Endspurt

Heute vor zwei Wochen bin ich in Deutschland gelandet und mein Leben im nordthailändischen Bergdorf fühlt sich unbeschreiblicherweise an, als läge es in weiter Ferne. Es ist einfach so ein komplett anderes Leben und erscheint mir fast surreal, dass es für 5 Monate tatsächlich MEIN Leben war.

Wie gut, dass ich meine letzten Wochen in Thailand noch voll ausgekostet habe. Kurz nach dem Treck besuchte ich mit Natalie und ihrem Freund Bee ein Elefantencamp von Bees Freund. Dort war 10 Tage zuvor ein Kalb geboren wurden. Ihr erinnert euch, wie verliebt ich in das 5-monatige Kalb war? Alle Elefanten sind  für mich faszinierende und wunderschöne Tiere – aber Baby-Elefanten sind einfach der Hammer.

Dieses Camp war nicht nur mit dem Neugeborenen gesegnet, sondern hatte auch noch zwei 8-Monate alte Kälber. Während das Baby permanent bei seiner Mama war, schlief und trank, kam eines der anderen Kälber neugierig zu uns und wollte spielen. Und ich dürfte hautnah erleben, dass so ein kleiner Racker schon über enorme Kräfte verfügt. Ich wurde umgerannt und es wurde liebevoll an meinem Knie geknabbert – die Kleine hatte scheinbar einen Narren an mir gefressen.

Es hat riesigen Spaß gemacht mit ihr zu knuddeln und zu spielen – auch wenn sie eindeutig die Stärkere war. Und es war auch interessant, mal wieder hinter die Kulissen eines weiteren Elefantencamps zu schauen. In meiner Zeit in Thailand habe ich sehr viel über Elefantenhaltung und -tourismus im Allgemeinen gelernt, über unterschiedliche Ansätze und Interessen der Campbetreiber. Dies alles sind spannende Themen, die vielleicht in meinem Blog ein wenig zu kurz gekommen sind. Hierüber und über die Lebensweise der Karen könnte ich etliche weitere Blogeinträge verfassen – vielleicht mache ich das auch irgendwann einmal. Zunächst möchte ich aber meine Abenteuerreise chronologisch vervollständigen. Und wer dann noch nicht müde ist von meinem Geschreibsel und meinen Fotos, der schaut einfach irgendwann einmal, ob es wieder neuen Lesestoff und Fotos gibt (seid gewiss, ich habe noch hunderte, die ich bisher nicht veröffentlich habe!)

Zurück zu meinen Erlebnissen und somit in das Karendorf von Bees Eltern, in dem ich zwei Tage des Songkran-Festes verbringen dürfte. Nach den abenteuerlichen und feuchtfröhlichen Wasserschlachten in der Stadt ging es am nächsten Morgen früh los nach Mae Sae. Hier leben die Eltern und Schwestern von Natalies Freund in einem sehr ursprünglichen Karendorf, in dem es keinen Strom gibt. Ich freute mich, die beiden begleiten zu dürfen um einmal das andere – das traditionelle – Songkran kennenlernen zu dürfen. Mae Sae unterschied sich sehr von Mae Sapok. Ein kleines beschauliches Dörfchen, was auf den letzten Kilometern nur über einen abenteuerlichen Feldweg zu erreichen war und somit sehr abgeschieden lag.

Die Häuser von Bees Eltern und Schwestern waren groß und sehr gepflegt und das ganze Dorf unfassbar sauber (was in Mae Sapok leider nicht immer der Fall war). Die Spül- und Waschstelle war außerhalb und das Badezimmer sowieso separat – wie das in Karen-Häusern immer der Fall ist. Bee zeigte mir das ganze Dorf und in alter Tourguide-Manier erklärte er mir Gegenstände, die früher zur Feldarbeit dienten und etliche Hintergründe über das Dorfleben. Wir sollten die Nacht im Hause seiner Schwester verbringen, die mit ihrem Mann und den beiden Töchtern dort lebte.

Den Nachmittag verbrachten wir damit, mit den Kindern zu spielen und uns ein wenig auszuruhen. Bees Vater war mit den Wasserbüffeln unterwegs, aber seine Mutter begrüßte uns direkt freudig im Hause der Schwester. Die gesamte Familie war überaus herzlich und ich fühlte mich jederzeit willkommen.

Bee bereitete zusammen mit seiner Schwester  das Abendessen zu und natürlich schaute ich nach, was die beiden in der Küche zauberten. Als ich den Echsenkopf sah, der Teil unseres Abendessens war, verschwand mein Appetit und war für den Rest des Abends unauffindbar. Natürlich wollte ich mir nichts anmerken lassen! Und es gab ja schließlich auch noch eine weitere Auswahl: Streifenhörnchen, Hühnchen (mit allem) und Reissuppe (von der ich nun auch weiß, warum sie von einigen Farangs Schlonz oder Schnodder genannt wird). Ich möchte wirklich nicht undankbar erscheinen, aber es war tatsächlich sehr gewöhnungsbedürftig für mich. Ich aß meinen Reis und etwas von dem Hühnchen und kostete alles andere höflich (außer der Echse, das habe ich nicht über mich gebracht).

Der Abend neigte sich mit eintretender Dunkelheit früh dem Ende zu. Vorausschauend zündeten wir eine Kerze an, die uns den Weg in unser Schlafgemach leuchtete. Natürlich dürfte das Zähneputzen vorher nicht fehlen.

Sofort stellte sich wieder das Treck-Freiheits-Feeling ein: Zähneputzen im Freien und einfach in die Natur spucken – herrlich! 😉  So früh der Tag beendet war (mit Einbruch der Dunkelheit gegen 19 Uhr), so früh startete der nächste (mit Einbruch der Dämmerung ab 5 Uhr). Das Haus wurde munter und alle wurden aktiv – und um 7 Uhr standen auch wir auf. Zum Frühstück gab es Reis und Reissuppe. Einmal etwas anderes als das sonst obligatorische Toast mit Marmelade. (Nun kann ich darüber schmunzeln, nachdem ich in den letzten zwei Wochen morgendlich Schwarzbrot, Roggenbrot, Dinkelbrot und Körnerbrot genießen dürfte!!!)

Nach dem Frühstück packten wir Geschenketaschen für die Dorfbewohner (mit Seife, Nudelsuppe, Waschmittel und weitere nützlichen Utensilien) und machten uns auf den Weg, um diese unters Volk zu bringen. Wir gingen von Haus zu Haus, wünschten ein „Sabai dii pii mai“ (Frohes neues Jahr!) und segneten die Alten. Hierzu standen Schüsseln mit Wasser bereit, welches jeder von uns dreimal über die Hände der älteren Menschen goß. Hierzu sprach der Gesegnete und dankte für den Segen. Im Gegenzug empfingen wir Segenswünsche und bekamen dabei ein Armband umgelegt, welches dreifach geknotet wurde. Dieses Ritual kannte ich bereits von unserem Zeremonienmeister und einem Mönch aus Chiang Mai.

Für mich war es etwas ganz Besonderes, an diesen Ritualen der Karen teilzunehmen. Es war das absolute Gegenteil zum wilden Treiben in der Stadt – und es war eine einmalige Erfahrung!

Bevor wir uns am frühen Vormittag verabschiedeten, wurden Natalie und ich von Bees Mutter noch großzügig beschenkt. Ich bekam eine wunderschöne handgewebte Tracht, einen Rockstoff, eine Tasche und Ketten – somit ein komplettes Karen-Outfit. Ich war wirklich sehr gerührt über diese persönlichen Geschenke von Bees Familie, die ich direkt in mein Herz geschlossen hatte! So reich gesegnet und beschenkt machten wir uns auf den Weg zurück nach Chiang Mai.

In der Stadt erwartete uns derselbe Trubel wie zwei Tage zuvor. Also lud ich mein Gepäck im Guesthouse ab, packte mein wasserdichtes Täschchen und beobachtete das nasse Treiben aus einem Café in der Nähe meiner Unterkunft – und wurde auf dem kurzen Weg dorthin natürlich prompt wieder pitschnass!

Ich amüsierte mich erneut über das Treiben in der Stadt, hatte aber dieses mal keine Lust auf eigene Wasserschlachten. Von dem Café an der Straßenkreuzung hatte ich den perfekten Blick auf das Treiben auf der Straße – und war innen sogar einigermaßen wassergeschützt. Eins ist sicher: in der Stadt werden alle Songkran-Regeln gebrochen! Und es ist das absolute Gegenteil zum traditionellen Songkran. Ich mochte beides auf seine Art.

An meinem vorletzten Tag in Chiang Mai erfüllte ich mir einen großen Wunsch, den ich schon lange hegte: ich ließ endlich mein altes Tattoo covern. Lange spielte ich schon mit dem Gedanken, war jedoch stets auf der Suche nach einem Motiv mit Bedeutung, an dem ich mich nicht in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten sattgesehen haben würde. Was lag da näher als einer unserer liebgewonnenen Elefanten, der mich nun ewig an mein Elefantenabenteuer erinnern wird? Die gütige Elefantendame Mae Gaeo II machte das Rennen und begleitet mich von nun an auf all meinen Wegen!

Am nächsten Tag stattete ich dem Alzheimer-Zentrum des Schweizers Martin Woodtli einen Besuch ab. Durch die Medien und etliche Berichte kannte ich seine Einrichtung und wollte einmal live erleben, wie er seine Idee umsetzte und den Bewohnern zugleich eine Freude machen. Bewaffnet mit kleinen Geschenken besuchte ich also den Schweizer Gründer und seine Gäste, wie er die Bewohner nennt.

Ich war begeistert, wie liebevoll die Thai-Pflegerinnen sich um ihre Gäste kümmern und auf all ihre Wünsche eingehen. Auf jeden Gast kommt ein persönlicher Betreuer, bzw. genau genommen sogar drei. Durch ein Schicht-System teilen sich diese drei Betreuer die Tages- und Nachtzeit auf und somit ist derjenige rund um die Uhr bestens betreut. Und unübersehbar mit sehr viel Hingabe und Liebe, entsprechend der Thaimentalität: tue Gutes und verehre die Alten. Schade, dass ein solches Pflegekonzept in Deutschland nicht durchführbar ist! 😦

Meine ereignisvolle Woche in Chiang Mai neigte sich dem Ende zu und am Montagfrüh fuhr ich mit Natalie zurück nach Mae Sapok. Ich wusste vorher bereits, dass Roger mich die ersten Tage im Büro einplante, worüber ich erstmalig sogar froh war. Denn mit einem frischen Tattoo ist es nicht empfehlenswert durch einen Fluss mit Elefantendung und Wasserbüffelkacke zu laufen! Trotzdem übernahm ich zum Ende der Woche noch eine eigene Tour und dürfte noch einmal ein paar Tage mit den Elefanten verbringen. Und in meiner darauffolgenden – der letzten – Woche kam ich sogar noch einige Male dazu zu reiten – was war ich happy darüber!

Oh mann, ihr Lieben! Ich bin immer noch nicht am Ende mit meinem Blog… muss nun aber erst einmal schlafen gehen, da mein Wecker morgen früh klingelt (denn ja, ich gehe wieder vor der Arbeit laufen – alles wie früher!) Ich versuche es diesmal zeitnah, den Blog zu ergänzen, denn wie sagte man am Freitag zu mir: „Für mich bist du noch gar nicht da – dein Blog ist noch nicht vervollständigt!“ Sei gewiss, Jörg, ich bin wieder da… aber meinen Blog darfst du gerne noch ein wenig verfolgen! 😉

 

3 Gedanken zu “Endspurt

  1. Schön dass du wieder da bist 😉
    Und schade dass wir nun auf deine regelmässigen Berichte, Erfahrungen und unterhaltsamen Erlebnisse verzichten müssen…

    Gefällt mir

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