Unser Kindergarten

In unserem Dorf Mae Sapok gibt es einen schönen Kindergarten, den wir regelmäßig mit unseren Gästen besuchen. Hier kommen über 30 Kinder täglich hin, um auf die Schule vorbereitet zu werden. Die Kinder – allesamt Karen – lernen hier Thai und ansatzweise auch bereits Englisch.

Die offiziellen Gelder haben nur für das Gehalt einer Erzieherin gereicht, so dass Elephant Special Tours gemeinsam mit Bee und Nai (den Inhabern von Maewin Guesthouse, wo unsere Gäste untergebracht sind) das Gehalt einer zweiten Erzieherin übernehmen. Zusätzlich ist noch mindestens eine Mutter aus dem Dorf anwesend.

Der Kindergarten liegt auf dem Weg zu unseren Elefantencamps, und so halten wir oft mit unseren Gästen dort an, um vorbei zu schauen. Die Kinder freuen sich immer riesig uns zu sehen. Oft nehmen sie einen bei der Hand, damit man mit ihnen spielen kommt.

Schön zu sehen ist auch, mit wie wenig die Kinder hier zurecht kommen. Kein neues hochmodernes Spielzeug, sondern einfache Dinge, mit denen sie sich stundenlang beschäftigen. Bälle, Malstifte, Kinderbücher… Ich habe zugegebenermaßen lange keinen deutschen Kindergarten mehr von innen gesehen, aber ich gehe davon aus, dass die Spieleauswahl dort deutlich größer ist.

Besonders schön ist es, wenn bei unseren Gästen selbst kleine Kinder dabei sind. Sie werden direkt aufgenommen und spielen zusammen, komplett ohne Sprachbarrieren – total süß anzuschauen.

Aber auch ich kann mich ohne Worte mit den Kids verständigen: witzige Selfies machen mit mir oder meinem Hut ist jedes mal ein Riesenspaß! 🙂

 

Die kleine Maus mit ihrem weißen Trachtenkleid (ihr erinnert euch? Die „weißen Karen“!) posierte zuletzt ganz besonders gerne vor der Kamera – ganz bestimmt, um euch zu zeigen, wie wunderschön die Karentrachten sind.

Sie wollte uns kaum fahren lassen, als es Zeit war „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Und ich konnte mich nur losreissen, weil ich wusste, dass die Elefanten auf uns warteten… und dass wir in den nächsten Tagen ganz bestimmt einmal wiederkommen!

 

Ein besonders schöner Tag

Eigentlich hatte ich ein Kapitel über den Kindergarten von Mae Sapok angekündigt – das werde ich auch bald nachholen. Heute möchte ich euch aber von meinem besonders schönen Tag berichten.

Seit gestern betreue ich eine Gästegruppe mit meinem Chef Bodo, der seit letzter Woche wieder hier in Thailand ist (er wechselt sich mit seinem Sohn Roger ab). Gestern habe ich das erste Mal mit ihm zusammen gerarbeitet, bisher hatte ich nur das kurze Vergnügen bei dem Filmdreh und der Verabschiedung des großen Trecks. Bodo hat die Firma Elephant Special Tours vor 15 Jahren gegründet und natürlich eine Menge spannender Geschichten zu erzählen. Ich höre ihm gerne zu, wenn er über sein „Viehzeug“ redet.

Gestern haben wir mit den Gästen morgens die Elefanten aus dem Wald geholt, und sind u.a. durch das Flussbett zur tiefen Badestelle geritten. Heute haben wir eine große Runde gedreht: ein kleines Stück durch den Fluss, danach rauf in die Berge, auf dem Kamm entlang und dann herab am Karendorf Mae Sapok Dei vorbei. Über die Reisfelder (momentan ist es scheinbar erlaubt, da an dieser Stelle gerade kein Reis gesät ist) bis hin zu einer Stelle am Fluss, wo wir mit unserer Stiftungstour zum Elefanten-Baden gehen. Dort wartete bereits unser Fahrer mit dem Mittagessen – ein Picknick am Fluss, inmitten der Elefanten, die rundherum ebenfalls gefressen habe. Herrlich! Nach dem Essen haben wir die Elefanten dann gebadet – eigentlich mein persönliches Highlight des Tages, wie ihr wisst.

Die meisten Gäste wollten nicht ins Wasser, weil es ziemlich kalt ist – ich habe es mir natürlich nicht entgehen lassen. Auch wenn ich den Elefanten sehr gerne beim Baden zusehe, so liebe ich es jedoch noch mehr, sie selbst zu baden. Diesmal hatten wir unsere Wasserratten jedoch nicht dabei, sondern eher die Elefanten, die das Baden mehr oder weniger gerne mögen – und sich nicht so austoben wie die anderen. Mae Wan Mai, unsere hübsche Große, hat sich aber ohne zu murren von uns säubern lassen.

Sie ist wirklich ein ganz besonders toller Elefant, finde ich. Sie trägt hier auch nicht umsonst den Spitznamen „die Schöne“. Nach dem Baden am Nachmittag war das heutige Programm für unsere Gäste vorbei und der Wagen stand bereit, um uns nach Hause zu fahren. Die Mahouts reiten die Elefanten dann zurück ins Camp. Gerade als ich mich von Mae Boontong – eine unserer hübschen alten Damen – verabschiedete, rief Bodo: „Melanie, willst du mit ins Camp reiten?“ Und wie ich wollte!!!! „Dann such dir einen Elefanten aus!“ Da brauchte ich nicht lange überlegen: Mae Wan Mai! „Na dann rauf da! Aber übers Bein!“ Ohje – was bei der kleinen Salia so gut klappt ist bei der hübschen Großen eine echte Herausforderung. Aber es half ja nichts: wenn ich sie reiten wollte, musste ich da rauf. Und bevor Bodo es sich anders überlegen konnte, kletterte ich auf Mae Wan Mai, nachdem sie mir ihr Bein als Stufe anbot. Kein leichtes Unterfangen und ich bot sicherlich einen sehr unathletischen Anblick – aber verdammt ich wollte da hoch und diesen schönen Elefanten zurück ins Camp reiten.

Natürlich haben sich die Mühen sowas von gelohnt! Mit einem Dauergrinsen bin ich die gesamte Strecke ins Camp zurück geritten. Eine schöne Strecke, die ich schon zig mal zu Fuss neben den Elefanten gelaufen bin. Aber vom Rücken eines Elefanten sieht die ganze Welt noch ein bisschen schöner aus!

Heute erst hat mich wieder einer der Gäste gefragt, ob ich auch oft zum Reiten komme. Ich erzählte dann wahrheitsgemäß, dass ich hier erst einmal geritten bin und einmal Holzschieben vorgemacht habe. Und dass ich ja auch zum Arbeiten hier bin und es sich meist einfach nicht ergibt, wenn Gäste da sind. Ich sagte auch, dass es mir überhaupt nichts ausmache, dass ich nur selten reite, weil ich das nebenher laufen ebenso genieße. Und genauso habe ich das auch gemeint, als ich es erzählt habe. Ich genieße das stundenlange Laufen durch die Wälder und Felder, neben und zwischen den Dickhäutern, fast auf Augenhöhe. Aber heute habe ich mal wieder erleben dürfen, wie besonders das Reiten doch ist. Diese tollen Wesen so unmittelbar zu spüren – das ist doch noch etwas anderes. Sozusagen das Sahnehäubchen. 🙂

Ein Elefant ist natürlich permanent hungrig, er verbringt schliesslich 18 Stunden pro Tag mit Fressen. Egal ob ein Gast auf ihm sitzt oder nicht. Der Bambus am Wegesrand ist aber auch verlockend, da konnte Mae Wan Mai natürlich nicht widerstehen.

Zum Glück habe ich irgendwann daran gedacht, ihrem Mahout Buthip mein Handy runter zu reichen, so dass ich euch auch Fotos von meinem tollen Erlebnis zeigen kann. Sieht Mae Wan Mai nicht aus, als würde sie permanent lächeln? Sie ist einfach ein toller Elefant!

Als ich ins Camp geritten kam, begrüßte mich Natalie – die dort mit ihren Gästen wartete – nur mit „Grinsekatze“. Und ja, ich hatte ein breites Grinsen auf meinem Gesicht – und das habe ich immer noch!

Beim Feierabendbier auf der Bank hab ich mich bei Bodo bedankt, dass ich reiten dürfte und gesagt, wie super ich es wieder fand. Er sagte daraufhin nur: „Ich bin entsetzt, dass du bisher kaum geritten bist. Das werden wir jetzt mal ändern, wenn es in nächster Zeit passt.“ Das wäre verdammt cool. Auch wenn ich es bisher nicht vermisst habe, weil alles andere auch toll ist – es wäre schon ein weiteres Highlight.

Mit einem noch breiteren Grinsen – bei diesen tollen Aussichten – verabschiede ich mich für heute. Ich werde garantiert gut schlafen. Gute Nacht!

PS. Auf den Fotos trage ich meine neue handgewebte Karentracht. Die erste, die ich mit Elefanten gesehen habe – musste ich natürlich direkt kaufen! 😉

 

Unser Bergdorf Mae Sapok

Ich lebe hier in einem kleinen Dorf namens Mae Sapok, welches am Rande des Doi Inthanon (höchster Berg Thailands) Nationalparks liegt. Mae Sapok besteht aus drei Ortsteilen, den Karendörfern Mae Sapok Nuea, Mae Sapok Dai und einer kleinen Ansiedlung von Häusern direkt an der Hauptstraße, wo auch unsere White House Lodge liegt. Direkt gegenüber auf der Straßenseite ist der Dorfladen von Bee und Nai. Hier gibt es alles, was man auf dem Dorf benötigt.

Direkt am Laden befindet sich auch unsere „Stammkneipe“, d.h. die Feierabendbank, auf der wir uns jeden Tag ein Feierabendbier mit dem Team genehmigen. Die Basis von Elephant Special Tours ist von der Straße aus gut zu erkennen durch die bemalte Mauer. Diese haben Schulkinder vor einigen Jahren mit Elefantenmotiven bemalt als Dankeschön für die finanzielle Unterstützung.

Unsere Straße ist recht belebt, denn es ist eine von zwei Zugangsstraßen zum Doi Inthanon. Entsprechend sind hier – insbesondere am Wochenende – viele Tagesausflügler unterwegs. Ansonsten halten am Laden viele Einheimische nach der Arbeit, kommen direkt vom Reisfeld (erkennt man an den Gummistiefeln) und versorgen sich mit dem Nötigsten. Eine Tankstelle ist ebenso an den Shop von Bee und Nai angeschlossen wie ein „Baumarkt“. Von unserer Bank, direkt an der Sraße, hat man das bunte Treiben gut im Blick.

Letztens fand vor dem Shop sogar eine Promotion statt, für TRUE, einen thailändischen Handyanbieter. Da hab ich mich direkt an zuhause erinnert gefühlt: Promotion im Mae Sapok – ich war begeistert!

 

Die beiden anderen Ortsteile sehen ein wenig anders aus, als die Häuser, die an der Straße entlang gebaut sind. Es handelt sich bei Mae Sapok Nuea und Mae Sapok Daie um klassische Karendörfer.

Die Karen sind die größte ethnische Minderheit, ein Bergvolk, welches hier in Thailand lebt. Viele Karen sind Flüchtlinge aus Burma, wo sie leider verfolgt werden. Unser Dorf Mae Sapok ist jedoch kein Flüchtlingsdorf. Viele unserer Mitarbeiter, z.B. all unsere Mahouts sind Karen. Einige andere Mitarbeiter (Hauspersonal, Fahrer, Köche) sind Thai. Leider gibt es immer wieder Diskrepanzen zwischen Thais und Karen, da die Karen oft untergebuttert werden – sie sind ja „nur ein Bergvolk“ :-(.

Unser kleines Dorf wäre beinahe der Drehort zu einem berühmten Film geworden, für Rambo IV. Sylvester Stallone, der in diesem Film nicht nur die Hauptrolle besetzte, sondern auch die Regie übernahm, war es ein Anliegen, die Verfolgung der Karen in Burma publik zu machen. Da man in Burma natürlich keine Drehgenehmigung bekommt, wurde der Drehort kurzerhand in ein thailändisches Bergdorf verlegt. Mae Sapok stand hierzu in der engeren Auswahl, es wurden bereits Probeaufnahmen gemacht. Tatsächlich ist es dann jedoch ein anderes Dorf geworden – was vielleicht auch gut so ist, denn ein Filmteam bringt auch eine Menge Aufruhr in ein solch beschauliches Örtchen. Das Gute an der Geschichte ist jedoch, dass die Probeaufnahmen genug Geld eingebracht haben für große Wassertanks – Mae Sapok verfügt also über den Luxus von fließend Wasser in den Haushalten; das hat bei weitem nicht jedes Karendorf.

Ansonsten sind die Karen überwiegend Selbstversorger. Sie halten ihr Vieh (Schweine, Hühner, tlw. Kühe) unter ihren Häusern, die auf Stelzen gebaut sind. Ihre Haupt-Einnahmequelle ist der Reisanbau. Oft haben ihre Getreidespeicher (kleine Gebäude neben dem Haus) bessere Dächer als das Wohnhaus. Wenn die Menschen nass werden in der Regenzeit, ist es nicht tragisch. Wenn jedoch die Reisernte womöglich verschimmelt wegen Feuchtigkeit, wäre es eine Katastrophe.

Wir besuchen mit all unseren Gästen unser Karendorf Mae Sapok Dai und berichten über die Lebensweise der „weißen Karen“. Es gibt verschiedene Arten der Karen. In unserem Dorf leben die weißen Karen, was bedeutet, dass die jungen, unverheirateten Mädchen weiße Trachtenkleider tragen. Grundsätzlich besteht die Karentracht aus wunderschönen bunten – meist handgewebten – Trachtenoberteilen, und für die Frauen auch zusätzlich aus langen Wickelröcken.

Viele der Frauen im Dorf weben per Hand, so auch die liebe Porn, die Frau unseres Fahrers Pon. Nach einem anstrengenden Tag im Reisfeld schnallt sie sich den Webstuhl um und fertigt wunderschöne Schals, Taschen und Trachten an. Sie begrüßt uns stets freudig, wenn wir mit unseren Gästen an ihrem Haus vorbei kommen, ebenso wie ihre Tochter, ihre Mutter (die süße Omi, die die Ketten verkauft), die Söhne und die Enkel. Porn ist die Tochter des Bürgermeisters, somit hat unser Fahrer Pon (übrigens ein Thai und das ist sehr selten, dass ein Thai eine Karen heiratet) eine gute Partie gemacht. Bei den Karen haben übrigens die Frauen das Sagen, anders als bei den Thais, wo die Männer die Familienoberhäupter sind.

Einer unserer Ober-Mahouts, Sinchai, lebt ebenfalls mit seiner Frau und dem kleinen Sohn in Mae Sapok Dei. A propos Kinder: dem Kindergarten von Mae Sapok widme ich gerne ein eigenes Kapitel – beim nächsten Mal! Auch diesen besuchen wir regelmäßig mit unseren Gästen, weil er von Elephant Special Tours unterstützt wird.

Die strahlenden Kinderaugen sind einfach unbezahlbar!

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Neues aus dem Elefantencamp

Wenn es nach mir ginge, könnte ich euch täglich einfach nur zig Fotos von badenen Elefanten zeigen, denn diese Faszination lässt für mich einfach nicht nach. Immer wieder zücke ich mein iphone an der Badestelle. Mittlerweile auch im Dienste der Firma, da ich Fotos für unsere Facebookseite benötige, die ich pflege. Es gehört also zu meinem Job.

Besonders die Geschwister Salia (10 Jahre) und Phu Chapo (14 Jahre) sind richtige Wasserratten – es sind übrigens die älteren Geschwister von unserem kleinen Racker Jack, und alles Kälber unserer Leitkuh Mae Gaeo. Ihre Freundin Mae Dou hat diesmal gemeinsam mit den beiden im Wasser getobt. Wenn der kleine Jack dabei ist, passt sie jedoch lieber auf ihn auf. Sie hat bisher leider kein eigenes Kalb, aber sie hätte gerne eines und betütelt Jack mehr als seine eigene Mutter. Sehr süß. Diesmal waren Jack und seine Mutter jedoch nicht mit uns an der Badestelle, so dass Mae Dou ausgelassen mit den Teenagern im Wasser getobt ist.

Sie tauchen unter, planschen auf der Wasseroberfläche, spritzen alles und jeden mit dem Rüssel nass – einfach herrlich. Dass Elefanten komplett unter Wasser tauchen ist übrigens ein großer Vertrauensbeweis, denn Untertauchen bedeutet Kontrollverlust und das machen Elefanten nur, wenn sie sich in ihrem Umfeld sehr wohl fühlen und den Menschen vertrauen. Mae Wan Mai (auf dem letzten Foto oben ganz rechts) betrachtet das Treiben der jungen Wilden, traut sich aber noch nicht so richtig mitzumischen. Sie (Ende 20) ist erst seit Mai 2015 bei Elephant Special Tours und war davor in einem Camp, in dem sie sehr hart arbeiten musste. Mae Wan Mai ist ein ganz toller Elefant, wunderschön und sie hat einen tollen Charakter. Auch wenn es mir eigentlich schwerfällt, hier einen Liebling zu benennen, so ist sie gaaaanz weit vorne! 😉

Unser großer Bulle Puh Sii schaut sich das ganze Treiben relaxt an und frisst lieber anstatt herumzutoben. Aus dem Alter ist er auch langsam raus mit seinen über 50 Jahren. Er taucht meist nur kurz unter, wenn das Kommando des Mahouts ertönt, um kurz darauf wieder aufzustehen, am Ufer nach Futter zu suchen und seelenruhig zu fressen. Während man die anderen manchmal kaum aus dem Wasser bekommt, weil sie es so genießen.

Es gibt eigentlich nur noch eine Sache, die bei den jungen Elefanten noch beliebter ist als die Badestelle: die Schlammgrube im Camp.

Sie ist tatsächlich nur sehr klein und eigentlich Jacks Stammplatz. Aber seine Geschwister Salia und Phu Chapo lieben das Schlammbad ebenfalls und somit quetschen sich manchmal auch drei bis vier Elefanten gleichzeitig in die kleine Schlammkuhle. Am liebsten natürlich, nachdem sie frisch gebadet sind! Aber immerhin sitzen keine Gäste drauf! 🙂

A propos: wie kommen die Gäste auf die Elefanten? Ja, so ein Elefant ist doch recht groß und es ist kein ganz leichtes Unterfangen, auf ihm Platz zu nehmen. Es gibt verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten, doch wir praktizieren mit unseren Gästen eigentlich meist nur eine: von vorne über den Kopf aufsteigen. Dazu neigt der Elefant seinen Kopf, man springt mit einem Bocksprung darauf und der Elefant hebt einen hoch. Nun muss man sich auf dem Elefanten noch drehen, denn man möchte schließlich nicht rückwärts reiten. Dies erfordert ein wenig Balance, jedoch helfe ich z.B. den Gästen von unten, indem ich ihr Bein festhalte, damit sie während des Drehens nicht herunterfallen. Bei den folgenden Fotos macht es die Praktikantin natürlich den Gästen erstmal vor! 😉

Man braucht übrigens keine Angst haben, dass es den Elefanten weh tut oder man zu schwer ist. Elefanten haben eine wahnsinnige Muskulatur im Nacken und können dort bis zu 500 kg transportieren – mehr als auf ihrem Rücken. Wir sind also ein Fliegengewicht für sie.

Eine weitere Art aufzusteigen ist über den Rüssel. Nicht unbedingt meine Lieblingsaufsteigetaktik, da muss schon mal einer nachhelfen von unten.

Die dritte Möglichkeit aufzusteigen ist seitlich über das Bein. Der Elefant hebt sein Vorderbein ein wenig als Trittstufe und dann zieht man sich seitlich hoch. Das klappt bei mir ganz gut – zumindest bei unserer Salia. Bei unserem Größten Phu Sii würde das schon anders aussehen. Der Vorteil an dieser Aufsteigetechnik: man sitzt direkt richtig herum und muss sich nicht erst auf dem Elefanten drehen!

Egal wie: wenn man einmal oben ist, dann ist es toll – die Mühe lohnt sich also!

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So, meine Lieben. Die Theorie sollte nun soweit klar sein… für die Praxis müsstet ihr hier her kommen, dann üben wir ein wenig. Ich helfe euch auch, versprochen! 🙂 Und wer lange genug bleibt, bekommt bei Elephant Special Tours einen Elefantenführerschein! Wenn das mal kein Anreiz ist…

Bis bald!

 

 

 

Sabaai dii pii mai

„Ein Frohes Neues Jahr“ wünsche ich euch allen. Dies ist einer der wenigen Thai-Sätze, die ich bisher beherrsche. Ebenso natürlich „Prost“ oder „Prost auf ein Frohes Neues Jahr“ und ganz wichtig: „Nein, danke, ich möchte nicht“ oder „nur ein kleines bißchen“ – diese Sätze habe ich mir für die abendlichen Schnapsrunden schnell eingeprägt. Es funktioniert noch nicht immer, aber immer öfters.

Wir haben ein paar schöne letzte Tage des alten Jahres mit unseren Gästen des Weihnachtsspecials verbracht. Lange und ausgiebige Ausritte rund um unser Tal. Ich selbst habe auch mal wieder auf einem Elefanten sitzen dürfen: einmal beim Holz schieben, was ich gemeinsam mit Roger den Gästen gezeigt habe und ein anderes mal beim Aufzeigen der verschiedenen Aufstiegsmöglichkeiten auf den Elefanten. Hierzu ein anderes mal mehr im Kapitel „Praktikantenalltag“, vorab nur bereits ein kleiner Vorgeschmack mit Fotos.

Foto 1: Baumstammschieben auf Mae Wan Mai mit Roger auf Phu Sii,   Foto 2: Kuscheln mit Salia

Während sich die Elefantentage für unsere Weihnachtsgäste dem Ende näherten, haben wir alle gemeinsam einen schönen Sylvesterabend auf unserer White Lodge verbracht. Es gab eine Art Thai-Raclette und Sticky Reis aus dem Bambus – sehr lecker.

Wie fast an allen allen vorherigen Abenden, wechselten wir jedoch schnell von den Essenstischen an das gemütlichere Lagerfeuer. Diesmal an der neuen Feuerstelle in unserem großen Garten der zur Lodge gehört. Die Musik einer Karenband sorgte für gute Stimmung und ließ die Zeit schnell vergehen.

Roger hatte im Vorfeld entschieden, Sylvester auf 21 Uhr vorzuziehen, weil er meinte, die Thais halten nicht bis 0 Uhr durch. Gefühlt ist es hier sowieso immer später als die tatsächliche Uhrzeit, da es um 18 Uhr dunkel wird und schnell stockfinster ist. Bis auf den atemberaubenden Sternenhimmel, den man hier in den Bergen leuchten sieht. Also wurde um 21 Uhr ein Feuerwerk gezündet und die „Lucky Balloons“ mit den Gästen steigen gelassen.

Beim wirklichen Sylvester um 0 Uhr waren dann tatsächlich nur noch eine handvoll Gäste sowie Noah, Marius und ich anwesend – die Gitarre wanderte mittlerweile umher, weil die Musiker Feierabend hatten. Eine gemütliche kleine Runde, mit der wir ins neue Jahr gestartet sind. Das deutsche Sylvester habe ich leider verschlafen, bzw. mein Wecker klingelte um kurz danach (deutsche Zeit 1 Uhr, zu meiner Zeit 7 Uhr). Denn während ihr alle noch eifrig am Feiern ward, begann für mich der neue Arbeitstag.

Für unsere Gäste war es der letzte Tag im Elefantencamp, gekrönt durch eine Abschiedsparty mit den Mahouts und unserem gesamten Personal und der Aushändigung der „Elefanten-Führerscheine“.

Foto 1: Rogers und meine Gruppe, Foto 2: Marius und Noahs Gruppe, Foto 3: BBQ, Foto 4: Betreuer /  Elefantentrainer

Danach hieß es für unsere Gäste dann Abschied nehmen von den Elefanten. Dies war teilweise sehr tränenreich und – wie die meisten von euch wissen, verdrücke ich mir auch sehr schnell mal ein paar Tränchen – ich musste mich zusammenreissen, dass ich nicht bei jedem mitweine. Es hat mir einen klitzekleinen Vorgeschmack darauf gegeben, was mich Ende April erwartet. ABER darüber werde ich jetzt noch nicht nachdenken – ich habe schließlich noch 4 Monate vor mir.

Bevor wir unsere Gäste am Samstagmorgen verabschiedet haben, gab es noch eine Segnung von unserem Zeremonienmeister Muag. (Bei den Gästen besser bekannt als Schnapsminister. Bei ihm ist es immer am schwersten dem Reisschnaps zu entkommen, gelingt mir nur selten!) Auf unserer Terrasse auf der White Lodge hat jeder Gast Armbänder (bestehend aus 9 einzelnen Fäden) mit einer feierlichen Ansprache – die wir leider nicht verstanden haben – umgebunden bekommen. Diese Armbänder bringen Glück und Segen für das neue Jahr. Wie ich später nachgelesen habe, heißen die Armbänder Sai Sin oder gesegnete „9-Tage-und-9-Nächte-Glücksarmbänder“. Auch ich bin von unserem Muag gesegnet worden und trage nun ein Armband. Man soll dieses so lange tragen, bis es von alleine abfällt.

Kurz darauf war es Zeit, sich von unseren Gästen zu verabschieden, die sich nun in alle Himmelsrichtungen verstreut haben. Ich bin mit dem ersten Minibus an Gästen mit nach Chiang Mai gefahren und habe das Wochenende gemeinsam mit Franzi – eine unserer Gäste aus Bayern – dort verbracht.

Chiang Mai war wie immer schön – aber auch wieder ein wenig trubelig, wenn man vom Land kommt. Ich mag es immer wieder in die quirlige Stadt zu kommen, aber ich freue mich nach dem Wochenende dann auch jedes mal aufs Neue auf unser ruhiges und beschauliches Bergdorf.

Gewohnt habe ich diesmal im „la mer“ Guesthouse, einer schönen Unterkunft, die ich von meinen Aufenthalten der letzten Jahre bereits kenne. Direkt gegenüber gibt es eines der besten Frühstücke in Chiang Mai bei „nice kitchen“. Das Essen war einer der Hauptgründe, warum es mich an diesem Wochenende in die Stadt zog. Ich konnte zwischenzeitlich keinen Reis mehr sehen und brauchte dringend mal was anderes.

Und nun dürft ihr mal raten, wo wir abends essen waren?!?! 🙂

Ja – im German Beer Garden. Ein unfassbar leckeres Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat… das hat mich ganz schön glücklich gemacht, kann ich euch sagen! Da konnte ich (fast) darüber hinwegsehen, dass das Hauptklientel aus dicken, weißen, älteren Herren mit Hosenträgern bestand – scheinbar dem Proto-Deutschen. Wie dem auch sei: das Essen war vorzüglich und ich habe es sehr genossen. So sehr, dass wir am nächsten Morgen zum Frühstück tatsächlich wiedergekommen sind… und das heißt bei mir schon etwas, wenn ich das Frühstück im „Nice kitchen“ ausschlage.

Und während wir uns noch darüber amüsiert haben, wieviele Menschen beim Frühstück bereits Sekt trinken, kam der Kellner an den Tisch und servierte mir einen solchen. Dieser sei bei meinem Frühstück inklusive. Ich war mir zwar fast sicher, dass er sich vertan hat – aber wieso lange protestieren… der Sekt hat geschmeckt, auch am Morgen! 🙂

Somit waren wir gut gestärkt für den Tag, denn wir wollten hoch zum Tempel auf den Doi Suthep. Mit einem Songthaew (Sammeltaxi) fuhren wir vom NorthGate die kurvige Straße ca. 30 min. hinauf zu der imposanten Tempelanlage, von der man einen wunderschönen Blick über ganz Chiang Mai genießen kann.

Wir haben alle Rituale der Buddhisten mitgemacht, u.a. drei Runden betend um den Chedi (goldene Kuppel siehe Foto) laufen und uns auf dem Tuch verewigt, welches später um den Chedi gewickelt wird. Und ich habe mein eigenes kleines Ritual durchgeführt, was ich in Tempel (oder auch Kirchen) vollziehe: zwei Kerzen angezündet, eine um die lieben Lebenden zu beschützen und eine für die friedliche Ruhe der lieben Verstorbenen.

Leider war es an diesem Sonntag ziemlich voll auf dem Doi Suthep, denn neben etlichen Touristen waren auch viele gläubige Buddhisten zu Neujahr im Tempel. Da die Anlage jedoch riesig ist, verlief es sich an einigen Ecken ein wenig. In einer kleinen Gebetshalle, in die wir vorsichtig hereinlugten, war es menschenleer, als uns ein Mönch zu sich heran winkte. Er legte uns ein Sai Sin-Armband an und sprach dabei seinen Segen. Wow – nun bin ich doppelt gesegnet – was kann da noch schief gehen in diesem Jahr? Eigentlich nichts!

Am Nachmittag zog es uns dann auf die „Sunday Market Walking Street“. Neben einem leckeren Smoothie haben wir verschiedene Snacks ausprobiert – das Frühstück war schließlich schon eine ganze Weile her.

Nach erfolgreichem Shoppen wurde es uns irgendwann zu voll auf dem Markt, das Geschiebe wurde zu vorgerückter Stunde einfach zu anstrengend. Beeindruckend fand ich jedoch wieder, dass nach einer Lautsprecher-Durchsage (von den Tempeln kommend) das gesamte Treiben um 18 Uhr für eine Minute still stand und sich kein Mensch rührte. Eine Art Schweigeminute (genauer habe ich es noch nicht verstanden) und das Menschengewusel erstarrte umgehend – um kurz darauf wieder erneut loszuwuseln. Ein ganz besonderer Moment des Innehaltens, wie ich finde!

Am Abend hieß es dann Abschied nehmen von Franzi – mit einem Cocktail! Ich wollte nicht zu spät ins Bett, da ich wusste, dass mein Wecker mich heute früh um 6 Uhr wecken wird. Natalie, die gestern aus dem Urlaub zurückgekommen ist, hat mich um 7 Uhr am Tapae Gate in Chiang Mai aufgegabelt, damit wir pünktlich zum Arbeitsbeginn in Mae Sapok ankommen.

Chiang Mai ist am frühen Morgen wunderbar ruhig. Überall begegnen einem die Mönche in ihren leuchtend-orangenen Gewändern, die ein Strahlen in das trübe Morgenlicht bringen. Sie sammeln ihre Almosen um diese frühe Uhrzeit auf den Straßen der Stadt.

Für die Gläubigen ist es eine große Ehre, den Mönchen Speisen spenden zu dürfen, da sie dadurch gutes Karma sammeln. Somit bedankt sich auch nicht der Mönch bei den Spendern, sondern der Spender bei den Mönchen mit einem Wai (gefaltete Hände), dafür dass ihm diese Ehre zuteil wird.

In Mae Sapok angekommen, begrüßten wir heute 12 neue Gäste (also 6 pro Gruppe) für 2-3 Tage. Da Natalie noch ein wenig jetlag-geplagt war, durfte ich den heutigen Einführungstag so gut wie komplett alleine gestalten, das war auch einmal schön. Kenne ich bisher nur von der Tongbai-Stiftungstour, aber diese ist komplett anders, weil die Elefanten dort nicht geritten werden. Es hat Spaß gemacht und die Gäste sind auch allesamt sehr nett. Bei den Kurzzeitgästen baut man natürlich nicht so eine Bindung auf, wie bei den Gästen, die uns nun 11 Tage und vor allem Weihnachten und Sylvester begleitet haben.

Es ist aber auch mal wieder schön, einen gemütlichen Abend „zuhause“ zu verbringen und zu schreiben. Dies ist in den letzten Tagen deshalb etwas zu kurz gekommen, weil ich gerne meine Abende mit den Weihnachtsgästen am Lagerfeuer oder beim Kartenspielen verbracht habe. Nun ist wieder mehr Zeit für andere Dinge – eben alles zu seiner Zeit!

 

 

 

 

Weihnachtstage in Mae Sapok

Die Zeit vergeht wieder wie im Fluge und ich komme kaum dazu, euch auf dem Laufenden zu halten. Unsere Gäste vom Weihnachtsspecial sind noch da (insgesamt 11 Tage) und es ist eine nette Truppe, so dass wir abends meist lange am Feuer sitzen oder Karten spielen.

An Heiligabend waren wir mittags am Fluss essen, eine schöne Lokalität, wo auch oft Einheimische anzutreffen sind. Unsere Gäste haben nach dem Mittagessen eine Bambus-Flossfahrt gemacht und wir haben derweil auf sie gewartet und Dame gespielt.

Nachmitttags habe ich dann Bee und Nai nebenan im Guesthouse bei den Vorbereitungen für die abendliche Party geholfen. Ich war für die  Tischdeko und die Verpackung der Gastgeschenke zuständig (mit der Farbe der Weihnachtsbaumbeleuchtung habe ich nichts zu tun! ;-)).

Am Abend gab es dann ein tolles Thai-Buffet mit verschiedenen Live-cooking-Stationen und Barbeque an der Feuerstelle, dazu leckere Bowle.

Das Guesthouse, was direkt auf der anderen Straßenseite gegenüber der White Lodge (meinem zuhause) liegt, wird geführt von Nai und Bee (Schwestern) und Nok (Bees Mann). Es sind die herzlichsten Menschen, die ihr euch vorstellen könnt, und sie sind hier innerhalb kürzester Zeit zu meiner Ersatzfamilie geworden. Alle drei sind unfassbar lieb und fürsorglich – einfach ganz wunderbare Menschen, die ich euch hiermit gerne einmal vorstellen möchte.

(Foto 1: Bee & Nok, Foto 2: Nai & ich, Foto 3: unsere Gäste und Team)

Wir hatten alle zusammen einen tollen Abend mit super Livemusik, guten Gesprächen und viel zu Lachen. Erst als ich später in der Nacht mit meiner Familie geskypt habe, sind ein paar Heimweh-Tränchen gekullert, aber tatsächlich hatte ich ein sehr schönes – und spezielles – Weihnachtsfest, das sicherlich unvergesslich bleibt. Und im Herzen war meine Familie sowieso bei mir – das sind sie immer!

Am nächsten Tag waren wir tagsüber im Elefantencamp (nachdem der Tag an Heiligabend elefantenfreier Ausruhtag war) und haben dort auch erstmalig abends gegessen und eine Party mit den Mahouts gefeiert. Ebenfalls ein toller Abend. Bei Kerzenschein umgeben von Elefanten – ein Traum!

Dank Rogers Autoradio hatten wir sogar Musik zum Tanzen – auch für die Mahouts etwas Besonderes, da es in diesem Camp keinen Strom gibt. Auch das war ein toller und besonderer Weihnachtsabend!

Am zweiten Weihnachtstag hatte ich wieder eine alleinige Tour in unserer Tong-Bai-Stiftung. Vier Gäste (zwei aus Australien und zwei aus London) wurden von mir mit den Elefanten vertraut gemacht und durften diese zur Badestelle führen und baden. Dieses mal war ich auch gar nicht nervös vorher, da es zuletzt so gut gelaufen ist. Die Gäste waren wieder happy – und ich war es auch.

Diesmal waren meine Gäste jedoch recht ängstlich beim „unter den Elefanten sitzen“und hätten am liebsten einen Sicherheitsabstand eingehalten. Dabei ist diese Nähe – wenn die Rüssel dich beschnuppern und abtasten – für mich persönlich einer der schönsten Momente des Tages (wie ich sicherlich schon mehrfach erwähnt habe!). Wobei das Elefanten-Baden für mich natürlich nach wie vor auch ein Highlight ist.

Die Krönung des Tages war jedoch ein feuchter Schmatzer von unserem kleinen Racker Jack! Oft ein echter Satansbratan, doch heute war er zuckersüß: ganz lieb und brav präsentierte er sich meinen Stiftungsgästen – dafür hätte ich ihn am liebsten zurück geknutscht!

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Mit diesem Elefantenknutscher verabschiede ich mich für heute – auch wenn ich noch viel mehr Schreibstoff und vor allem Fotos für euch hätte. Demnächst zeige ich euch dann einmal einige Aufgaben aus meinem Praktikantenalltag: z.B. diverse Aufsteige-Techniken auf den Elefanten vormachen, Gästen beim Auf- und Absteigen helfen, Holzschieben mit dem Chef präsentieren, usw.Dank der lieben Weihnachtsspecial-Gäste werde ich zur Zeit mit etlichen Fotos von mir selbst versorgt!

Ich wünsche euch jetzt bereits einen guten Rutsch in ein glückliches und gesundes Jahr 2016! Mein Jahr startet mit 6 Stunden Vorsprung… 😉

 

 

 

 

Frohe Weihnachten

Auch wenn es es sich hier nicht so anfühlt: heute ist Weihnachten. Hier ist es vormittags, ich sitze auf meiner Terrasse und während ich diesen Titel eintippe merke ich, wie surreal diese Situation ist. Weihnachten bei 30 Grad und Sonne – ein ganz neues Gefühl für mich.

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Wie ihr seht, sind die Reisfelder nicht mehr ganz so grün. Sie wurden zwischenzeitlich abgebrannt (eine sehr rauchige Angelegenheit) und nun gepflügt. Momentan ändert sich der Ausblick auf die Felder täglich.

Weihnachten. Unglaublich. Dank euch habe ich jedoch ein wenig Adventszeit erlebt. Vier Adventskalender – davon ein selbstgemachter von der Mama (danke!) schmücken mein Zimmer seit ich hier angekommen bin.

Und der kleinste Adventskranz der Welt (danke, Manon!) begleitete mich Sonntag für Sonntag. Pünktlich zum zweiten Advent hatte ich die gesamte Familie bei mir (dank kleiner Bilder in Mamas großartigem Adventskalender) und habe es zelebriert!

Und letzten Sonntag haben tatsächlich alle 4 Kerzchen geleuchtet. Weihnachten! Auch die Deko in der Shopping Mall in Chiang Mai ließ keinen Zweifel daran. Also habe ich flugs noch ein paar kleine Weihnachtsgeschenke für meine Kollegen-auf-Zeit und meine süße Thai-Ersatzfamilie Nai, Bee & Nok besorgt und gestern verpackt.

Um die Adventszeit ein wenig authentischer werden zu lassen, haben wir einen Reibekuchen-und Glühwein-Abend mit dem Team inszeniert. Und natürlich auch Nai, Bee & Nok probieren lassen. Besonders begeistert waren sie vom Apfelmus, sie wollten wissen, wie wir das gemacht haben. Nun ja… das hatte Roger aus Deutschland mitgebracht… im Tetra Pak. Aber die Reibekuchen waren selbstgemacht – wirklich!

Zugegeben, ein wenig Schwermut hat mich in den letzten Tagen schon erfasst. Nicht nur bei der Weihnachtsfeier meiner Cologne-Promotion-Familie letzten Samstag. Ihr habt mich so süß daran teilhaben lassen – vielen Dank. Auch ich war bei euch in meinen Gedanken – und habe mich an die alljährliche Mützenpflicht gehalten!!! Ihr seid einfach gegen kein Team aus der Welt auszutauschen – ich freu mich schon wieder auf euch!

Aber nicht nur die CP-Familie fehlt. Die andere Familie fehlt sehr. Die, in die ich geboren wurde (man, bin ich ein Glückspilz!!!) und die, die ich mir selbst ausgesucht habe: meine FREUNDE!!!

Ich wünsche euch allen – und auch allen anderen Lesern dieses Blogs (Freundesfreunde, Bekannte, Weggefährten…) – ein wunderschönes Weihnachtsfest im Kreise eurer Lieben – oder wie bei mir: im HERZEN eurer Lieben! Frohe Weihnachten!

 

Erster Alleingang

Da ich momentan nur mit dem Handy wlan Empfang habe, wird dieser Beitrag wahrscheinlich nicht allzu textreich werden. Aber zumindest wollte ich kurz vor Weihnachten noch einmal von mir hören lassen und außerdem sprechen die Bilder auch für sich. 

Letzten Samstag dürfte ich erstmals alleine Gäste betreuen, bei unserer Tagestour durch die Tongbai-Stiftung. Ich  hatte 4 Gäste, zwei Mädels aus den USA und zwei aus England. Ohje – alles Englisch-Muttersprachler, da hatte ich doch ein wenig Respekt vor meinem englischen Vortrag. Aber es hat alles prima funktioniert, mit den Elefanten und Mahouts lief auch alles super und es war ein toller Tag. Dadurch, dass Miriam (ehemalige Praktikantin, war gerade zu Besuch) zwischendurch vorbei kam, gibt es sogar einige Fotos (ich selbst kann natürlich keine machen wenn ich die Gäste betreue). 

Zunächst empfing ich die Gäste und gab ihnen Kleidung für den Tag, denn die Klamotten bei unseren Touren werden garantiert nass und schmutzig. Danach folgte einige Theorie von mir über die Elefanten im allgemeinen, den asiatischen insbesondere und über den Arbeitselefanten und seine Beziehung zum Menschen. Wenn mein Laptop wieder im WLAN funktioniert erläutere ich dies gerne näher. 

Keiner meiner Gäste hatte bis dato näheren Kontakt zu einem Elefanten – umso aufgeregter waren sie, als ich sie nun ganz nah zusammen brachte.    

 Nachdem ich unsere vier Elefanten für den heutigen Tag inkl. ihrer Mahouts vorgestellt habe (Mae Gaeo II, Salia, Mae Boontong und Mae Kaphat), setzen wir uns unter die Elefanten. Immer wieder ein fantastischer Moment – für die Gäste und für mich. 

Bei einem Mittagessen wurden die ersten Erlebnisse verarbeitet und kurz darauf ging es mit den Elefanten eine schöne Strecke entlang zu einer Badestelle. Bei der Tongbai-Tagestour werden die Elefanten nicht geritten, sondern von den Gästen geführt. Dann kommt das Highlight: Elefanten Baden. Auch hierbei waren die Gäste und ich gleichermaßen begeistert.

   
    
   
Nachdem alle Elefanten sauber und erfrischt waren, ging es zurück ins Stiftungscamp. Nun gab es noch Bananen zu verfüttern und letzte Abschiedsfotos mit den liebgewonnenen Dickhäutern.   

   
   
 Und natürlich hab ich mich auch ausgiebig bei meinen sanften Riesen bedankt, dass sie mich an dem Tag so toll unterstützt haben – ebenso wie die Mahouts und das Thaiteam. Ein aufregender Tag für mich – den ich mit einem glücklichen Lächeln beendete! 

Sonntagsspaziergang

Nachdem ich meinen ersten freien Sonntag in der Stadt verbracht hatte, habe ich mich vergangenen Sonntag dafür entschieden auf dem Land zu bleiben. Ich wollte die Gegend hier zu Fuß erkunden, nachdem ich nun bereits einige Wegestrecken (von der Lodge zum Camp, zur Stiftung, zum Wasserfall, zum Karendorf…) kannte.

Zunächst hatte ich mich aufs Ausschlafen gefreut, da der Wecker montags bis samstags um 7 Uhr klingelt – doch leider haben mich die Hunde bereits mit lautem Gebell und Getöse am Sonntagfrüh noch vor 7 Uhr geweckt. Mai pen rai (macht ja nichts!) – dann habe ich eben etwas vom Tag, schließlich möchte ich auch viel sehen. Als ich die  Flügeltüren zur Terrasse öffnete, konnte ich auch sehen, was kurz zuvor los war: Hunde-Kissenschlacht mit den Gartenpolstern. Wie gut, dass Seng (unser „Hausdrachen“ ;-)) heute frei hat und das nicht sieht! Als ich dann in die Küche gehe, um mir mein Frühstück zuzubereiten, schauen mich natürlich alle Doggies ganz unschuldig an, allen voran unser Franzl mit seinem Welpenblick – da kann man einfach nicht böse sein.

Ich lasse den Tag gemütlich angehen und sitze lange auf der Terrasse und genieße die Aussicht und die idyllische Ruhe. „Irgendwas ist immer“ eigentlich – doch heute ist es so ruhig und friedlich auf der White Lodge, dass ich froh bin, diesmal nicht in die Stadt gefahren zu sein.

Ich plane bergauf zu laufen, denn dort bin ich bereits oft entlang gefahren, vorbei an einem Tempel, den ich mir heute in Ruhe anschauen möchte. Es ist der Tempel „Mae Sapok“, eine kleine beschauliche Anlage. Bei weitem nicht so imposant und prachtvoll wie die Tempel in Chiang Mai – aber wir sind ja hier schließlich auf dem Land. Das Besondere an diesem Tempel ist, dass unsere Elefanten beim Bau der Gebetshalle  – die überwiegend aus Holz besteht – geholfen haben. Der Holzabbau ist in Thailand seit 1989 verboten, was auch der Grund ist, warum ca. 2.500 Arbeitselefanten von einem Tag auf den anderen arbeitslos geworden sind und nun in Touristencamps für ihr Einkommen sorgen müssen. Ein Elefant zu unterhalten ist ein teures Unterfangen, denn nicht nur die 200 kg Futter, die er täglich frisst, müssen bezahlt werden, sondern auch ein Mahout, der 24 Stunden für sein Tier sorgt. Daher müssen die Elefanten ihren Besitzern auch Geld einbringen. Leider ist das Geldverdienen oft an eine hohe Arbeitsbelastung des Elefanten gebunden. In einem klassischen Camp, in dem Touristen ca. 30 min. eine Runde in einem Korb reiten, von 8.00 bis 18.00 Uhr ist sehr anstrengend für den Elefanten. Bei uns „arbeiten“ die Elefanten morgens ca. 2 Stunden und nachmittags nochmal maximal 2 Stunden. Wobei „arbeiten“ bedeutet, dass wir sie zum baden bringen, mit ihnen Ausritte durch die Wälder oder durch den Fluss machen, und Holzschiebeübungen.

A propos: eigentlich war ich dort stehen geblieben: bei den Holzarbeiten. Viele unserer Elefanten haben früher jahrelang „im Holz“ gearbeitet, leider auch oft unter schwersten Bedingungen. Sie beherrschen allerdings die Kommandos des Holzschiebens („Or!) und Aufstaplens („Makut!“) noch einwandfrei. Bei den 3-Tages-Touren machen wir dies am letzten Tag mit unseren Gästen, da die Tradition aufrecht erhalten bleiben soll und die Elefanten auch gerne herausgefordert und beschäftigt werden möchten. Natürlich nur zwei kleine Baumstämme für jeweils zwei Elefanten, es soll ja eher spielerisch sein und ist nicht zu vergleichen mit den schweren Arbeiten, die damals von früh bis spät verrichtet wurden.

Jedenfalls war es eine große Ehre, als vor ein paar Jahren, die Anfrage an „Elephant Special Tours“ herangetragen wurde, ob unsere Elefanten beim Transport der Baumstämme helfen können. Die Regierung hat eine Sondergenehmigung zum Holzabbau erteilt und unsere Elefanten waren maßgeblich am Bau des Tempels beteiligt.

Ich spaziere durch die Tempelanlage und sehe einen Mönch bei der Gartenarbeit, der mich freundlich begrüßt. Ein weiterer -recht alter- Mönch winkt mich freudig zu sich und fragt mich, wo ich herkomme und was ich hier mache. Ich bin überrascht, denn normalerweise sollten Frauen Mönchen „aus dem Weg gehen“ um sie nicht in Verlegenheit zu bringen. Dieser ältere Herr freut sich scheinbar sehr über meinen Besuch und möchte ein wenig Plaudern. Ich erfahre, dass in dieser Anlage nur drei Mönche leben und nach kurzer Zeit habe ich alle drei gesehen. Mae Sapok ist kein touristischer Ort und der Tempel ist für die Dorfbewohner errichtet. Somit bin ich als Farang hier wahrscheinlich ein seltener Anblick. Als ich erkläre wo ich wohne und was ich hier mache lächelt er nur „ah Bodooo“ – meinen Chef, den Elefantenmann, kennt hier wirklich jeder!

Der nette Mönch erlaubt mir noch einige Fotos zu machen „take your time“- ich traue mich nur nicht ihn selbst zu fotografieren, obwohl er wahrscheinlich kein Problem damit gehabt hätte. Vielleicht traue ich mich bei meinem nächsten Besuch zu fragen, falls er wieder in Plauderstimmung ist, denn er ist wirklich ein niedlicher älterer Herr in dieser hübschen orange-braunen Mönchskutte – den würde ich euch eigentlich gerne mal zeigen.

Als nächstes führt mich mein Spaziergang zu einem weiteren Tempel und Meditationszentrum, dem „Wat Tan Doi Tone“. Am Eingang lese ich, dass Besuchern nur sonntags der Zutritt erlaubt ist – was für ein Glück! Eingebettet in eine wunderschöne Parklandschaft, gibt es auch hier eine Gebetshalle und auch einige Schlafunterkünfte. Heute habe ich erfahren, dass dieser Tempel einer der bedeutendsten in ganz Thailand ist (und das in unserem Dorf – stolz!) und das Meditationszentrum sehr bekannt ist. Hier lebt auch ein Mönch aus den USA, den habe ich neulich im Shop kurz kennengelernt, als er sich mit unserem Maler (zu ihm später mehr) unterhalten hat.

Ich spaziere durch die hübsch angelegte Parkanlage und stelle fest, dass auch Mönche ihre Wäsche sonntags waschen (hatte ich am Morgen auch bereits erledigt). Kurz darauf spricht mich erneut ein Mönch an, fragt wo ich herkomme, ob ich mit einer Gruppe hier bin und was ich mache. Und er fragt mich, ob ich die Höhle bereits gesehen habe. Hatte ich nicht, und bis dato wusste ich auch noch gar nichts von einer Höhle. Also weist er mir den Weg, der mich entlang eines gigantischen Bambuswaldes führt.

Ich laufe auf eine massive Felswand zu, und erst als ich kurz davor bin, stelle ich fest, dass es sich um eine riesige Schlucht inmitten der Felsen handelt, die von außen nicht einsehbar ist. Ich bin überwältigt von dem wunderschönen Anblick der Buddhastatuen inmitten der gigantischen Felsen. Eine freie  Fläche dient der Meditation und auch ich halte einige Zeit inne und bete für meine Lieben – und auch für die, die uns leider schon verlassen mussten (ich denk oft an dich, Opa!)

Auf dem Rückweg durch die Anlage lächle ich glückselig vor mich hin und werde abermals von einem Mönch angesprochen. Nach den obgliatorischen Fragen wer ich bin und wo ich herkomme empfiehlt er mir, den Wasserfall zu besuchen und erklärt mir den Weg. Prima, da wollte ich sowieso hin. Ich bedanke mich und bin begeistert, wie gesprächig die Mönche hier auf dem Dorf sind.

Also laufe ich noch gefühlte 2-3 km weiter durch den Wald, bis ich zuerst das Plätschern höre und dann das Schild entdecke: der Mae Wang Wasserfall. Es ist natürlich nicht derselbe Wasserfall, den wir immer mit unseren Gästen besuchen, da bin ich schließlich recht oft. Auch diesen Ort mag ich sofort. Das satte Grün vor dem strahlend blauen Himmel, das klare Wasser, was kraftvoll herunterplätschert und in einen kleinen Fluss mündet – herrlich. Nachdem ich mich ein wenig erfrischt habe, verweile ich auf einem großen Stein, der ideal zum Sonnenbaden geeignet ist. So kann man ihn genießen – den freien Tag. Zunächst ist noch ein Mann mit seinem kleinen Sohn dort, der vergnügt auf den Steinen herumspringt, später bin ich alleine und döse ein wenig in der Sonne.

Nachdem ich noch eine Weile am Fluss entlang gelaufen bin, mache ich mich auf den Heimweg. Ein kurzes Mittagessen bei der Orn (Suppenküche mit 2-3 wechselnden Thaigerichten), die Bodo als seine Schwester bezeichnet, weil sie ihn seit seiner Anfangszeit begleitet. Sie weiß direkt wer ich bin – im Dorf spricht sich das schnell rum! Das Essen war köstlich und hat 40 Baht gekostet (weniger als 1,- EUR), hier bekommt man noch was für sein Geld.

Am Nachmittag erreiche ich die Lodge und stelle fest, dass mein kleiner Spaziergang gut 10 km umfasst hat. Die Umgebung hier ist wunderschön und so ruhig und idyllisch – traumhaft. Nun stehe ich vor der schweren Entscheidung, ob ich den kommenden Sonntag hier oder in der Stadt verbringen möchte – beides hat seinen Reiz. Ich habe ja noch ein paar Tage um es mir zu überlegen…

Heute habe ich erstmalig unsere eintägige Tour vom Tong Bai Stiftungscamp begleitet, die Roger durchgeführt hat. Ich musste gut aufpassen und einiges mitschreiben, denn am Samstag werde ich diese Tour direkt alleine mit Gästen durchführen. Das bedeutet: Erklärungen was es mit der Stiftung auf sich hat, Aufklärung über den asiatischen Elefanten (im Vergleich zum afrikanischen) und über den Arbeitselefanten im Besonderen, die besondere Beziehung zwischen Mahout und Elefant, die Erläuterung des Elefantenhakens… u.v.m. Auf Englisch übrigens, aber: Mai pen rai… Und – eigentlich das wichtigste – natürlich die Vorstellung unserer Elefanten, das Kreis-Sitzen, und dann eine ausgiebige Tour (ohne reiten) zu einer Badestelle wo die Dickhäuter ausgiebig gebadet werden.  Da fällt mir auf: mein Eintrag neigt sich dem Ende und ich habe tatsächlich kein einziges Foto eines badenden Elefanten dabei. Wie konnte das passieren? Bzw. noch schlimmer: gar kein Elefantenfoto. Aber auch das entspricht der Realität: arbeitsfreier Tag heißt auch elefantenfreier Tag – schade eigentlich! Trotzdem war es ein toller Tag!

Bald gibt es wieder Elefanten und Bade-Fotos – versprochen. Und vielleicht übe ich an euch auch vor Samstag noch die Inhalte meiner Tour – denn zu all diesen Themen könnte – und möchte!- ich euch auch noch eine ganze Menge schreiben.

Doch jetzt ist mal wieder Schlafenszeit bei mir. Ich verabschiede mich mit dem nächtlichen Zirpen, dem Tapsen des kleinen Geckos an der Decke und dem süßlichen Geruch einer Baumfrucht, die nur nachts ihren Duft verströmt. Gute Nacht!

 

 

 

Die Zeit rast

Und schon ist wieder Sonntagabend und die Woche ist wie im Flug vergangen. Ich hatte mir fest vorgenommen, regelmäßiger zu schreiben, da ich nicht nur viel Schreibstoff, sondern auch ganz besonders viele schöne Bilder habe, die ich mit euch teilen möchte. Aber tatsächlich ist hier immer etwas los, was mich vom Schreiben abhält. Jetzt ist es bereits wieder nach 22 Uhr und ich bin totmüde, aber bevor wieder eine Arbeitswoche ins Land zieht, muss ich doch noch das ein oder andere Erlebnis loswerden.

Um dort anzuknüpfen, wo ich zuletzt aufgehört habe: ja, hier werden Spinnen gegessen, genau genommen Tarantulas, oder wie wir sie bezeichnen: Vogelspinnen. Ich musste mir leider Fotos und Videos davon anschauen, wie Noah und Marius diese gegessen haben – und ich bin so froh, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht zuhause war. Ich wusste bereits, dass die Spinnen in Löchern leben und dass sich auch eines davon in unmittelbarer Nähe zu unserem Essensplatz befindet. Aber nun weiß ich auch, dass wir noch mehr dieser Nester im Garten haben – vielen Dank für diese Information, Jungs. Wahrscheinlich sollte ich ihnen wirklich dankbar sein, dass die Bestände nun reduziert sind. Ich hatte nur anfangs einen Rachefeldzug der Spinnen befürchtet – oh my Buddha!

Tatsächlich aber habe ich die letzten Tage alleine auf der Lodge ganz gut überstanden- glücklicherweise ohne die persönliche Bekanntschaft mit den ungeliebten zuviel-beinigen Mitbewohnern zu machen. Am Morgen nach meinem letzten Eintrag bin ich sehr früh aufgestanden, um die Trekking-Gruppe mit zu verabschieden. Es hat sich gelohnt, denn es war ein einmaliges Erlebnis. Es gab eine kleine Zeremonie, angeleitet durch Muag, unseren Zeremonienmeister. Nach einem bestimmten Ritual wurden verschiedene Dinge den Geistern geopfert: u.a. zwei Hühner: ein männliches und ein weibliches, das weibliche musste noch ein ungelegtes Ei in sich tragen, was zuerst verzehrt wurde. Die -extrem scharfe- Hühnersuppe wurde vor dem Tag der Abreise bereits gekocht und nach der Zeremonie verspeist. Und natürlich wurde auch Reisschnaps geopfert – und getrunken (um 6 Uhr morgens, noch vor der Hühnersuppe).

Es war wirklich ein besonderes Erlebnis, an dieser Zeremonie teilzunehmen. Muag, der Zeremonienmeister, ist seit Bodos Anfangszeit einer seiner engsten Vertrauten und Berater. Ein sehr lieber älterer Herr, der sich gefreut hat, dass ich die Hühnersuppe probiert habe, im Gegensatz zu vielen anderen Farangs (=Weißen). Die Schärfe und die Teile des kompletten (!!!) Huhns sind für uns Europäer tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig. Nun ja – danach war ich jedenfalls endgültig wach!

Auch der nächste Morgen war kein normaler Start in den Tag, denn Natalie kam aufgelöst zur Arbeit und berichtete, dass sich ein Hund schwer verletzt in ihre Einfahrt geschleppt hat. Er hat um Hilfe gewinselt und wir haben überlegt, was wir tun können. Da wir noch Zeit hatten, bis unsere neuen Gäste eintrafen, sind wir zusammen zu ihrem Haus zurück gefahren, wo der hübsche Kleine auf uns gewartet hat. Er winselte herzzerbrechend und kam uns auf seinen Vorderbeinen entgegen gehumpelt, die Hinterbeine zog er nach – wir mussten dringend etwas unternehmen. Also haben wir Pon, einen unserer Fahrer, mit Geld versorgt und ihm geholfen, den ängstlichen Hund ins Auto zu tragen, damit er ihn in die Tierklinik nach Chiang Mai bringt. Parallel haben wir versucht „Care for dogs“ zu erreichen, die sich hier vor Ort für hilfebedürftige Hunde einsetzen. Das Ende der Geschichte ist leider, dass dem Hübschen nicht mehr geholfen werden konnte und dass „Care for dogs“ entschieden hat, ihn von seinen Qualen zu erlösen. Neu war für mich, dass die Tierklinik sich hier generell weigert, Tiere einzuschläfern, weil das gegen ihren buddhistischen Glauben ist. Somit war es wichtig, dass „Care for dogs“ die Initiative ergriffen hat, denn wir haben den Arztbericht gelesen: Hüft- und Wirbelsäulenbruch – der Arme hatte Höllenqualen. Natalie und ich haben ihn im Nachhinein Foxy genannt, denn er war ein hübscher Fuchs. Somit muss er sich nicht namenlos in den Hundehimmel verabschieden. Und ein Bildchen von ihm muss auch in meinen Blog, damit er noch ein kleines Andenken bekommt. Machs gut, Foxy!

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Nach dem Schock am frühen Morgen begrüßten wir – mit ein wenig erzwungener guter Laune – unsere neuen 5 Gäste und fuhren mit ihnen ins Elefantencamp. Hier gab es nach der kurzen thereotischen Einführung das klassische Kennlernritual mit den Elefanten. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es bereits erwähnt hatte. Jedenfalls setzen wir uns mit unseren Gästen auf den Boden und alle Elefanten kommen um uns herum und sind dann sozusagen über uns. Für die Gäste – und auch für mich – ein wunderschöner Moment, der so viel Vertrauen erzeugt.

Die nächsten beiden Tage waren wie immer: Elefanten baden, Spaziergänge durch den Wald, Besuch des Karen-Dorfs und des Wasserfalls, Schlagen von Elefantengras – mein ganz normaler Arbeitsalltag (ich kann es immer noch nicht so richtig fassen!) Ich glaube, ich hab euch schon lange keine badenden Elefanten gezeigt, oder? 😉

Und was natürlich auch zu meinem harten Arbeitsalltag gehört, ist der Feierabend-Reisschnaps mit der Company (dem ich jedoch immer häufiger geschickt entkomme). Dafür bin ich – entgegen meinem sonstigen Naturell – recht ausprobierfreudig bei den Speisen, die sie dazu servieren. Es steht immer etwas anderes auf dem Tisch und das probiere ich fast immer aus… zur Ablenkung, wenn ich das Schnapsglas weiterreiche.

Zur Company-Family gehören natürlich auch die 5 Hunde. Sie haben sich hier auf dem eigenen „Walk of Fame“ verewigt. Die Stelle neben unserem Essensplatz ist letzte Woche neu ausgegossen worden – und natürlich sind alle Hunde mal durchmarschiert und haben ihre Pfotenspuren hinterlassen. Die White Lodge hat nun also einen „Walk of dogs“ – wer hat das schon?!

Am Freitagnachmittag hatte ich Glück, dass wir nur noch einen einzelnen Gast hatten und ich somit selbst auf einem Elefanten mitreiten dürfte. Ich bin Mae Gaeo geritten, die Mutter von unserem kleinen Jack. Sie ist die Leitkuh unserer Herde und gleichzeitig auch die Mutter von Salia und Phu Chapo – es ist also eine komplette Elefatenfamilie hier zusammen, was ich sehr schön finde.

Auch wenn es nicht das erste Mal war, dass ich auf einem Elefanten reiten durfte, so war es doch wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Die Welt sieht von dort oben einfach noch ein bisschen schöner aus! Und man fühlt sich mit dem sanften Riesen besonders verbunden – es war einfach nur toll. Ich hoffe, dass sich diese Gelegenheit noch öfters ergibt.

Freitagabend haben wir die Jungs und deren Gäste beim Trek besucht. Sie hatten ihr Nachtlager ca. eine halbe Autostunde von uns entfernt aufgebaut (sie wandern während des Treks einmal um das ganze Tal herum). Es war ein feucht-fröhlicher Abend mit Lagerfeuer, Gitarre, Glühwein (jaaa – Glühwein!) und viel Gesang (ich habe mit Irene aus Düsseldorf „Superjeile Zick“ gesungen. 🙂 Neben einem leckeren Barbecue gab es auch ein paar gegrillte Maden… muss man natürlich mal probiert haben – reicht dann aber auch!!!

Für heute verabschiede ich mich mit ein paar „Kuschel“-Bildern von unserem größten Elefanten: Phu Sii. Er ist nicht nur der größte Bulle in unserem Camp, sondern auch der größte im gesamten Tal – eine imposante Erscheinung, aber ganz lieb. Einer unserer ruhigsten und sensibelsten, also kein typischer Bulle. Aber ein Wunderschöner!

Demnächst erzähle ich euch von meinem freien Tag (also heute!) denn ich habe noch so vieles zu berichten. Doch die Uhrzeit neigt sich bei mir gegen Mitternacht und mein Wecker klingelt um 7 Uhr… und die Hunde bellen ab 6 Uhr. Also muss ich langsam ins Bett.

Außerdem muss mir noch etwas Spannendes für euch aufheben. Das ist doch bei den Serien auch nicht anders: die enden immer so, dass man sich auf die Fortsetzung freut. 🙂

In diesem Sinne: bis bald!