Abschied und Home Sweet Home

Nachdem ich nun seit knapp 4 Wochen wieder im Lande bin, muss ich endlich mal mit meinem Blog nachkommen bzw. meinen Erlebnisbericht beenden. In meiner letzten Woche in Mae Sapok hatte ich noch einige intensive Elefantenmomente. Gemeinsam mit Natalie betreute ich in meinen letzten Tagen eine kleine Gruppe, bei der ich selbst mitreiten konnte. Ich bin Mae Gaeo II geritten, unsere liebe alte Dame, die ich sehr ins Herz geschlossen habe (und die sich mittlerweile auch auf meinem Bein befindet).

Und natürlich gehörte auch das ausgiebige Baden dazu. Auch wenn das Wasser an dieser Stelle im Fluss kaum noch ein vernünftiges Baden hergibt, hatten wir jede Menge Spaß – inklusive Schlammbad für Elefanten und Menschen. Tatsächlich ist an meinem letzten Tag in Mae Sapok dann doch noch der lang ersehnte Regen gekommen – als ich gerade mit Mae Boontong unterwegs war. Mittlerweile herrschten täglich Temperaturen von über 40 Grad, so dass sich alle über den erfrischenden Regen gefreut haben.

Die Flusstour habe ich am meisten genossen, durch die Bambuswälder und Bäume an denen Luffa-Schwämme wachsen. Dort, wo das Glück – in Form von 4-blättrigen Kleeblättern – überall zu finden ist…. herrlich!

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Neben den Elefanten hatte ich noch ein weiteres besonderes Highlight in meiner letzten Woche. Ich war auf einer Karen-Hochzeit in unserem Dorf Mae Sapok Dei eingeladen. Mit zahlreichen Essensgaben bewaffnet, fuhren wir mit Nais Pick-up ins Dorf, um der Zeremonie und den Feierlichkeiten beizuwohnen.

Die Zeremonie war sehr interessant, auch wenn ich natürlich kaum ein Wort verstand. Sie  fand zweisprachig statt, auf Karen und Thai und neben etlichen Segnungen der älteren Verwandten wurden auch einige Lieder gesungen.

Das gesamte Dorf war versammelt und alle waren in ihren schönsten Trachten gekleidet – ein tolles Erlebnis. Neben dem Brautpaar waren Natalie und ich wohl die Hauptattraktion, denn wir waren die einzigen anwesenden Farangs. Ich fand es toll, diesem besonderen Ereignis beiwohnen zu dürfen.

Generell stand meine letzte Woche unter dem Zeichen vieler „letzter Male“. Ein letztes Mal im Kindergarten vorbei schauen, ein letztes Mal nach Mae Sapok Dei – viele kleine, teils traurige Abschiede! Und natürlich meine Abschiedsfeier in der Karaoke-Bar – ein eher lustiger als trauriger Abend.

Und dann kam auch schon mein letzer Tag im Elefantencamp. Ein letztes Mal auf dem Auto hintendrauf stehen, Abschied nehmen von meiner schönen Mae Wan Mai und all den lieben anderen Elefanten – und ein letzter Ausritt mit Mae Boontong.

Als krönender Abschluss ein letztes Mal Elefantenbaden an der tiefen Badestelle inklusive herumalbern mit den Mahouts, Elefanten und Gästen. Und dann – nach einem letzten Knuddeln – war es leider wirklich an der Zeit den sanften Riesen endgültig „Goodbye“ zu sagen. 😦

Nach dem Abschied im Camp tranken wir noch ein letztes Bier mit den Kollegen und einigen Mahouts an unserer Bank. Dort hängt mittlerweile ein Plakat von Bodos Ehrung durch die thailändische Prinzessin – welches die Mahouts bestaunten.

Der Abschied von Bee und Nai war einer der schwersten – selten sind mir so warmherzige Menschen begegnet, die mich sehr liebevoll aufgenommen haben. Mit Natalie fuhr ich dann nach Chiang Mai, wo ich den letzten Abend mit ihrem Freund und ihr verbrachte. Und auch hier gab es noch ein paar „letzte Mal“ zu erleben: Frühstücken im German Beergarden, Massage in meinem Lieblings-Salon „Lila Massage“ (wo man von Ex-Gefängnis-Insassinen massiert wird)…bis es dann mittags Richtung Flughafen ging. Als Natalie und Bee mich dort absetzten ging es mir eigentlich ganz gut, da überwog die Vorfreude auf zuhause. Als ich jedoch einige Zeit im Wartebereich verbrachte, wurde mir scheinbar doch bewusst, dass diese einmalige Zeit nun tatsächlich zuende ging – und da liessen sich die Tränen nicht mehr aufhalten. Bestimmt waren auch einige Tränen der Wiedersehens-Vorfreude dabei – aber auf jeden Fall war es ein sehr sentimentaler Moment, der da über mich hereinbrach.

Nach etlichen Stunden Flug und Wartezeiten an diversen Flughäfen erreichte ich dann endlich die Heimat. Dort wurde ich am Flughafen überrascht von meinem Bruderherz samt Freundin mit Blumen und Ballon  – und freute mich sehr, wieder zuhause zu sein. In den nächsten Tagen folgten tolle Wiedersehensmomente: Familienessen, Mädels-Überraschung, Super-Agentur-Willkommens-Überraschung (inklusive Integrationstest und vieler origineller Geschenke) – es war – und ist! – wirklich toll zu sehen, wieviele Menschen sich gefreut haben, dass ich wieder da bin! Denn das alles tröstet sehr über den Abschiedsschmerz der sanften Riesen, der lieben Menschen und des wunderschönen Landes hinweg.

Und jetzt? Knapp vier Wochen später hat mich mein Alltag wieder im Griff. Es kommt mir nicht vor, als sei ich noch vor einem Monat mit Elefanten durch den Dschungel spaziert. Die ganze Zeit dort erscheint mir in weiter Ferne – was eigentlich sehr schade ist. Aber heute – beim Schreiben dieses Blogs und beim Sichten der Bilder – war ich wieder für einen Moment dort… im schönen thailändischen Norden mit meinen wunderschönen Dickhäutern. (Vielleicht folgt doch noch irgendwann das ein oder andere Kapitel, wenn mich das Fernweh überkommt…)

Und ein kleines bißchen verfolgen sie mich doch in meinem deutschen Alltag, die Elefanten. Ich träume viel von ihnen – und tagsüber sehe ich sie überall, in den unterschiedlichsten Situationen. Als Wolkenformation am Himmel, als Laub auf dem Boden (das erkenne wahrscheinlich nur ich ;-)) und als Ingwer im Bioladen (das erkennt ihr hoffentlich auch?!)

Tatsächlich vermisse ich neben den Elefanten vor allem auch die viele Zeit, die ich in der Natur verbringen dürfte. Stundenlang durch die Wälder spazieren ist schon ein besonderes Geschenk. Aber auch unsere Umgebung hier hat sehr viel schönes zu bieten, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist.Meine morgendlichen Laufrunden durch den Wald und um den See genieße ich sehr – die Natur erleben mit ihren kleinen und großen Wundern.

Auch wir haben wunderschöne Wälder, sogar lebende Maibäume… und auch bei uns wächst das Glück am Wegesrand… man muss nur einfach länger Ausschau halten nach einem vierblättrigen Kleeblatt… 😉

Oder wie Buddha einst weise sagte: „Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklichsein ist der Weg!“ Ein perfektes Fazit zu meiner 5-monatigen Auszeit im Norden Thailands und somit ein schöner Schlusssatz für meinen Erlebnisbericht.

Ich danke euch für das schöne Feedback zu meinem Blog und freue mich, dass ihr an meinem Abenteuer teilhaben wolltet. Mir hat es riesigen Spaß gemacht, das Erlebte mit euch zu teilen – schön, dass ihr dabei ward!

Macht´s gut und seid glücklich! 🙂 Eure Melanie

 

 

Endspurt

Heute vor zwei Wochen bin ich in Deutschland gelandet und mein Leben im nordthailändischen Bergdorf fühlt sich unbeschreiblicherweise an, als läge es in weiter Ferne. Es ist einfach so ein komplett anderes Leben und erscheint mir fast surreal, dass es für 5 Monate tatsächlich MEIN Leben war.

Wie gut, dass ich meine letzten Wochen in Thailand noch voll ausgekostet habe. Kurz nach dem Treck besuchte ich mit Natalie und ihrem Freund Bee ein Elefantencamp von Bees Freund. Dort war 10 Tage zuvor ein Kalb geboren wurden. Ihr erinnert euch, wie verliebt ich in das 5-monatige Kalb war? Alle Elefanten sind  für mich faszinierende und wunderschöne Tiere – aber Baby-Elefanten sind einfach der Hammer.

Dieses Camp war nicht nur mit dem Neugeborenen gesegnet, sondern hatte auch noch zwei 8-Monate alte Kälber. Während das Baby permanent bei seiner Mama war, schlief und trank, kam eines der anderen Kälber neugierig zu uns und wollte spielen. Und ich dürfte hautnah erleben, dass so ein kleiner Racker schon über enorme Kräfte verfügt. Ich wurde umgerannt und es wurde liebevoll an meinem Knie geknabbert – die Kleine hatte scheinbar einen Narren an mir gefressen.

Es hat riesigen Spaß gemacht mit ihr zu knuddeln und zu spielen – auch wenn sie eindeutig die Stärkere war. Und es war auch interessant, mal wieder hinter die Kulissen eines weiteren Elefantencamps zu schauen. In meiner Zeit in Thailand habe ich sehr viel über Elefantenhaltung und -tourismus im Allgemeinen gelernt, über unterschiedliche Ansätze und Interessen der Campbetreiber. Dies alles sind spannende Themen, die vielleicht in meinem Blog ein wenig zu kurz gekommen sind. Hierüber und über die Lebensweise der Karen könnte ich etliche weitere Blogeinträge verfassen – vielleicht mache ich das auch irgendwann einmal. Zunächst möchte ich aber meine Abenteuerreise chronologisch vervollständigen. Und wer dann noch nicht müde ist von meinem Geschreibsel und meinen Fotos, der schaut einfach irgendwann einmal, ob es wieder neuen Lesestoff und Fotos gibt (seid gewiss, ich habe noch hunderte, die ich bisher nicht veröffentlich habe!)

Zurück zu meinen Erlebnissen und somit in das Karendorf von Bees Eltern, in dem ich zwei Tage des Songkran-Festes verbringen dürfte. Nach den abenteuerlichen und feuchtfröhlichen Wasserschlachten in der Stadt ging es am nächsten Morgen früh los nach Mae Sae. Hier leben die Eltern und Schwestern von Natalies Freund in einem sehr ursprünglichen Karendorf, in dem es keinen Strom gibt. Ich freute mich, die beiden begleiten zu dürfen um einmal das andere – das traditionelle – Songkran kennenlernen zu dürfen. Mae Sae unterschied sich sehr von Mae Sapok. Ein kleines beschauliches Dörfchen, was auf den letzten Kilometern nur über einen abenteuerlichen Feldweg zu erreichen war und somit sehr abgeschieden lag.

Die Häuser von Bees Eltern und Schwestern waren groß und sehr gepflegt und das ganze Dorf unfassbar sauber (was in Mae Sapok leider nicht immer der Fall war). Die Spül- und Waschstelle war außerhalb und das Badezimmer sowieso separat – wie das in Karen-Häusern immer der Fall ist. Bee zeigte mir das ganze Dorf und in alter Tourguide-Manier erklärte er mir Gegenstände, die früher zur Feldarbeit dienten und etliche Hintergründe über das Dorfleben. Wir sollten die Nacht im Hause seiner Schwester verbringen, die mit ihrem Mann und den beiden Töchtern dort lebte.

Den Nachmittag verbrachten wir damit, mit den Kindern zu spielen und uns ein wenig auszuruhen. Bees Vater war mit den Wasserbüffeln unterwegs, aber seine Mutter begrüßte uns direkt freudig im Hause der Schwester. Die gesamte Familie war überaus herzlich und ich fühlte mich jederzeit willkommen.

Bee bereitete zusammen mit seiner Schwester  das Abendessen zu und natürlich schaute ich nach, was die beiden in der Küche zauberten. Als ich den Echsenkopf sah, der Teil unseres Abendessens war, verschwand mein Appetit und war für den Rest des Abends unauffindbar. Natürlich wollte ich mir nichts anmerken lassen! Und es gab ja schließlich auch noch eine weitere Auswahl: Streifenhörnchen, Hühnchen (mit allem) und Reissuppe (von der ich nun auch weiß, warum sie von einigen Farangs Schlonz oder Schnodder genannt wird). Ich möchte wirklich nicht undankbar erscheinen, aber es war tatsächlich sehr gewöhnungsbedürftig für mich. Ich aß meinen Reis und etwas von dem Hühnchen und kostete alles andere höflich (außer der Echse, das habe ich nicht über mich gebracht).

Der Abend neigte sich mit eintretender Dunkelheit früh dem Ende zu. Vorausschauend zündeten wir eine Kerze an, die uns den Weg in unser Schlafgemach leuchtete. Natürlich dürfte das Zähneputzen vorher nicht fehlen.

Sofort stellte sich wieder das Treck-Freiheits-Feeling ein: Zähneputzen im Freien und einfach in die Natur spucken – herrlich! 😉  So früh der Tag beendet war (mit Einbruch der Dunkelheit gegen 19 Uhr), so früh startete der nächste (mit Einbruch der Dämmerung ab 5 Uhr). Das Haus wurde munter und alle wurden aktiv – und um 7 Uhr standen auch wir auf. Zum Frühstück gab es Reis und Reissuppe. Einmal etwas anderes als das sonst obligatorische Toast mit Marmelade. (Nun kann ich darüber schmunzeln, nachdem ich in den letzten zwei Wochen morgendlich Schwarzbrot, Roggenbrot, Dinkelbrot und Körnerbrot genießen dürfte!!!)

Nach dem Frühstück packten wir Geschenketaschen für die Dorfbewohner (mit Seife, Nudelsuppe, Waschmittel und weitere nützlichen Utensilien) und machten uns auf den Weg, um diese unters Volk zu bringen. Wir gingen von Haus zu Haus, wünschten ein „Sabai dii pii mai“ (Frohes neues Jahr!) und segneten die Alten. Hierzu standen Schüsseln mit Wasser bereit, welches jeder von uns dreimal über die Hände der älteren Menschen goß. Hierzu sprach der Gesegnete und dankte für den Segen. Im Gegenzug empfingen wir Segenswünsche und bekamen dabei ein Armband umgelegt, welches dreifach geknotet wurde. Dieses Ritual kannte ich bereits von unserem Zeremonienmeister und einem Mönch aus Chiang Mai.

Für mich war es etwas ganz Besonderes, an diesen Ritualen der Karen teilzunehmen. Es war das absolute Gegenteil zum wilden Treiben in der Stadt – und es war eine einmalige Erfahrung!

Bevor wir uns am frühen Vormittag verabschiedeten, wurden Natalie und ich von Bees Mutter noch großzügig beschenkt. Ich bekam eine wunderschöne handgewebte Tracht, einen Rockstoff, eine Tasche und Ketten – somit ein komplettes Karen-Outfit. Ich war wirklich sehr gerührt über diese persönlichen Geschenke von Bees Familie, die ich direkt in mein Herz geschlossen hatte! So reich gesegnet und beschenkt machten wir uns auf den Weg zurück nach Chiang Mai.

In der Stadt erwartete uns derselbe Trubel wie zwei Tage zuvor. Also lud ich mein Gepäck im Guesthouse ab, packte mein wasserdichtes Täschchen und beobachtete das nasse Treiben aus einem Café in der Nähe meiner Unterkunft – und wurde auf dem kurzen Weg dorthin natürlich prompt wieder pitschnass!

Ich amüsierte mich erneut über das Treiben in der Stadt, hatte aber dieses mal keine Lust auf eigene Wasserschlachten. Von dem Café an der Straßenkreuzung hatte ich den perfekten Blick auf das Treiben auf der Straße – und war innen sogar einigermaßen wassergeschützt. Eins ist sicher: in der Stadt werden alle Songkran-Regeln gebrochen! Und es ist das absolute Gegenteil zum traditionellen Songkran. Ich mochte beides auf seine Art.

An meinem vorletzten Tag in Chiang Mai erfüllte ich mir einen großen Wunsch, den ich schon lange hegte: ich ließ endlich mein altes Tattoo covern. Lange spielte ich schon mit dem Gedanken, war jedoch stets auf der Suche nach einem Motiv mit Bedeutung, an dem ich mich nicht in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten sattgesehen haben würde. Was lag da näher als einer unserer liebgewonnenen Elefanten, der mich nun ewig an mein Elefantenabenteuer erinnern wird? Die gütige Elefantendame Mae Gaeo II machte das Rennen und begleitet mich von nun an auf all meinen Wegen!

Am nächsten Tag stattete ich dem Alzheimer-Zentrum des Schweizers Martin Woodtli einen Besuch ab. Durch die Medien und etliche Berichte kannte ich seine Einrichtung und wollte einmal live erleben, wie er seine Idee umsetzte und den Bewohnern zugleich eine Freude machen. Bewaffnet mit kleinen Geschenken besuchte ich also den Schweizer Gründer und seine Gäste, wie er die Bewohner nennt.

Ich war begeistert, wie liebevoll die Thai-Pflegerinnen sich um ihre Gäste kümmern und auf all ihre Wünsche eingehen. Auf jeden Gast kommt ein persönlicher Betreuer, bzw. genau genommen sogar drei. Durch ein Schicht-System teilen sich diese drei Betreuer die Tages- und Nachtzeit auf und somit ist derjenige rund um die Uhr bestens betreut. Und unübersehbar mit sehr viel Hingabe und Liebe, entsprechend der Thaimentalität: tue Gutes und verehre die Alten. Schade, dass ein solches Pflegekonzept in Deutschland nicht durchführbar ist! 😦

Meine ereignisvolle Woche in Chiang Mai neigte sich dem Ende zu und am Montagfrüh fuhr ich mit Natalie zurück nach Mae Sapok. Ich wusste vorher bereits, dass Roger mich die ersten Tage im Büro einplante, worüber ich erstmalig sogar froh war. Denn mit einem frischen Tattoo ist es nicht empfehlenswert durch einen Fluss mit Elefantendung und Wasserbüffelkacke zu laufen! Trotzdem übernahm ich zum Ende der Woche noch eine eigene Tour und dürfte noch einmal ein paar Tage mit den Elefanten verbringen. Und in meiner darauffolgenden – der letzten – Woche kam ich sogar noch einige Male dazu zu reiten – was war ich happy darüber!

Oh mann, ihr Lieben! Ich bin immer noch nicht am Ende mit meinem Blog… muss nun aber erst einmal schlafen gehen, da mein Wecker morgen früh klingelt (denn ja, ich gehe wieder vor der Arbeit laufen – alles wie früher!) Ich versuche es diesmal zeitnah, den Blog zu ergänzen, denn wie sagte man am Freitag zu mir: „Für mich bist du noch gar nicht da – dein Blog ist noch nicht vervollständigt!“ Sei gewiss, Jörg, ich bin wieder da… aber meinen Blog darfst du gerne noch ein wenig verfolgen! 😉

 

Songkran in der Stadt

Wie bereits vermutet, fand ich in meinen letzten Tagen in Mae Sapok tatsächlich keine Zeit zur Aktualisierung meines Blogs. Und so kommt es nun, dass ich diesen Beitrag aus meinem heimischen Wintergarten schreibe – und die Sonne genieße, die herein strahlt.

Nach dem Treck hatte ich eine Woche frei, denn in dieser Woche wurde das Songkran-Fest gefeiert. Songkran ist das buddhistische Neujahrsfest, was vielen besser als Wasserfestival bekannt ist. Zelebriert wird das Ganze an drei Tagen, wobei es tatsächlich bereits einen Tag früher als gedacht los ging.

Für den Dienstag hatte ich mich mit Natalie zusammen an der buddhistischen Universität für einen Meditations-Workshop angemeldet. Begrüßt wurden wir von einem Mönch mit dem Spitznamen KK, der uns zunächst in die Grundlagen des Buddhismus einweihte. Er erklärte uns, dass der Buddhismus keine Religion, sondern eine Philosophie sei und er erläuterte uns die wichtigsten Lehren. Ich fand es unheimlich spannend, zumal wir ihm auch viele Fragen stellen konnten. Neben der Anleitung zu den verschiedensten Meditationstechniken gab er uns viele sinnvolle  Lebensweisheiten mit auf den Weg. Einerseits verfügte er über großen Humor, andererseits strahlte er eine unfassbare Ruhe und Gelassenheit aus – es war eine faszinierende Begegnung. Das Meditieren selbst hat großen Spaß gemacht, zumal ich tatsächlich feststellte, dass ich im Laufe des Tages tatsächlich besser wurde, also mich weniger von äußerlichen Einflüssen ablenken ließ. Mit regelmäßigem Training ist es sicherlich eine tolle Art, vom Alltag zu entspannen, man muss sich eben nur die Zeit dafür nehmen.

Die Tempelanlage, auf der sich die Universität befand, war wunderschön. Überall konnten wir Mönche beobachten, die beschäftigt waren das bevorstehende Songkran-Fest vorzubereiten. Unser Workshop endete am frühen Abend, als die Abendsonne die Tempelanlage in ein wunderschönes Licht tauchte. Ganz selig über die vielen tollen Eindrücke des Tages und diese schönen Bilder am Abend, fuhren wir zurück in die Altstadt.

Was uns hier erwartete, konnte ich zunächst kaum fassen. Während es für Natalie keine große Überraschung war – sie hat bereits einige Songkran-Feste in der Stadt erlebt – kam ich aus dem Staunen kaum noch raus. Wie ich am nächsten Tag feststellte, war es jedoch nur ein klitzekleiner Vorgeschmack auf das, was mich noch erwartete.

Zig Menschen belagerten die Straßen, bewaffnet mit Wasserpistolen in jeglichen Ausführungen. Teilweise mit Riesengewehren, Wassertanks auf dem Rücken – oder direkt mit Eimern. Etliche Verkaufsstände säumten die Straßen und versorgten die Leute mit dem nötigen Equipment. In aller Voraussicht kaufte ich mir an diesem Abend noch ein wasserfestes Täschchen, um zumindest mein Handy und das Geld zu schützen. Langsam glaubte ich Natalie, dass man auf keinen Fall mit einer normalen Handtasche unterwegs sein sollte. Fasziniert von dem Spektakel freute ich mich auf den nächsten Tag, wollte mich aber nicht bereits am Abend ins Getümmel stürzen. Lieber wollte ich noch die ruhigen und lehrreichen Sätze unseres Mönchs auf mich wirken und den Tag in buddhistischer Ruhe ausklingen lassen.

Auch am nächsten Morgen wollte ich es zunächst ruhig angehen und im gemütlichen Terrakottagarten frühstücken gehen. Ich schlenderte also aus meinem Guesthouse – und bekam prompt nach knapp 20 Metern den ersten Wassereimer über mich geladen. Sofort war ich triefend nass. Allen anderen ging es aber auch nicht besser, wie ich auf meinem weiteren Weg feststellte, und auch die Bedienung im Café hatte es auf ihrem Weg zur Arbeit schon erwischt. Lustig – und bei den heißen Temperaturen, die bereits am Morgen herrschten, war es eine willkommene Abkühlung.

Nach dem Frühstück holten mich Natalie und ihr Freund Bee ab, wir wollten zunächst zu Freunden von Bee, die eine Privatparty zuhause veranstalteten. Wie sich herausstellte, war es ein tolles Haus mit Swimmingpool und die Jungs hatten eine Karaoke-Anlage besorgt. Scheinbar lieben alle Thais Karaoke singen – egal ob sie gut singen können oder nicht.

Es war sehr lustig und natürlich gab es auch viel zu essen und zu trinken. Klassisch an Songkran, bekamen wir das Gesicht mit Kreide / Puder eingeschmiert und eine Blumenkette umgehangen. Nach knapp zwei Stunden verabschiedeten wir uns aber wieder, schließlich wollten wir uns mitten ins Getümmel in der Stadt stürzen. Die Altstadt von Chiang Mai ist von Wassergräben umringt und hier war auch das Zentrum der Feierlichkeiten. Vorher besorgten wir uns jedoch noch Wasserpistolen und ich wollte auch ein standesgemäßes Outfit, denn an Songkran trägt man Hawaiihemden. Bestens ausgestattet und bewaffnet zogen wir also los in den Wasserkampf!

Mir hat es riesigen Spaß gemacht. Besonders die kleinen Schlachten mit den vielen Kindern waren sehr lustig. Hunderte Menschen waren unterwegs, Thais und Touristen und alle waren ausgelassen und bewarfen sich mit Wasser – wirklich lustig und erfrischend (die Temperaturen liegen mittlerweile täglich bei über 40 Grad). Da soll mal einer sagen, wir Kölner seien bekloppt an Karneval – die Thais können da wirklich gut mithalten. Besonders einige mit abenteuerlichen Verkleidungen (Superman war mein Favorit! :-).

Nachmittags schauten wir uns die Parade am Thapae-Gate an. Dies ist ein Umzug mit traditionellen thailändischen Tanzdarbietungen – und mit der bedeutendsten Buddha-Figur der Stadt. Diese verlässt nur einmal im Jahr ihren Tempel – an Songkran – um der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. Hierfür stattet man sich vorher mit geweihtem Blütenwasser aus, mit der man die Statue dann bewirft – das bringt Glück und Segen und ist eine Riesen-Attraktion für die Thais. Dank Bee erhielt ich all dies Hintergrundwissen und konnte dem Ritual der Thais beiwohnen.

Spätnachmittags sind wir dann noch bei meinem Bekannten Lim in seiner Bar vorbei. Auch hier wurde ausgelassen gefeiert und ich traf andere Bekannte wieder. Auf der Straße vor der Bar fuhren etliche Pick-ups mit Wasserkanistern beladen vorbei – und lieferten sich Wasserkämpfe mit den Menschen auf der Straße.

Am nächsten Tag sollte ich das genau gegenteilige Songkran erleben – das eigentlich Traditionelle. Hierzu holten mich Natalie und Bee ab, um mit mir in Bees Heimatdorf zu fahren, ca.zwei Autostunden entfernt von Chiang Mai, Richtung Pai.

Von diesem Songkran-Erlebnis im Karendorf Mae Sae berichte ich euch in Kürze. Für heute muss ich vorerst zum Ende kommen, da ich jeden Moment abgeholt werde – Wiedersehen feiern mit den Mädels. Und natürlich erzähle ich euch auch noch von dem 10 Tage alten Kalb, meiner Abschiedsfeier in Mae Sapok, meinen letzten Elefantentagen… und von der Wiedersehensfreude in Köln.