Der große Treck ins Heimatdorf

Vorletzte Woche war es soweit – wir haben unsere Elefanten in ihr Heimatdorf gebracht, in dem sie und ihre Mahouts nun den wohlverdienten Heimaturlaub genießen. Es handelt sich hierbei um Elefanten, die nicht Elephant Special Tours gehören, sondern im Besitz von Familien sind. Grundsätzlich ist dies hier meistens der Fall, nur wenige Campbetreiber besitzen eigene Elefanten. Man mietet Elefanten (jährlich) für das Camp und führt am Ende des Geschäftsjahres neue Verhandlungen darüber, ob der Elefant ins selbe Camp zurück kommt. Viele Elefanten werden nach der Saison in ihre Heimatdörfer, zu ihren Familien gebracht – die Mahouts machen dies bereits seit etlichen Jahren. Vor 10 Jahren dachte Bodo Förster sich erstmals, dass man dies auch mit Gästen machen könne – da es ein echtes Highlight ist. Gesagt getan, also fand im April 2006 der erste Treck statt, begleitet von einem Filmteam des MDR. Nun, 10 Jahre später, haben wir also den Jubiläumstreck begangen – den Mädelstreck, wie Natalie und ich ihn nennen, weil wir die Leitung hatten.

Am Freitag, den 1. April reisten unsere 6 Gäste für den Treck an. Natürlich ging es nachmittags direkt zu den Elefanten, bevor es am frühen Abend ein ausführliches Briefing über die nächsten Tage gab. Hier händigten wir auch ein Survival-Beutel für jeden aus, bestückt mit einem Teller, einer Tasse, einem Löffel und einer Rolle Toilettenpapier. Und ein Seil, um den Beutel am Elefanten festzubinden. Bis auf einen kleinen Tagesrucksack wurde das restliche Gepäck im Auto transportiert, welches uns jeden Tag bei der Ankunft im Nacht-Camp erwartete. Das Auto transportierte auch die Zelte, Planen, und die wichtige Verpflegung – z.B. 200 Liter Reisschnaps  – denn die Elefanten sollen bei der Hitze nicht mehr als unbedingt nötig auf ihrem Rücken tragen müssen.

Am Samstag ging es früh morgens los – noch ohne Gepäck – um die Elefanten nach Patup zu bringen – ca. 8 km bergaufwärts, dem Startpunkt des Trecks. Die Elefanten und Mahouts verbrachten hier auch die erste Nacht, während wir noch einmal zurück fuhren für einen letzten entspannten Nachmittag, eine Dusche, ein leckeres Abendessen… noch einmal all den Komfort genießen, auf den es in der kommenden Woche zu verzichten gilt.

Am Sonntagmorgen klingelte der Wecker dann um 4.30 Uhr. Das Abenteuer begann. Mit dem Auto ging es zum Ausgangspunkt der ersten Etappe, dort wo wir die Elefanten gestern am Fluss zurückgelassen hatten. Natürlich war auch Muag – unser Zeremonienmeister – vor Ort, denn die Geisterzeremonie bildete den Auftakt unseres Trecks.

Er beschwor die Geister, opferte dabei ein Huhn und Reisschnaps – und natürlich mussten wir danach alle Schnaps trinken und etwas von der Hühnersuppe essen. Nun waren die guten Geister mit uns und es konnte losgehen!

Auch an diesem Tag ging es überwiegend bergauf – zunächst durch einen dichten grünen Wald. Dieser Anblick ist leider nicht mehr ganz selbstverständlich, denn die Wälder um Mae Sapok, in denen wir sonst täglich unterwegs sind, leiden mittlerweile unter der heissen Trockenzeit. Die Bäume sind sehr dürre und haben ihre Blätter verloren. Dahingegen bot dieser sattgrüne Wald einen wunderschönen und lebendigen Anblick. Sehr lebendig war auch unser kleiner Racker Jack, der diese Etappe zunächst alleine laufen sollte – ohne an seiner Mutter festgebunden zu sein. Er war mal wieder außer Rand und Band und rannte mit lautem Tohuwabohu querfeldein durch den dichten Dschungel. Seine Mutter, unsere Leitkuh, nahm das mit ihrer stoischen Ruhe und Gelassenheit hin, während seine Tante Mae Dou sichtbar nervös wurde. Mae Dou ist eine 30-jährige Kuh, die noch kein eigenes Kalb hat. Sie reagiert ganz extrem auf alle Kälber, betütelt und beschützt sie und ist permanent beschäftigt, nach dem Kalb zu schauen. Für Natalie und mich ist sie nur noch der „Helikopter-Elefant“, abgewandelt von dem neudeutschen Begriff, der überbesorgten Eltern nachgesagt wird.

Mae Dou kommt aus demselben Heimatdorf wie die Familie unserer Leitkuh Mae Gaeo I: ihr kleiner Jack und ihre bereits großen Kälber Salia und Phu Chapo. Ban Naklang ist ein Karendorf, ca. 120 km entfernt von Mae Sapok, ebenfalls am Fuße des Doi Inthanon (höchster Berg Thailands), aber genau auf der anderen Seite. Diese Strecke galt es nun also in 7 Tagen zurückzulegen. Die Strecke auf der Landkarte ist leider nicht ganz exakt, aber anhand unserer Zwischenstationen habe ich versucht, sie einmal nachzuvollziehen.

Wir waren gerade einmal eine gute Stunde unterwegs, da passierte das Unfassbare. Es galt einen kleinen Flusslauf zu durchqueren – eigentlich keine besondere Herausforderung. Hätte Jack nur nicht für sich entschieden, lieber die Brücke zu nehmen! Dass er sein Körpergewicht von ca. 800 kg oft unterschätzt, wenn er mit uns Menschen „spielt“, war mir bereits bekannt. Aber nun spazierte er tatsächlich ahnungslos über die improvisierte Brücke – in die er prompt einkrachte!

Zunächst verharrte er regungslos und erschrocken in seiner scheinbar ausweglosen Situation – eingekeilt in die Bretter der ramponierten Brücke. Doch noch bevor ihm sein Mahout Gotou zur Hilfe eilen konnte, befreite er sich eigenhändig. Und das Ganze ohne Gebrüll oder großen Aufhebens – da war der Kleine wirklich sehr tapfer. Natürlich haben unsere Jungs die Brücke noch repariert, denn sie ist ein wichtige Zufahrt für die Motorbikes eines angrenzendes Karendorfes.

Zu diesem Dorf gelangten wir nach einiger Zeit und bekamen einen ersten Eindruck davon, wie es ist, während des Trecks ein Dorf zu durchqueren. Ich fand es toll! Alle Dorfbewohner kamen zur Straße und winkten, die Kinder schienen ganz aufgeregt und waren teils eingeschüchtert, teils hocherfreut.Man bot uns eine Wasserstelle an, an der die Elefanten trinken konnten. Denn das Wasser für die Elefanten war das Wichtigste auf unserer Strecke. Für uns Menschen hatten wir Trinkwasser dabei (ein Sixpack pro Elefantenkorb). Aber unsere Strecke war stets danach ausgelegt, dass wir regelmäßig an Wasserstellen  für unsere Elefanten gelangten. Die Mittagsstationen und Übernachtungscamps waren natürlich ebenfalls danach ausgewählt.

Natürlich nutzten die Elefanten nicht nur die Gelegenheit zum Trinken, sondern auch, sich und andere nass zu spritzen. Eine willkommene Erfrischung, denn die letzte Etappe vor dem Dorf war sehr staubig und trocken.

Ich fand herrlich zu sehen, wie wir unsere Spuren im Sand hinterliessen, kleinere und größere Fußspuren. Und nun wusste ich auch, warum man mir dringend empfohlen hatte, ein Tuch mitzunehmen – um es sich teilweise vor das Gesicht zu halten. Dieses Tuch sollte sich auch später noch als goldwert erweisen. Da einige unserer Gäste nicht mehr reiten wollten, ergab sich für mich die Gelegenheit. Ich ritt Mae Gaeo II, eine unserer älteren Damen. Und als man mir dann noch ein kühles Bier hochreichte, war mein Glück perfekt. Da ahnte ich noch nichts von Muskelkater, diversen Blessuren usw.

Nach einigen Stunden kam hinter einer Kurve am Fluss überraschend unser Auto zum Vorschein. Nun ja, ganz überraschend war es nicht, denn natürlich war jede Etappe im Vorfeld genau durchgeplant. Jedenfalls war es ein erfreulicher Anblick, denn das hieß: Mittagessen und ein kühles Getränk (das Bier davor war die Ausnahme, von unserem Campchef im Dorf gekauft).

Unsere Küchenfee Morn und unser Fahrer Pon erwarteten uns mit gebratenem Reis, den sie im Vorfeld gekocht hatten. Wir entspannten kurz am Fluss, bevor wir wieder aufbrachen zur Nachmittagsetappe. In den nächsten Tagen gab es teilweise auch Mittagsstationen mitten im Wald, wo kein Auto hinkam. Dann wurde der Wok und Mama-Soup (klassische Thai-Fertig-Nudelsuppe) morgens bereits auf den Elefanten geladen und die Eier (die immer noch überall zusätzlich rein kommen, damit die Farangs gut gestärkt sind) separat transportiert. Schließlich gab es immer zwei Kollegen, die auf Rollern unterwegs waren. Sie kundschafteten vorab den Weg für uns aus, konnten unterwegs etwas besorgen und waren für den Notfall da – der glücklicherweise nicht eintrat.

Wenn man den Anblick der Mittags-Station von Tag zu Tag mehr zu schätzen wusste, so wurde er nur noch übertroffen von dem Anblick der blauen Plane – dem Nachtlager und somit Ziel der Tagesetappe.

Unsere Nachtcamps waren ganz unterschiedlicher Art: mal ein trocken gelegtes Reisfeld, mal auf dem Gelände der Forstbehörde und mal an einem Wehr. Wichtig war nur die Wasserstelle für die Elefanten – und für uns natürlich auch. Denn auch wir freuten uns über ein Bad im Fluss oder eine improvisierte Dusche.

Es war herrlich, dass die Elefanten immer in unserer Nähe waren – Tag und Nacht! Es war genau das, worauf ich mich so sehr gefreut hatte im Vorfeld. Das ließ alle Wehwehchen vergessen. Denn natürlich setzten ab dem 2. Tag diverse Schmerzen ein. Wadenkrämpfe, Muskelkater, von Dornen zerschrammte Beine, Mücken- und sonstige Insektenstiche. Aber all das ist kaum erwähnenswert neben den tollen Erlebnissne mit den sanften Riesen.

Wir wanderten Tag für Tag, Kilometer für Kilometer, bergauf und bergab – inmitten der Dickhäuter. Einer unserer Gäste, Evi, die  viel lieber lief anstatt zu reiten, bezeichnete es scherzhaft als ihren Jakobsweg. Aber irgendwie traf es das ganz gut. Man lief und lief und lief… Mal unterhielt man sich. Und mal schwieg man und genoß die atemberaubende Natur um sich herum!

Ich habe hunderte Bilder – fotografierte und in meinem Kopf abgespeicherte – und ich kann nur einen Bruchtal davon mit euch teilen. Dieser Blogeintrag ist tatsählich der bisher schwierigste für mich. Nicht nur, dass ich bereits tagelang an der Bildauswahl sitze. Es fällt mir tatsächlich schwer, das Erlebte in Worte zu fassen. Denn eigentlich ist es mit Worten nicht greifbar. Es war eine Aneinanderreihung vieler schöner Momente – eine unvergessliche Erfahrung und sicherlich der Höhepunkt meiner Auszeit.

Zwischendurch pflückten die Mahouts immer wieder etwas von den Bäumen und Sträuchern und reichten es mir. Die Namen der einzelnen Dinge kann ich euch nicht nennen. Immer, wenn ich auf etwas zeigte und fragte, was das sei, bekam ich entweder zur Antwort: kann man essen oder kann man nicht essen – die wichtigste Klassifizierung unserer Naturburschen. Tamarind ist übrigens sehr lecker, das kann man super zwischendurch knabbern.

Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass ich Glück hatte, was Begegnungen mit nicht geliebten Tieren betrifft. Natürlich sah man das ein oder andere Exemplar mit 8 Beinen. Aber ich erlebte glücklicherweise nicht, wie die Mahouts Taranteln grillten oder ähnliches. Und sogar das „Tal des Todes“ – die Schlucht mit den Millionen Spinnen – blieb mir erspart. Während wir am Vortag noch darüber redeten und ich mich innerlich schon wappnete, erfuhren wir am Abend, nachdem Dak die Strecke ausgekundschaftet hatte, dass in der engen Schlucht Bäume umgefallen waren und somit den Weg unpassierbar machten.Wir mussten einen anderen Weg nehmen. Trotz der schmerzenden Beine nahm ich diesen Umweg liebend gerne in Kauf. Ich bekam aber zwischendurch eine kleine Vorstellung, was es mit dem Tal auf sich gehabt hätte. Entlang unserer Strecke war ein riesiger Baum, der von weitem tatsächlich aussah, als würde er sich bewegen. Je näher man kam, desto deutlicher sah man, dass es Tausende bzw. Millionen von Spinnen / Weberknechten waren, die für diesen Effekt sorgten. Und genau so ist es in der besagten Schlucht, die recht schmal ist, scheinbar auf beiden Seiten und dies eine ganze Weile. Ich bin wirklich nicht böse, dass mir das vorenthalten wurde!

Überwiegend ritten wir durch wunderschöne Landschaft, entlang – oder mitten durch – Flüsse. Gigantische Bambusbäume flankierten unsere Wege ebenso wie wunderschöne Lianen und sonstige Dschungelgewächse.

Teilweise war der Dschungel so dicht, dass unser Mahout Shailan, der mit seinem Bullen Phu Chapo unsere Karawane anführte, uns den Weg freischlagen musste. Eine der anstrengendsten und unangenehmsten Etappen war das Tal der Dornen. Unscheinbar aussehende Sträucher – die Mimosen-Optik verbarg zunächst die Widerhaken – die einen nie wieder loszulassen schienen, wenn man einmal mit ihnen in Berührung kam – und das kann man unweigerlich. Auch hier half wieder nur vermummen.

Während der Dschungel mit seinem dichten Grün vor Leben strotzte, erwarteten uns aber auch ausgedörrte und sengend heiße Reisfelder. Sobald die Schatten spendenden Bäume fehlten, waren wir den Temperaturen von über 40 Grad ausgeliefert. Hier half nur, das Tuch an jeder Wasserstelle komplett zu tränken und sich nass um den Kopf zu binden – eine angenehme Erfrischung, die jedoch immer nur von kurzer Dauer war, denn im Nu trocknete die Sonne das Tuch.

Zu den besonders heißen und anstrengenden Etappen gehörten auch die Straßen, um die wir leider nicht umhin kamen. Andererseits konnte ich hier wieder interessante Ansätze für die Cologne Promotion Logistik feststellen. Markus, vielleicht sollten wir einen Roller in den Fuhrpark aufnehmen, falls die Transporter oder der LKW einmal nicht ausreichend sind für den Transport sperriger Module? Es wäre eine Überlegung wert…

Eines Tages war es auch eine solche lange Straßen-Etappe, die unseren Gästen den Rest gab. Nach stundenlangem Reiten und Laufen durch den Wald und Felder, erwarteten uns noch weitere Stunden sengende Hitze auf der Staße. Aufgrund der Erschöpfung unserer Gäste bot Natalie an, dass das Auto uns abholen könne und zum Nachtcamp bringe – und die Mahouts den Rest der Strecke alleine zurück legen. Ein Angebot, was dankend angenommen wurde. Da es wirklich ein verdammt heißer Tag war und die Sonne erbarmungslos brannte, machten wir uns auch Sorgen um die Elefanten, da auf diesem Stück kein Fluss in der Nähe war.

Kaum im Nachtlager angekommen, organisierte Natalie in einem nahegelegenen Hof (eine Art Schreinerei oder ähnliches) einen Pick-up mit Wassertonnen. Der Besitzer war sehr hilfsbereit, als er hörte, dass es um die Elefanten ging, und organisierte weitere Wassertonnen im nahegelenen Dorf. Bewaffnet mit den Tonnen fuhr er mit dem Pick-Up zum Wehr, wo auch unser Lager war. Dort befüllten wir mit vereinten Kräften – die plötzlich wieder da waren – Tonne um Tonne. Die Aussicht darauf, die Elefanten und Mahouts damit zu überraschen, war toll und aufregend.

Mit voll beladenen Wassertanks fuhren wir die Staße entlang und der Karawane entgegen. Wir waren dabei, das Drehbuch „Wasser für die Elefanten“ neu zu schreiben – unsere Geschichte, vom Leben geschrieben. Auf dem Pick-Up liefen mir tatsächlich die ein oder andere Träne herab, denn dies war einer dieser Momente, die man nur schwer in Worte fassen kann. Man läuft über vor Glück und positiver Anspannung – und freut sich so, den Elefanten etwas Gutes tun zu können. Nach etlichen Kilometern kam die Karawane dann in Sicht. Wir hielten am gegenüberliegenden Straßenrand und die Elefanten kamen direkt auf uns zugelaufen. Dann stellten wir jedoch fest, dass dies keine gute Idee war. Zum einen, weil wir den Verkehr auf der Straße blockierten und es zu gefährlich war. Zum anderen, weil die Elefanten sich an den Pick-up drängten, und dieser womöglich von den Ketten – welche die Elefanten beim Treck zwangsläufig immer mit sich herumtragen müssen – beschädigt würde. Also wendeten wir den Wagen und fuhren ein ganzes Stück weiter zu einer passenden Stelle. Dort luden wir unter Aufbietung letzter Kraftreserven die Wassertanks vom Pickup und erwarteten die Elefanten erneut mit aufgeregter Vorfreude. Unsere Stimmung war ausgelassen und so kletterten wir kurzerhand in  die Wassertonnen, um uns selbst ein wenig zu erfrischen.

Es war herrlich den Elefanten dabei zuzusehen, wie sie tranken und sich nass spritzten. Wir alle genossen diesen Anblick sehr. Den Mahouts hatten wir natürlich auch etwas zu trinken und Knabbereien mitgebracht, damit alle gleichermaßen gestärkt waren für die letzten Kilometer.

Normalerweise gab es auf unseren Wegen immer wieder Wasserstellen für unsere Elefanten. Eine davon stellte unseren kleinen Jack jedoch wieder vor eine besondere Herausforderung: er war einfach noch zu klein. Während die Großen entspannt trinken konnten, mühte er sich vergeblich ab, mit seinem Rüssel das Wasser zu erreichen. Shailan half dann ein wenig nach. In Ausnahmefällen gab es auch Trinkwasser für die Elefanten, doch hier mussten wir sehr auf die Rationen achten, denn wir waren (inklusive der Mahouts) auch viele Menschen, die bei der Hitze ausreichend trinken mussten. Trotzdem teilten wir natürlich gerne mit unseren durstigen Dickhäutern.

Eine der schönsten Etappen war die, als es immer wieder durch den belebten Fluss ging. Da es durch die teilweise starke Strömung und die glitschigen Steine dort sehr anstrengend zu laufen war, mussten alle Gäste auf die Elefanten, auch die, die eigentlich gerne zu Fuß unterwegs waren. Somit waren es nur noch die Mahouts, sowie Natalie und ich, die sich mit dem Fluss abkämpfen dürften. Einerseits war es herrlich erfrischend bei den heißen Temperaturen. Andererseits war es aber wirklich sehr anstrengend und man war nicht nur einmal kurz davor zu stürzen. Zwischendurch musste man sich am Bauchgurt eines Elefanten festhalten, um nicht abzurutschen. Aber es war toll! Es war gleichzeitig die Etappe, wo einen links und rechts des Flussufers die Dornenbüsche erwarteten – einerseits also die schönste, andererseits aber auch die anstrengendste Etappe. Abends wusste man dann wirklich, was man getan hatte. Und die Füsse wirkten wie abgestorben, nachdem sie den ganzen Tag in pitschnassen Turnschuhen steckten. Aber ich glaube, sie haben überlebt. Ich denke, ich werde sie in Chiang Mai mit einer Pediküre und Fußmassage für die Strapazen entschädigen, damit sie mir wieder wohlgesonnen sind.

Neben dem Wasser spielte auch das Futter für die Elefanten eine sehr große Rolle. Elefanten fressen ca. 200 kg pro Tag – also eigentlich permanent. Auf den meisten Strecken waren am Wegesrand ausreichend Futterquellen vorhanden. Und immer wieder versorgten die Mahouts ihre Dickhäuter mit Leckereien aus der Umgebung. Die saftige Bananenpflanze ist beispielsweise ein toller Energielieferant und spendet zusätzlich auch viel Feuchtigkeit. Für uns fiel dabei auch die ein oder andere Banane ab – lecker! Aber natürlich kam auch allabendlich ein Futterwagen mit Elefantengras ins Nachtcamp.

Auch wenn ich vorher bereits wusste, wie gut unsere Mahouts zu ihren Elefanten sind, so bin ich spätestens seit unserem Treck zu 200 Prozent davon überzeugt. Stets ging es zu allererst um das Wohl ihrer Schützlinge. Während wir Farangs uns nach geschaffter Tagesetappe bereits erschöpft und mit einem kühlen Bier auf der Matte oder im Klappstuhl befanden, versorgten die Mahouts erst die Elefanten mit Wasser und Futter, bevor sie sich selbst ein Getränk gönnten. Und auch nachts schauten sie immer wieder nach ihren Elefanten – Mahout sein ist wirklich ein Fulltime-Job.

Je näher wir dem Heimatdorf Ban Naklang kamen, desto häufiger bekamen wir abends im Camp Besuch. Mal waren es die Elefantenbesitzer, mal Freunde der Mahouts oder Tourguides, die in der Nähe wohnten. Die Abende mit all diesen Leuten und auch unseren Gästen waren sehr lustig. Mal war es eine lustige Chipstüte, die für gute Laune sorgte, oder oft auch nur der Gitarrengesang unserer Mahouts. Und natürlich der Reisschnaps. Wir haben tatsächlich 100 Liter Reisschnaps in 7 Tagen getrunken – unfassbar. Immer wieder wurde abends vom großen Kanister in den kleinen Kanister abgefüllt. Eine große Menge haben wir aber auch unterwegs verteilt und verschenkt – anders ist diese gigantische Literzahl wirklich nicht zu erklären.

Die Nächte verbrachten unsere Gäste in Zelten und die Mahouts unter freiem Himmel. Natalie und ich haben es mal so und mal so gehandhabt. Im Camp der Tausend Winde haben wir unruhig unter der Plane geschlafen, da diese beinahe wegflog. Im Camp „Krätze“ haben wir sicherheitshalber im Zelt übernachtet, weil in den Vorjahren dort Mahouts einen heftigen Ausschlag bekommen hatten (scheinbar wegen der Haare von Raupen?!) Aber am schönsten waren eigentlich die Nächte unterm Sternenhimmel. Hunderte hell leuchtender Sterne und dazu noch etliche Glühwürmchen – einfach traumhaft. Die Nächte war meistens gegen 5 bis 6 Uhr zuende, da wir aufgrund der Hitze früh starten wollten. Herrlich, die aufgehende Sonne während des Frühstücks zu erleben, wenn alles in ein warmes Licht getaucht wurde. Und immer wieder aufs Neue toll, die Elefanten morgens schon zu beobachten, beim Baden oder beim Einstauben – da vergisst man fast, sein Frühstücksgeschirr im Fluss abzuspülen.

Mittlerweile hatte sich eine tägliche Routine eingestellt. Nur die Landschaft wechselte immer wieder. Und Tag für Tag kamen wir unserem Ziel ein wenig näher. Die Stimmung war sehr gut, auch besonders bei den Mahouts. Sie alle sahen ihre Familien im Heimatdorf wieder, worauf sie sich riesig freuten. Da unsere Gäste oft laufen wollten, machten sie es sich zwischendurch auf den Elefanten bequem – schließlich waren wir in gemütlichem Tempo unterwegs. Und auch ich kam regelmäßig zum Reiten und konnte meine Balance optimieren – und endlich reiten wie die Mahouts!

An unserem letzten Tag machten wir uns erneut in aller Hergottssfrühe auf den Weg – wir wollten unser Endziel bis zum Mittag erreicht haben! Die letzte Etappe führte uns überwiegend über ausgetrocknete Mais- und Reisfelder, bis wir nach einem letzten Stück durch den Fluss das Karendorf Ban Naklang erreicht hatten.

Unsere große Reise endete am Dorfplatz vor dem Tempel, wo wir bereits von einigen Dorfbewohnern erwartet wurden. Insbesondere die Kinder des Dorfes konnten es kaum erwarten, selbst auf die Elefanten zu klettern. Noch ein letztes Gruppenfoto aller Treckteilnehmer – und dann dürften die Nachwuchs-Mahouts die Elefanten zu ihren Häusern reiten.

Geschafft – wir hatten unser Ziel erreicht! Einerseits war ich glücklich darüber, denn genau darauf hatten wir sieben Tage hingearbeitet. Andererseits war ich traurig, denn nun war unser Abenteuer fast zuende. Doch einen letzten Abend hatten wir ja noch vor uns! Nach einem ausgiebigen Bad im Fluss brachen wir auf, um das Dorf zu erkunden. Die Familien unserer Elefanten und Mahouts wollten uns kennenlernen – und somit wurden wir in etlichen Häusern zum Reisschnaps eingeladen.

Und natürlich wurde auch in diesem Dorf fleissig gewebt. Eigentlich nur für den Eigenbedarf, da sich selten Farangs ins Dorf verirren, aber Natalie und ich haben natürlich eine Tracht gekauft (wir finden auch überall etwas zum Shoppen). Meine neue Tracht ist aber wirklich wunderschön, sie wurde von Gotous und Bes Mutter (die Dame in rot) gemacht, den beiden Mahouts von unserer Leitkuh Mae Gaeo I und ihrem kleinen Jack.

Abends versammelten sich etliche Dorfbewohner von Ban Naklang auf dem Dorfplatz, um mit uns zu feiern. Die Gitarrenmusik und die ausgelassene Stimmung waren ein perfekter Abschluss für diese Reise.

Während unsere Gäste die Nacht erneut in ihren Zelten verbrachten, hatten Natalie und ich die große Ehre, im Dorftempel übernachten zu dürfen. Natürlich achteten wir tunlichst darauf, Buddha beim Schlafen nicht unsere Fußsohlen zuzuwenden.

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, kamen die Besitzer und Mahouts mit ihren Elefanten aus dem Dorf, damit wir uns verabschieden konnten. Ein letztes Mal dürften wir den Elefanten beim Baden zuschauen – und als hätten sie es gwusst: sie haben alles gegeben. So viel Action hatten wir selten an der Badestelle. Ein Rumgetobe und Getröte – wir Farangs waren alle gefesselt. Und ich wurde sehr sentimental. Denn für mich hieß es nun Abschied nehmen von einigen unserer Elefanten, die ich so schnell nicht wiedersehen werde. Mae Gaeo I, Salia, Phu Chapo und der kleine Jack – sie alle kommen erst aus ihrem Heimaturlaub wieder, wenn ich bereits nach Deutschland abgereist bin. Und Mae Dou kommt gar nicht mehr nach Mae Sapok zurück. Ich wurde unheimlich traurig und die Tränen ließen sich unter meiner Sonnenbrille nur schwer verbergen. Und auch während ich das nun schreibe, überkommt es mich wieder. Oh Mann – Sentimentalität kann ein ganz schöner Fluch sein! Zumal ich den „großen Abschied“ ja noch vor mir habe… das kann ja was werden! Jedenfalls bekam ich ein letztes Küsschen von Jack – und zahlreiche Glücksmomente dieses Trecks, die ich in meinem Gepäck mit nach Deutschland bringen werden. Ich hoffe, der endgültige Abschied in zwei Wochen fällt mir ein wenig leichter, weil ich mich auch sehr auf zuhause freue. Vielleicht wiegt die Wiedersehensfreude mit meinen Lieben dann den Abschiedsschmerz auf? Das wäre schön!

Nun befinde ich mich tatsächlich fast am Ende meiner Zeit hier in Thailand. Ich dachte tatsächlich, der Treck sei für mich sozusagen der krönende Abschluss. Aber selbst in dieser Woche nach dem Treck habe ich erneut zahlreiche tolle Erlebnisse gehabt.

Ich habe ein 10-Tage altes Elefantenkalb kennengelernt (Oh mein Gott! Unfassbar süß!), einen Meditations-Tag inkl. Mönch-Interview verbracht und natürlich das Songkran-Festival zelebriert – auf zwei völlig verschiedene Arten! Morgen besuche ich das Alzheimer-Zentrum des Schweizers Martin Woodtli. Mir mangelt es also nicht an Schreibstoff und Fotos für den nächsten Beitrag – höchstens an Zeit! 😉

 

6 Gedanken zu “Der große Treck ins Heimatdorf

  1. Liebe Melanie, all die Wochen lese ich deine Berichte und ich bin immer wieder berührt davon, mit wieviel Offenheit und Leidenschaft du dein Abenteuer lebst. Egal wie groß dein Abschiedsschmerz sein wird….du hast deinen Lebensrucksack mit ganz vielen Elefanten und Co. gefüllt….da wirst du immer wieder drin rumstöbern können 😊. Für die restliche Zeit wünsche ich dir noch viele Elefantenkuschelgelegenheiten. Wir sehen uns dann vielleicht beim Sommerfest, werden verblüfft sein, wie schnell die Zeit vergangen ist und ich werde gerne weiteren Geschchten lauschen. Lieben Gruß und weiterhin eine wunderschöne Zeit 🐘🐘🐘🐘😃

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  2. Liebe Melanie,
    mir fehlen fast die Worte! Deine Geschichten sind großartig,super ! Nach jeder Erzählung glaubt man,das ist nicht mehr zu überbieten – aber Du zeigst einem,daß es geht.
    Dieses Abenteuer ist kaum zu ueberbieten, schön, dass Du es gewagt hast!
    Noch wunderschoene Erlebnisse !
    LG Doris

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  3. Meine Liebe, einfach nur toll….
    Deine Bilder sind so schön und deine Geschichten dazu, traumhaft….
    Du hast alles richtig gemacht, du lebst deinen Traum…
    Genieß die letzten Wochen, freue mich schon sehr auf dich….

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  4. Liebe Melanie,

    es ist so schön, über deine Erlebnisse zu lesen, man kann sich direkt alles vorstellen. Natürlich helfen dabei auch die grandiosen Bilder, mit denen du deine Berichte schmückst.

    Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit, komme gut wieder heim

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