Songkran in der Stadt

Wie bereits vermutet, fand ich in meinen letzten Tagen in Mae Sapok tatsächlich keine Zeit zur Aktualisierung meines Blogs. Und so kommt es nun, dass ich diesen Beitrag aus meinem heimischen Wintergarten schreibe – und die Sonne genieße, die herein strahlt.

Nach dem Treck hatte ich eine Woche frei, denn in dieser Woche wurde das Songkran-Fest gefeiert. Songkran ist das buddhistische Neujahrsfest, was vielen besser als Wasserfestival bekannt ist. Zelebriert wird das Ganze an drei Tagen, wobei es tatsächlich bereits einen Tag früher als gedacht los ging.

Für den Dienstag hatte ich mich mit Natalie zusammen an der buddhistischen Universität für einen Meditations-Workshop angemeldet. Begrüßt wurden wir von einem Mönch mit dem Spitznamen KK, der uns zunächst in die Grundlagen des Buddhismus einweihte. Er erklärte uns, dass der Buddhismus keine Religion, sondern eine Philosophie sei und er erläuterte uns die wichtigsten Lehren. Ich fand es unheimlich spannend, zumal wir ihm auch viele Fragen stellen konnten. Neben der Anleitung zu den verschiedensten Meditationstechniken gab er uns viele sinnvolle  Lebensweisheiten mit auf den Weg. Einerseits verfügte er über großen Humor, andererseits strahlte er eine unfassbare Ruhe und Gelassenheit aus – es war eine faszinierende Begegnung. Das Meditieren selbst hat großen Spaß gemacht, zumal ich tatsächlich feststellte, dass ich im Laufe des Tages tatsächlich besser wurde, also mich weniger von äußerlichen Einflüssen ablenken ließ. Mit regelmäßigem Training ist es sicherlich eine tolle Art, vom Alltag zu entspannen, man muss sich eben nur die Zeit dafür nehmen.

Die Tempelanlage, auf der sich die Universität befand, war wunderschön. Überall konnten wir Mönche beobachten, die beschäftigt waren das bevorstehende Songkran-Fest vorzubereiten. Unser Workshop endete am frühen Abend, als die Abendsonne die Tempelanlage in ein wunderschönes Licht tauchte. Ganz selig über die vielen tollen Eindrücke des Tages und diese schönen Bilder am Abend, fuhren wir zurück in die Altstadt.

Was uns hier erwartete, konnte ich zunächst kaum fassen. Während es für Natalie keine große Überraschung war – sie hat bereits einige Songkran-Feste in der Stadt erlebt – kam ich aus dem Staunen kaum noch raus. Wie ich am nächsten Tag feststellte, war es jedoch nur ein klitzekleiner Vorgeschmack auf das, was mich noch erwartete.

Zig Menschen belagerten die Straßen, bewaffnet mit Wasserpistolen in jeglichen Ausführungen. Teilweise mit Riesengewehren, Wassertanks auf dem Rücken – oder direkt mit Eimern. Etliche Verkaufsstände säumten die Straßen und versorgten die Leute mit dem nötigen Equipment. In aller Voraussicht kaufte ich mir an diesem Abend noch ein wasserfestes Täschchen, um zumindest mein Handy und das Geld zu schützen. Langsam glaubte ich Natalie, dass man auf keinen Fall mit einer normalen Handtasche unterwegs sein sollte. Fasziniert von dem Spektakel freute ich mich auf den nächsten Tag, wollte mich aber nicht bereits am Abend ins Getümmel stürzen. Lieber wollte ich noch die ruhigen und lehrreichen Sätze unseres Mönchs auf mich wirken und den Tag in buddhistischer Ruhe ausklingen lassen.

Auch am nächsten Morgen wollte ich es zunächst ruhig angehen und im gemütlichen Terrakottagarten frühstücken gehen. Ich schlenderte also aus meinem Guesthouse – und bekam prompt nach knapp 20 Metern den ersten Wassereimer über mich geladen. Sofort war ich triefend nass. Allen anderen ging es aber auch nicht besser, wie ich auf meinem weiteren Weg feststellte, und auch die Bedienung im Café hatte es auf ihrem Weg zur Arbeit schon erwischt. Lustig – und bei den heißen Temperaturen, die bereits am Morgen herrschten, war es eine willkommene Abkühlung.

Nach dem Frühstück holten mich Natalie und ihr Freund Bee ab, wir wollten zunächst zu Freunden von Bee, die eine Privatparty zuhause veranstalteten. Wie sich herausstellte, war es ein tolles Haus mit Swimmingpool und die Jungs hatten eine Karaoke-Anlage besorgt. Scheinbar lieben alle Thais Karaoke singen – egal ob sie gut singen können oder nicht.

Es war sehr lustig und natürlich gab es auch viel zu essen und zu trinken. Klassisch an Songkran, bekamen wir das Gesicht mit Kreide / Puder eingeschmiert und eine Blumenkette umgehangen. Nach knapp zwei Stunden verabschiedeten wir uns aber wieder, schließlich wollten wir uns mitten ins Getümmel in der Stadt stürzen. Die Altstadt von Chiang Mai ist von Wassergräben umringt und hier war auch das Zentrum der Feierlichkeiten. Vorher besorgten wir uns jedoch noch Wasserpistolen und ich wollte auch ein standesgemäßes Outfit, denn an Songkran trägt man Hawaiihemden. Bestens ausgestattet und bewaffnet zogen wir also los in den Wasserkampf!

Mir hat es riesigen Spaß gemacht. Besonders die kleinen Schlachten mit den vielen Kindern waren sehr lustig. Hunderte Menschen waren unterwegs, Thais und Touristen und alle waren ausgelassen und bewarfen sich mit Wasser – wirklich lustig und erfrischend (die Temperaturen liegen mittlerweile täglich bei über 40 Grad). Da soll mal einer sagen, wir Kölner seien bekloppt an Karneval – die Thais können da wirklich gut mithalten. Besonders einige mit abenteuerlichen Verkleidungen (Superman war mein Favorit! :-).

Nachmittags schauten wir uns die Parade am Thapae-Gate an. Dies ist ein Umzug mit traditionellen thailändischen Tanzdarbietungen – und mit der bedeutendsten Buddha-Figur der Stadt. Diese verlässt nur einmal im Jahr ihren Tempel – an Songkran – um der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. Hierfür stattet man sich vorher mit geweihtem Blütenwasser aus, mit der man die Statue dann bewirft – das bringt Glück und Segen und ist eine Riesen-Attraktion für die Thais. Dank Bee erhielt ich all dies Hintergrundwissen und konnte dem Ritual der Thais beiwohnen.

Spätnachmittags sind wir dann noch bei meinem Bekannten Lim in seiner Bar vorbei. Auch hier wurde ausgelassen gefeiert und ich traf andere Bekannte wieder. Auf der Straße vor der Bar fuhren etliche Pick-ups mit Wasserkanistern beladen vorbei – und lieferten sich Wasserkämpfe mit den Menschen auf der Straße.

Am nächsten Tag sollte ich das genau gegenteilige Songkran erleben – das eigentlich Traditionelle. Hierzu holten mich Natalie und Bee ab, um mit mir in Bees Heimatdorf zu fahren, ca.zwei Autostunden entfernt von Chiang Mai, Richtung Pai.

Von diesem Songkran-Erlebnis im Karendorf Mae Sae berichte ich euch in Kürze. Für heute muss ich vorerst zum Ende kommen, da ich jeden Moment abgeholt werde – Wiedersehen feiern mit den Mädels. Und natürlich erzähle ich euch auch noch von dem 10 Tage alten Kalb, meiner Abschiedsfeier in Mae Sapok, meinen letzten Elefantentagen… und von der Wiedersehensfreude in Köln.

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