden Ozean – aber es war einfach herrlich zu schwimmen oder sich auf der Luftmatratze treiben zu lassen! Ein schattiges Plätzchen bot auch die Liege vor den Bungalows oder die herrliche Terrasse – es war einfach ein Traum. Bei einigen Strandspaziergängen fanden wir noch andere nette Unterkünfte, teilweise im witzigen Hippie-Style – aber unsere Bungalows und die Lage am einsamen Ende des sonst sehr belebten Strandes war ideal!

Um auch die umliegenden, kleineren Insel kennenzulernen, buchten wir eine Bootstour, die uns vorab wärmstens empfohlen wurde. Diese offenbarte nicht nur paradiesische Buchten, sondern auch atemberaubende Schnorchel-Spots. Wir waren begeistert von den Korallen und der Vielfalt der Fische und Pflanzen im Reich des Meeres.

Ansonsten genossen wir tagein tagaus das laissez-faire am Strand, den abendlichen Trubel strandabwärts inkl. Feuershows, das Alltagsleben der Thais an den Marktständen entlang der Straße und das frische Fisch-BBQ inkl. Cocktails am Strand.

Wir erkundeten auch den südlichsten Punkt der Insel: das Fischerdorf Bang Bao, auf Stelzen gebaut und bekannt für das beste Seafood auf der Insel!

Während wir eines Tages am Strand entspannten, bekamen wir Besuch aus dem benachbarten Dschungel. Nachdem wir die wilden Affen bei der Bootstour noch aus der Ferne auf den Felsen bestaunt hatten, war der Kontakt an diesem Nachmittag hautnah. Eine kurze Stippvisite auf unseren Terrassen brachte Mr. Monkey scheinbar nicht den gewünschten Erfolg, aber bei unseren Nachbarn wurde er dann fündig: Bananen!

Nach 5 Tagen Badeurlaub flogen wir von Trat über Bangkok nach Chiang Mai. Einerseits ging der Strandurlaub viel zu schnell vorbei, andererseits freute ich mich riesig darauf, meiner Mutter und Tante die Elefanten und mein Leben in Mae Sapok zu zeigen.

Anderthalb Tage in Chiang Mai reichten natürlich nicht, um den beiden all meine Lieblingsplätze dieser liebgewonnenen Stadt zu zeigen. Aber immerhin waren der ein oder andere Tempel (inklusive Rituale), der Terrakottagarten und der Sonntagsmarkt dabei! Und das Wiedersehen mit Lim, einem Barbesitzer, den meine Mutter und ich noch von unserem damals gemeinsamen Thailandurlaub kennen. Unsere Stammbar – damals wie heute (auch wenn sie zwischenzeitlich umgezogen ist) – mit den besten Mojitos und BBQ!

Am Montag war es dann endlich soweit: gemeinsam mit unseren anderen Gästen wurden wir in der Stadt abgeholt, um nach Mae Sapok zu fahren. Ich war so aufgeregt und gespannt, wie die beiden auf die Elefanten reagierten, wie ihnen das Aufsteigen gelingt, ob ihnen das Reiten Spaß macht….

Und natürlich waren die beiden absolut begeistert!!! Eigentlich habe ich auch nicht wirklich daran gezweifelt, aber es war wirklich toll zu sehen, WIE begeistert die beiden waren. Mama hat Mae Gaeo II direkt in ihr Herz geschlossen und Gitti war ganz angetan von ihrer Mae Boontong. Meine Elefantenliebe könnte also durchaus genetisch bedingt sein! 🙂

 

Das Auf- und Absteigen war – u.a. dank der Hilfe unserer beiden großartigen Mahouts Delah und Dam – gar kein Problem, trotz Mamas Knieverletzung. Und das, obwohl die beiden unsere größten (nach Phu Sii, der noch im Krankenhaus ist) Elefanten zugeteilt bekommen haben. Diese Zuteilung passte ideal, denn somit waren Menschen und Elefanten ungefähr in einer Altersklasse: unsere beiden Elefantendamen Mae Gaeo II und Mae Boontong sind nämlich um die 60 Jahre alt (das ganz genaue Alter kann man bei älteren Elefanten nicht nachvollziehen, da es damals noch keine offiziellen Papiere gab).

Das Elefantenbaden genossen beide ebenso wie ich es immer tue, auch wenn es ab und zu eine ordentliche Schlammpackung dabei gibt. Hier lautet dann die Devise: schmutzig aber glücklich!

Das Ausreiten machte beiden ebenfalls großen Spaß und verursachte nichtmals Muskelkater (was eigentlich bei den meisten unserer Gäste der Fall ist). Respekt! Meine Mutter war immer ganz enttäuscht, als das Camp in Sichtweite war, „Ach schade, ist es schon wieder vorbei?“ Und dass, obwohl sie vorher noch überlegt hatte, sicherheitshalber im Korb zu reiten, da ihr Knie Probleme machte beim Sightseeing in Chiang Mai. Kaum saß sie auf dem Elefanten, waren ihre Schmerzen wie weggeblasen und vom Korb war keine Rede mehr – die gesamten drei Tage! Elefanten sind eben die beste Medizin! 🙂

Nach dem 3-tägigen Programm fiel es den beiden sichtlich schwer, sich von ihren Elefanten zu verabschieden. Während auf mich am nächsten Tag neue Gäste warteten, haben die beiden sich auf eigene Faust die kommenden Tage in Mae Sapok vertrieben.

Nach meinem Feierabend war jedoch noch ausreichend Zeit um gemeinsam Dinge zu unternehmen, wie z.B. ein Abendessen am Fluss, ein Besuch beim Baby-Elefanten und ein Wiedersehen mit Mae Campai und meiner Mutter. Der Mahout Joen hat sich riesig gefreut und ganz stolz auf Mae Campais Bauch gezeigt, weil sie erneut tragend ist. Natürlich mussten wir versprechen wiederzukommen, wenn das Kalb geboren ist. Und auch in diesem Camp gibt es ein ganz junges Kalb, was ich bisher noch nicht kannte: ganz, ganz süß!!! Zum Glück hatten wir ausreichend Bananen im Gepäck bei unserem Besuch.

A propos Mitbringsel im Gepäck! Meine Mutter und Tante sind mit einem Koffer Geschenke in Thailand angereist und es war einfach nur herrlich, diese hier zu verteilen. Die Kleinen im Kindergarten waren total begeistert von den Seifenblasen und die Mahouts stürzten sich direkt auf die Haribo-Box und die -leider ziemlich geschmolzenen – Weinbrandbohnen. Das geschmolzene störte niemanden, denn die Kombination Schokolade und Alkohl war neu und fand offensichtlich großen Gefallen.

Und natürlich war Alkohol auch als Mitbringsel bei der Thai-Company hoch im Kurs – da hatten die beiden eine Großpackung „Kleiner Feigling“ im Gepäck. Das war ein Spaß! Das Geklopfe und vor allem der Versuch, den Flaschenverschluss auf die Nase zu stecken. Während dieser bei uns Langnasen hervorrragend hält, ist es bei den Thais ein schwieriges Unterfangen – wir haben sehr gelacht!

Natürlich waren auch Geschenke für meine Ersatzfamilie Nai, Bee und Nok im Gepäck, die sich ganz lieb um meine „richtige“ Familie gekümmert haben. Die beiden wurden von allen hier sehr herzlich empfangen und im Vorfeld bereits erwartet. „Ältere Familienmitglieder“ genießen hier den allergrößten Respekt und jeder hat sich gefreut, die beiden kennenzulernen. Eines Abendes waren wir sogar im Karendorf bei Pon (unserem Fahrer) und seiner Frau Porn (die wir vorher tagsüber schon beim Weben besucht haben) zum Essen eingeladen – es wurde ein Huhn für uns geschlachtet! Ohje – das arme Huhn… aber es war eine große Ehre“

Nach 6 Tagen in Mae Sapok ging es dann noch für ein letztes gemeinsames Wochenende nach Chiang Mai. Außer einem Abendessen auf dem Samstagsmarkt und einer Stippvisite auf dem Warorot-Markt am Sonntag hatten wir nicht viel auf dem Programm. Ein ausgiebiges und leckeres Osterfrühstück im German Beergarden und Massage, Massage, Massage! 🙂

Zum Abschluss ein schickes Abendessem im „Riverside“ und einen letzten Drink in Lims Bar…. bevor es dann am Montagmorgen um 6.30 Uhr hieß: time to say goodbye! Ich musste früh zur Arbeit nach Mae Sapok und die beiden flogen abends von Chiang Mai über Bangkok nach Deutschland.

Wie sagt man neudeutsch so schön? „Quality time“ mit der Familie. Ja – das war es wirklich! Ich habe die gemeinsame Zeit sehr genossen und war traurig, dass sie so schnell verflogen ist. Dennoch bin ich froh, dass ich ihnen so viel zeigen konnte und sie nun live erlebt haben, wie ich hier lebe. Und ich habe mich riesig gefreut, als sie die Elefantentage als „Highlight ihrer Reise“ bezeichnet haben, denn genau so sollte es sein! Für mich persönlich war es ebenfalls ein Highlight meiner bisherigen Zeit hier: die beiden bei mir zu haben!!!

Wahrscheinlich wäre ich noch ein wenig trauriger über den Abschied, wenn ich nicht so ein spannendes Projekt unmittelbar vor mir hätte: den großen Treck! Morgen reisen unsere 6 Gäste an, mit denen wir uns am Sonntag auf die Reise begeben. Mit Sack und Pack und 6 Elefanten begeben wir uns auf den Weg in das Elefantenheimatdorf Ban Na Klang um die sanften Riesen zum Abschluss der Saison nach Hause zu bringen.

Die Nächte verbringen wir unter freiem Himmel oder im Zelt, die Tage reiten und laufen wir um stets unsere Etappen zu schaffen. Wir durchqueren Stätten mit den abenteuerlichen Namen: Tal der Tausend Winde, Tal der Verdammnis oder Tal des Todes… Das letzte wird meine persönlich größte Herausforderung: hier durchlaufen wir eine Schlucht, bei der sich die Wände zu bewegen scheinen – in Wirklichkeit sind es jedoch „nur“ tausende Spinnen. Jeder der mich näher kennt weiß, dass ich der Meinung bin, 4 Beine sind absolut ausreichend für Tiere. Mit 6-beinigen Tieren kann ich noch gut leben, das stellt in der Regel kein Problem dar. Aber 8 Beine sind eindeutig zu viel für mich! Ich bin hier zwar schon „entspannter“ geworden, da einem immer wieder einmal solche Exemplare begegnen, aber Freunde sind wir noch lange nicht geworden!

Trotz allem überwiegend momentan absolut die Freude vor diesem Abenteuer. 24 Stunden mit den Elefanten zusammen zu sein – das wird toll. Körperlich und auch mental wird es sicherlich eine riesige Herausforderung, zumal wir momentan Temperaturen um die 40 Grad haben. Aber ich bin froh und dankbar dieses Abenteuer mitmachen zu dürfen – und freue mich bereits darauf, euch davon zu berichten!

 

 

 

8 Gedanken zu “Familienbande

  1. Melanie! Wahnsinn! Die Bilder und Deine Schilderung des Urlaubs begeistern mich aufs Neue! Ich gebe zu, dass es mich bislang nicht besonders nach Asien gezogen hat, aber langsam verstehe ich die Faszination. Und die Strandhäuschen sind ein Traum. Man möchte sich hinsetzen und im ohrenbetäubenden Brandungsrauschen ein Buch schreiben! Wenn es nicht so heiß wäre 😉 Toll, dass Du das alles dokumentierst, sicher auch für den Familienbesuch :-). Wenn Du wieder in D bist, wirst Du Dich freuen, dass Du das gemacht hast. Bis bald, genieße die Zeit und sei Dir meines Neides gewiss 🙂

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  2. Melanie, ich kann Cordula nur zusimmen. Deine Worte sind zutiefst berührend und die Bilder dazu sprechen ihre eigene Sprache. Ich bin begeistert und das – obwohl oder gerade weil – ich absoluter Asienfan bin. Normalerweise ist genau jetzt meine Reisezeit und ich danke dir sehr, dass du mir mit deinem Blog mein asienfreies 2016 ein wenig versüßt ;o)
    Micha und ich haben waren ganz fasziniert von den Bildern aus Koh Chang. Lässt sich bestimmt gut mit Myanmar und Chiang Mai verbinden oder?? (unsere Pläne für Ostern 2017 ;o))
    Genieße weiterhin deine Zeit – auf dem großen Track – und bewahre dir all diese tollen Erfahungen im Herzen. Das kann dir keiner mehr nehmen, von dem Stoff für deinen ersten Roman ganz zu schweigen….

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  3. Nein, ich war vor über 20 Jahren mal für ein paar Tage in Kambodscha. Micha wollte Kambodscha und Laos mit unsere Vietnamreise verbinden, das war mir aber zuviel des guten (wir hatten immerhin Honeymoon und ich wollte ganz klar auch Strand). Insofern steht das noch an. Ich habe allerdings gelesen, dass Angkor Wat bald für den allgemeinen Tourismus geschlossen wird, weil der zu viele (sichtbare) Spuren hinterlässt. Also sollten wir uns beeilen ;o))

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  4. Ich bin begeistert! Mir fehlen die Worte und ich kann nur sagen toll toll toll!!!!!
    Freue mich so für dich und schon auf dein erstes Elefantenbuch 😘

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  5. Liebe Melanie,

    das waren 2 fantastische und interessante Wochen, teils auch mit sehr abenteuerlichen Erlebnissen, die
    wir mit Dir gemeinsam verbringen durften und wofür wir sehr dankbar sind.
    Bangkok mit schönen Eindrücken, die Tage auf Koh Chang einfach traumhaft, Toplage, Karibikfeeling
    pur…
    Das Highlight waren jedoch auf jeden Fall die tollen „Elefantentage im Camp“ Ein WAHNSINNSERLEBNIS, einfach unbeschreiblich. Man kann es nicht in Worte fassen – man muß es einfach SELBST erleben …
    Das „super tolle Reiseprogramm, das Du uns geboten hast“ war top organisiert. Es war ein perfekter
    unvergeßlicher Urlaub, den man so als „Normaltourist“ nicht erleben wird. DANKE !!!

    Jetzt bist Du mit dem großen Treck unterwegs – eine starke Herausforderung – bei der Du sicherlich an Deine Grenzen stoßen wirst (mental wie auch körperlich) aber Du schaffst das !!!

    Lass Dich ganz fest drücken – in Gedanken sind wir ALLE bei Dir!!!!!!

    Wir wünschen euch, das alles gut klappt und die angekündigten ca. 40 Grad nicht erreicht werden !!!

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  6. Oh das hört sich alles so unfassbar schön an! Die tollen Orte an denen ihr ward und was ihr alles erlebt habt! Ich finde aber das schönste euren besonderen Familienbund! Das beeindruckt mich immer wieder!

    Hoffe dein Treck wird ein weiteres Highlight, so langsam näherst du dich ja schon dem Ende des Abenteuers!

    Drück dich aus der Ferne!

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