Irgendwas ist immer

Meinen Titel habe ich heute ganz bewusst ausgewählt. Es ist ein Zitat von Bodo Förster, meinem Chef und einem sehr faszinierenden Menschen. Ich habe ihn gestern kennengelernt und heute viel Zeit mit ihm verbracht, doch dazu komme ich später.

Um ein wenig chronologisch vorzugehen, möchte ich zunächst von den letzten Tagen berichten. Ich habe mich seit fast einer Woche nicht gemeldet, denn wie Bodo oft treffend formuliert „Irgendwas ist immer“, was mich vom Schreiben abgehalten hat. Doch heute packe ich die Gelegenheit beim Schopfe, denn wenn sich zu viel Schreibstoff ansammelt (wie es eigentlich jetzt schon der Fall ist), weiß man gar nicht so recht, wo man beginnen soll.

Meine Tage starte ich nun tatsächlich eine Viertelstunde früher mit einem gemütlichen Kaffee auf der Terrasse. So sehr mir mein morgendlicher Schlaf am Herzen liegt, so sehr lohnt sich trotz allem das frühere Aufstehen. Halbwach tapse ich in die Küche, schwanzwendelnd begrüßt von unseren Hunden und bereite mir einen Nescafé zu (ja, man gewöhnt sich an alles, seufz). Kurz darauf mache ich es mir eingemummelt in meinen Fleecepullover auf der Terrasse gemütlich und warte darauf, dass der Tag und mein müder Geist erwacht. Mit den Nebelschwaden weicht auch meine Müdigkeit und wenn die wärmende Sonne langsam die Berggipfel erklommen hat und unser Tal erstrahlen lässt – dann bin ich auch ich startklar für den neuen Tag.

Neben unserer Terrasse steht übrigens ein kleines Geisterhaus, welches die Tradition der Thais und Karen sehr gut widerspiegelt. Jeder, der hier ein Haus baut, platziert in unmittelbarer Nähe auch ein Geisterhaus. Dieses beschützt die Bewohner vor den Geistern, vor denen alle großen Respekt haben. Hier werden regelmäßig Lebensmittel hergebracht um die Geister zu besänftigen. In der Stadt wird den Geistern oft rote Fanta geopfert, warum genau diese Sorte werde ich sicher noch herausfinden. Viele Thais oder Karen haben zusätzlich auf der Wegstrecke zur Arbeit ein Geisterhaus. Hier hupen sie jedes mal, wenn sie vorbeifahren, damit die Geister sie auf der Fahrt beschützen.

Mein Arbeitsalltag hat sich hier langsam eingependelt und ich könnte immer noch stundenlang den Elefanten beim Baden zusehen. Es ist einfach herrlich mitanzusehen, wie vergnügt die Dickhäuter planschen und toben. Auch auf die Gefahr hin, dass euch die wiederkehrenden Fotos irgendwann langweilig werden, ich zeige euch ganz bestimmt immer wieder badende Elefanten – da müsst ihr durch! 🙂 Voilà!

Auch der Wasserfall hat seine Magie für mich noch nicht verloren und obwohl das Wetter deutlich schlechter war als beim letzten Besuch, kam kurz die Sonne heraus und hat uns erneut einen Regenbogen beschert.

Es gab aber auch ein neues Ereignis, was ich mit unseren zweiten Gästen in der letzten Woche erstmalig erlebt habe: das Schlagen von Elefantengras. Direkt auf dem Gelände hinter der Lodge, neben den Reisfeldern, haben wir eine Fläche gepachtet, auf der wir Futter für unsere Elefanten anbauen. Letzte Woche sind wir – gemeinsam mit der anderen Gästegruppe von Marius und Noah – zum Elefantengras-Schlagen gefahren. Wir vom Team fahren meist hinten stehend auf den Autos mit, während unsere Gäste natürlich im Auto sitzen. Bisher habe ich mich während der Fahrt noch nicht getraut ein Foto zu machen, da man sich gut festhalten muss, diesmal hat es aber kurz vorm Anhalten funktioniert.

Marius hat unseren Gästen gezeigt, wie man die Machete richtig ansetzt, um das Gras zu schlagen ohne sich zu verletzen. Kurz darauf waren unsere Fahrzeuge vollbepackt und die Fahrt ins Camp war hinten drauf umso abenteuerlicher. Der freudige Empfang, den uns die Elefanten danach bereitet haben, hat mich für die Strapazen der kurzen Fahrt entschädigt – wobei mir schon klar war, dass der weniger uns Menschen, sondern eher dem frischen grünen Futter galt.

Am Samstagnachmittag haben Natalie und ich die letzten Gäste unserer 3-Tagestour verabschiedet. Ich hatte vorher entschieden mit den Gästen gemeinsam nach Chiang Mai zu fahren und mich ins Stadtleben zu stürzen. Mal raus aus den schmutzigen Klamotten und rein ins Getümmel!

Unvorstellbar, wie schnell man sich an das Leben auf dem Land gewöhnt – mir erschien Chiang Mai wie eine Großstadt. Verglichen zu meinen bisherigen Thailandtrips, wo ich Chiang Mai immer als die kleine beschauliche Stadt erlebt habe, wenn man aus dem lauten und trubeligen Bangkok kommt. Bangkok – mit all seinen Facetten – mag ich sehr, aber Chiang Mai liebe ich besonders, immer schon. Hier kann man ohne Plan einfach stundenlang umher spazieren und trifft auf beeindruckende Tempelanlagen, einen wunderschönen Terrakottagarten oder einen belebten Markt mit duftenden Essensständen.

Bisher kannte ich jedoch nur die kleineren Märkte in Chiang Mai und war fast geschockt von dem riesigen Sonntagsmarkt – der Sunday Market Walking Street, die sich vom Thapae Gate quer durch die Altstadt erstreckt. Die Marktstände befinden sich vor den atemberaubenden Kulissen der imposanten Tempel, teilweise auch innerhalb der Gärten und Anlagen. Hier trifft man auch die Mönche beim Shoppen. Neben dem einzigen Teil, was ich tatsächlich „brauchte“ nämlich einer Kopfbedeckung, habe ich noch zahlreiche andere wunderschöne Dinge erstanden. Irgendwann wurde es mir jedoch tatsächlich zu voll. So ein Gedränge und Geschiebe, wie ihr wahrscheinlich gerade auf den Kölner Weihnachtsmärkten am Wochenende erleben könnt, war mir – als neues Dorfkind 🙂 – einfach zuviel.

Ansonsten habe ich mein Wochenende in Chiang Mai ruhig angehen lassen und mir ein fantastisches Frühstück gegönnt. Ich wohnte im Thapae Gate Lodge Guesthouse, welches Olaf gehört. Er ist ein guter Bekannter von der Company hier, ebenfalls Deutscher, und hier quartieren sich alle ein, wenn´s sie in die Stadt zieht (außer Natalie, die mit ihrem Freund ein Haus in der Stadt bewohnt).

Kulinarisch war das Wochenende in Chiang Mai großartig: leckeres Frühstück mit richtig gutem Kaffee (den man dann umso mehr zu schätzen weiß), Massamam Curry mit braunem Reis und zur Krönung einen Roti – einen besonders zubereiteten Pancake/Crepe mit Banane und Schoko – ein Traum!

Beinahe hätte ich nun vergessen, einen der heiligsten Feiertage der Thais zu erwähnen: am Samstag, den 05.12. haben wir hier den Königs-Geburtstag gefeiert. Ich persönlich habe an dem Tag zwar eher den Geburtstag einer ganz besonders lieben Freundin gefeiert (Happy birthday again, Natascha) UND meinen Papa (denn Kings Birthday ist hier auch gleichzeitig Vatertag), aber wenn ich das hier laut äußere, komme ich womöglich ins Gefängnis. Tatsächlich war an dem Tag natürlich ein Riesenspektakel auf den Straßen und rund um das Thapae Gate in Chiang Mai eine große Bühnenshow, Fotostände, Promotions, Feuerwerk, usw.

Nach einem schönen und aufregenden Wochenende in Chiang Mai hat Natalie mich Montagmorgen um  7 Uhr im Guesthouse abgeholt und wir sind gemeinsam zur Arbeit gefahren. Dort haben wir dann gestern unsere neuen Gäste begrüßt, die bis morgen bleiben werden.

Gestern habe ich dann auch Bodo Förster, den Gründer von Elephant Special Tours – und somit mein Chef – kennengelernt. Es war nur eine kurze Begegnung gestern, da wir viel mit unseren Gästen beschäftigt waren. Heute morgen hat Bodo dann spontan entschieden, dass ich den Tag mit ihm verbringen sollte, weil wir bisher noch nicht zusammen gearbeitet haben und damit wir uns kennenlernen.

Somit hatte ich heute erstmals keinen „klassischen Tag mit Gästen“, sondern habe ein Filmteam betreut, welches Bodo heute hier auf der Lodge und im Camp interviewt hat. Für ihn scheinbar nichts Besonderes mehr, denn er arbeitet sehr viel mit der Presse und den Medien zusammen – er sucht die Aufmerksamkeit für sein „Viehzeug“ wie er seine geliebten Elefanten liebevoll nennt. Ein Träumer und Visionär, der in den letzten 15 Jahren hier viel bewegt hat – und noch sehr viel mehr bewegen möchte!

Für mich war es spannend, heute so viel über ihn und seine Arbeit zu erfahren. Nicht nur über sein Untenehmen und seine Visionen, sondern auch über den Menschen Bodo, der vor knapp zwei Wochen seinen Vater verloren hat. Um es kurz zu fassen, würde ich Bodo ebenso beschreiben, wie seine Seelenverwandten: er ist ein sanfter Riese, oder auch sein sanfter Dickhäuter (und Dickschädel, wie er selbst von sich sagt).

Mehr dazu berichte ich sicherlich in den nächsten Tagen, doch nun muss ich ins Bett. Morgen früh geht es bereits um 6 Uhr ins Camp, dann verabschieden wir uns von Marius und Noah und den 7 Gästen und Elefanten, die auf den großen Trek gehen (7 Tage, 6 Nächte übernachten in der Wildnis). Ab morgen wohne ich dann erstmal für ein paar Tage alleine auf der White Lodge. Über Spinnen muss ich mir aber vorerst keine Sorgen machen, die haben die Jungs alle gegessen (kein Witz!!! gebratene Vogelspinnen…. die spinnen doch!!!) aber auch dazu später mehr. Ich muss jetzt schnell diese Bilder aus meinem Kopf bekommen, damit ich gut schlafen kann.

Gute Nacht ihr Lieben!

PS. Ich freue mich riesig über jeden einzelnen eurer Kommentare und die Anteilnahme an meinem großen Abenteuer – danke dafür!!!

 

 

Ein ganz normaler Arbeitstag

Das Erste, was ich morgens mache, wenn ich aus meinem Zimmer trete, ist das Öffnen der großen Flügeltüre auf unsere tolle Terrasse. Ich liebe den morgendlichen Ausblick auf das Tal, auf dem sich dann noch sanfte Nebelwolken über das – sonst so satte – Grün gelegt haben. Die ersten Sonnenstrahlen erklimmen den Berg und lassen den Tag erwachen.

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Für einige Momente genieße ich die Ruhe vor dem Sturm, denn schon bald beginnt der Trubel in der White Lodge. Seit meiner Ankunft nehme ich mir vor, morgens früh den ersten Kaffee an diesem wunderschönen Platz zu genießen – ich habe es bisher nicht geschafft. Gestern waren Bphu und Morn (unser Hauspersonal) schon früher da, heute war es Natalie. Und sobald jemand hier ist, setzt man sich dann an den kleinen Tisch, direkt an der Küche – denn dies ist der Dreh- und Angelpunkt des Hauses. Die Küche ist hier außerhalb des Hauptgebäudes, was hierzulande sehr oft der Fall ist. Generell haben in Thailand viele Haushalte gar keine Küche, da die Thais ihre Mahlzeiten überwiegend auswärts einnehmen. Bei den Karen ist es jedoch anders, sie haben fast alle Küchen oder kochen draußen.

 

Morgen stehe ich vielleicht einmal eine halbe Stunde früher auf, um meinen Kaffee auf der schönen Terrasse zu genießen – irgendwann muss es schließlich einmal klappen.

Um 8 Uhr geht einer von uns rüber zu den Gästen ins Resort (gegenüberliegende Straßenseite) und schaut nach, ob alles in Ordnung ist, wenn die Gäste frühstücken. Um 9 Uhr kommen die Gäste dann rüber zur White Lodge, um gemeinsam mit uns ins Elefantencamp zu fahren. Unsere kleine Gruppe (heute waren es nur noch 3 Gäste, von dem jüngeren Pärchen haben wir uns gestern verabschiedet, da sie nur den 2-Tages-Trip gebucht hatten) hat heute zunächst einen Zwischenstopp am Mae Sapok Wasserfall gemacht. Ein wunderschöner – irgendwie magischer – Ort.

Von unten konnten wir einen wunderschönen Regenbogen sehen, aber auch oben – hinter dem Wasserfall – war es ein fantastisches Erlebnis. Ich war genauso begeistert wie unsere Gäste. Mal schauen wie lange die Magie für mich anhält, denn wahrscheinlich bin ich nun alle paar Tage mit neuen Gästen an diesem Ort.

Nur die Aussicht auf die Elefanten konnte mich von diesem wunderschönen und friedlichen Ort weglocken – denn die Vorfreude auf die Dickhäuter ist immer noch ungebrochen. Glücklicherweise sind die Entfernungen hier alle recht kurz und so waren wir innerhalb weniger Minuten in unserem Camp. Das sonst so belebte Camp war fast menschen- und auf jeden Fall sehr elefantenleer, denn die schönen Riesen waren heute früh noch im Wald. Bei Elephant Special Tours verbringen alle Elefanten die Nächte im Wald. Spätestens nachmittags, wenn die Gäste das Camp verlassen, bringen ihre Mahouts sie tief in den Wald. Dort werden sie an einer sogenannten Trippelkette befestigt, die ca. 20-30 Meter lang ist. Die Kette (die bei mir anfangs auf ein wenig Unbehagen gestoßen ist) hat mehrere Funktionen. Zum einen sorgt sie dafür, dass der Elefant nicht direkt zurück ins Camp rennt, weil er weiß, dass es dort Futter gibt, ohne dass er sich groß darum bemühen muss (Elefanten sind sehr schlaue Tiere). Zum anderen sorgt sie dafür, dass die Elefanten nicht in die nahegelegenen Reisfelder ausbüxen, wo sie einem Reisbauern mit seiner Schrotflinte begegnen. Das ist leider schon passiert, eine der Elefantenkühe hat unschöne Narben von Schüssen eines wütenden Bauern, dessen Reisernte zerstört wurde. Last but not least kommen die Gefahren der Straße hinzu, denn leider rasen die Fahrzeuge hier teilweise sehr und ein kreuzender Elefant wäre für beide Seiten eine böse Überraschung.

So sorgen also die Mahouts dafür, dass die Elefanten Nacht für Nacht an immer wieder anderen nahrhafen Stellen platziert werden. Unsere erste Aufgabe bestand heute morgen darin, die Elefanten aus dem Wald zu holen und sie ins Camp zu reiten. Also stapften wir zunächst tief in den Wald über Stock und Stein und suchten die Elefanten. Ohne die Mahouts hätten wir sie niemals gefunden, denn sie sind erstaunlich getarnt zwischen dem Grün. Ja… auf jedem der folgenden Fotos ist ein Elefant zu sehen (viel Spaß beim Suchen), nicht nur auf dem letzten! 🙂

Kaum im Elefantencamp angekommen, ging es auch schon weiter zur nahegelegenen Badestelle. Die Elefanten lieben das Wasser und sie genießen das Baden und Abduschen der Gäste sehr. Und tatsächlich ist es auch wichtig, dass die Elefanten regelmäßig ordentlich abgeschrubbt werden, wegen der Parasiten. Das anfangs noch klare Flusswasser färbt sich schnell bräunlich, wenn unsere Dreckspatzen zum Baden kommen. Hinzu kommt der Pipi-Reflex, der einsetzt, sobald ein Elefant im Wasser ist. Und ja… fast immer erledigen die Dickhäuter auch ihr großes Geschäft im Fluss. Es kommt also nicht selten vor, dass dicke grüne Elefantenknödel neben einem schwimmen – das sollte hier niemanden abschrecken. Die Mahouts sorgen jedoch dafür, dass der Fluss einigermaßen sauber bleibt und fischen den Dung direkt heraus, denn flussabwärts waschen die Karen ihre Kleidung in ebendiesem Wasser.

Ich könnte den schönen Riesen stundenlang dabei zuschauen, wie sie sich im Wasser drehen und wälzen, planschen und mit ihrem Rüssel Wasser prusten, sich und allen anderen eine Dusche verpassen – einfach herrlich. Ich dürfte es, seit ich hier bin, jeden Tag miterleben und ich kann mir nicht vorstellen, dass es mir dabei einmal langweilig werden kann. Und nass finde ich die Dickhäuter besonders hübsch – obwohl sie eigentlich immer wunderschön sind.

Nach dem Bad haben wir die Elefanten ins Camp zurück gebracht, um kurz darauf zu unserer Tong Bai Stiftung zu fahren. Hier hatten sich für den Nachmittag Journalisten angemeldet, die über das Projekt von Bodo Förster berichten möchten. Keine Seltenheit, wie ich mittlerweile mitbekommen habe. Es gibt recht oft Pressetermine, Interviews, usw. Bodo Förster ist hier eine ziemliche Legende. Ich freue mich darauf, meinen Chef am Sonntag persönlich kennenzulernen. Momentan ist er auf einer Elefanten-Lesereise durch Laos unterwegs.

Zunächst genießen wir mit unseren Gästen ein leckeres Mittagessen auf der hübschen Terrasse der Stiftung und dann verabschieden wir unsere Gäste zur Floßfahrt, die sie am Nachmittag erwartet. Unterdessen gibt Natalie ein Interview und wir beobachten die Elefanten in der Stiftung beim Fressen und Spielen. Jack, unser Kleinster, ist mal wieder außer Rand und Band. Zum Leidwesen seiner großen Schwester Salia, die immer wieder gepiesackt wird, aber zur großen Freude der Journalisten, die den kleinen Frechdachs natürlich entzückend finden.

Zur Tong Bai Stiftung werde ich euch bald noch mehr berichten, denn sie ist ein sehr gutes und wichtiges Projekt neben Elephant Special Tours. Ebenfalls möchte ich euch noch  über den „bösen Elefantenhaken“ und das traurige Ritual des Einbrechens der jungen Elefanten berichten, beides Themen, über die ich in den letzten Tagen vieles gelernt habe. Am liebsten möchte ich alles neu Erlernte direkt mit euch teilen – aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Und dieser möchte früh begonnen werden… vielleicht mit einem ruhigen und gemütlichen Kaffee auf der großen Terrasse? 😉

Für heute verabschiede ich mich mit den Bildern von unserem Feierabendbierchen. Dem Reisschnaps der Thais konnte ich heute erstmals entgehen, da wir nach unserem Feierabendbier in der Kneipe (ihr wisst schon, die Bank des Ladens gegenüber) noch zu Natalie auf die Terrasse gefahren sind.

Bild 1: Blick von unserem Stammplatz aus auf den Laden. Hier kommen gerade die Reisbauern von der Ernte (daher die Gummistiefel) und halten im Shop

Bild 2: Natalie und Noah, meine beiden Kollegen, beim Feierabendbier auf unserem Stammplatz

Bild 3: Ein letztes Feierabendbier auf der Terrasse von Natalies Haus im Nachbardorf (noch ungeduscht, wie man unschwer erkennen kann)

So, Feierabend auch hier für heute! Gute Nacht!

 

 

 

 

 

Mein erster Arbeitstag

Heute beginnt es also – mein Praktikum. Ein steiler Karrieresprung, den ich da hingelegt habe: von der Geschäftsführerin zur Praktikantin! Um 6.30 Uhr reisst mich mein Wecker aus dem Schlaf. Die nächtlichen Geräusche waren nun schon ein wenig vertrauter als in der ersten Nacht. Da gibt es die Hähne, die sich gegen 4 Uhr melden und die Hunde, die ab spätestens 5 Uhr von sich hören lassen. Und natürlich die anderen zirpenden und schnalzenden Waldtiere, die ich höre, aber noch nicht gesehen habe.

Nach einer Dusche und einem schnellen Frühstück bin ich startklar für meinen ersten Arbeitstag. Um 8 Uhr setzt sich das Team zusammen und bespricht den Tag. Heute kommen insgesamt 12 Gäste an, eine Gruppe à 7 Personen hat den 5-Tages-Trip gebucht, und es gibt 5 Gäste, die für 2-3 Tage in unserem Camp bleiben.

Natalie, die seit 4 Jahren hier lebt und arbeitet, übernimmt mit mir gemeinsam die Gruppe mit den 5 Personen, Marius (Elefantenpfleger aus Karlsruhe) und Noah (Praktikant aus Mallorca) übernehmen die 7-Personen-Gruppe. Gegen 9 Uhr begrüßen wir unsere Gäste im Resort, schräg gegenüber von unserer White Lodge. Hier gibt es zunächst einen Überblick, was die Gäste in den nächsten Tagen erwartet sowie nützliche Hinweise zu Kleidung und Sonnenschutz. Kurz darauf gehts los, wir fahren in unser Elefantencamp, was ca. 5 min. mit dem Auto entfernt liegt.

Und da sind sie: die wunderschönen Dickhäuter. Und sofort weiß ich wieder, warum ich das hier mache! Diese Tiere üben einfach eine Faszination auf mich aus, die kaum in Worte zu fassen ist. Am liebsten würde ich zu jedem einzelnen hingehen: zum streicheln, knuddeln, flüstern…. aber ich habe ja einen Job hier!

Aber schön zu sehen, dass es unseren Gästen ganz genauso geht. Auch wenn man vorher kein großer Elefantenfan war – kaum erlebt man einen Elefanten in unmittelbarer Nähe, so ist man sofort verliebt. Meine Mama kann das bestätigen! 🙂

Bevor die Gäste intensiv mit den Elefanten bekannt gemacht werden, gibt es ein wenig Theorie über den asiatischen Elefanten z.B. im Vergleich zum afrikanischen Elefanten. Es wird ebenfalls erklärt, dass für die thailändischen Elefanten kaum noch Lebensraum besteht und dass es ca. 2000 wild lebende Elefanten gibt und ebenso viele Arbeitselefanten, die vor einigen Jahren noch für Waldarbeiten genutzt wurden. Viele dieser Elefanten haben ein hartes Schicksal hinter sich und kommen manchmal vom Regen in die Traufe – je nachdem in welchem Touristencamp sie landen. Ich persönlich bin  froh sagen zu können – denn das war meine größte Sorge vor der Abreise – dass die Tiere hier im Camp großes Glück haben. Nun ja, sie müssen ein wenig „arbeiten“ aber unter sehr guten Bedingungen. Und die Mahouts haben großen Respekt vor ihren Tieren. Sie lieben sie sehr und behandeln sie wie ein Familienmitglied.

Zurück zu unseren Gästen! Auch ich hatte / habe Glück, denn meine ersten Gäste sind wirklich eine sehr nette Truppe. Ein sehr junges Pärchen, ein älteres Pärchen und ein alleinreisender Polizist. Natalie hat die Elefanten perfekt zugeteilt, so dass es ideal passt. Zu Beginn erleben die Gäste ein ganz besonderes – sicherlich unvergessliches – Erlebnis. Alle setzen sich auf den Boden und werden umringt von den Elefanten – die Menschen sitzen sozusagen unter den Elefanten. Hier wird ganz deutlich, was das Wichtigste ist: Vertrauen! Und auf diesem gegenseitigen Vertrauen basiert eine wunderbare Zusammenarbeit mit den sanften Riesen.

Nachdem die Gäste sich mit ihrem persönlichen Elefanten für die nächsten Tage vertraut gemacht haben, bringen wir die schönen Tiere zum nahe gelegenen Fluss um sie zu baden. Die Elefanten lieben das Wasser und baden gerne ausgiebig. Und die Gäste haben großen Spaß am Schrubben und Abduschen ihrer neuen Gefährten.

Und damit die Gäste unbeschwert mit ihren Tieren planschen können, kümmert die Praktikantin sich gerne darum, mit den verschiedenen Kameras zig schöne Fotos zu machen – damit die unvergesslichen Momente mit den Lieben daheim geteilt werden können. Und somit gibts für meine lieben Daheimgebliebenen auch ein Foto von der Prakikantin! 🙂

Nach dem Bad war ein wunderschöner Waldspaziergang an der Reihe. Auf dem Rücken eines Elefanten zu sitzen, ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis, was ich jedem nur empfehlen kann. Ich bin mir sicher, unsere Gästen träumen heute Nacht davon und begrüßen uns – und vor allem ihre Elefanten – morgen mit strahlenden Augen.

Zum Abschluss besuchten wir heute ein klassisches Karendorf, in dem auch einige unserer Mahouts leben. Also kein Showdorf, wie es Touristen leider öfters vorgeführt wird, sondern ein tatsächliches Dorf. Die Karen sind die größte in Thailand lebende Minderheit. Sie unterscheiden sich nicht nur optisch von den Thais, sondern sprechen auch ihre eigene Sprache. Insbesondere die Frauen tragen wunderschöne Trachten, die sie selbst weben. Die Karen leben mit ihren Schweinen, Hühnern, tlw. Kühen zusammen.

Zum Abschied aus dem Dorf wird natürlich das Gläschen mit Reisschnaps herumgereicht. In dieses Ritual wurde ich an meinem Ankunftstag bereits eingeführt. Unser Hauspersonal macht immer gegen 17 Uhr Feierabend und dann findet man sich gemütlich auf der kleinen Terrasse an der Küche ein. Jetzt wird geklönt und gelacht (ich lache mit, auch wenn ich bisher kein Worte verstehe) und natürlich wandert das Gläschen Reisschnaps umher. An den Geschmack muss ich mich erst noch gewöhnen.
Woran ich mich aber sehr gut gewöhnen kann ist das Feierabendbier mit unserem kleinen Team, am Shop gegenüber.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist ein kleiner Laden, der eigentlich alles verkauft, was man sich vorstellen kann. Die Inhaber sind herzallerliebst und die Omi an der Kasse hat ein umwerfendes Lächeln. Dies ist jedoch nicht nur ein Laden, sondern auch unsere Stammkneipe. Ja… „unsere“ …denn ich darf seit heute – wie alle anderen auch hier – anschreiben lassen auf meinen Namen. Und somit habe ich heute auch meinen Einstand bei den Mahouts gegeben. PROST  ihr Lieben – darauf, dass ich angekommen bin!!!

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Endlich angekommen

Nach einer über 20-stündigen (gefühlten 40-stündigen) Anreise habe ich am Samstagmittag Ortszeit endlich mein Ziel erreicht. Marius von Elephant Special Tours hat mich gemeinsam mit einem Fahrer am Flughafen von Chiang Mai abgeholt. Die Autofahrt dauerte ca. 1 Stunde bis wir die White Lodge erreichten- mein Zuhause für die nächsten 5 Monate. Sie befindet sich im Mae Wang Tal, am Fuße des Nationalparks Doi Inthanon (größter Berg Thailands). Unser Dorf heißt Mae Sapok und die hier lebenden Menschen sind allesamt Karen, also ein Bergvolk.

Die White Lodge begeisterte mich von Anfang an. Nicht nur die riesige Terrasse mit traumhaftem Blick über die Reisfelder, sondern auch die Tatsache, dass hier so viele Tiere leben und alles naturverbunden ist. Da wird der Kindheitstraum „einmal auf einem Bauernhof leben“ doch noch wahr. Auch wenn ich zu den Hängebauchschweinen, Fasanen, Gänsen usw. vielleicht keine allzu enge Bindung aufbauen werden, so sind mir die 5 Hunde jetzt bereits sehr vertraut. Besonders der kleine Welpe „Franzl“- der nun knapp 3 Monate alt ist – hat mein Herz im Sturm erobert.

Was kann da noch Besseres kommen? Ach ja… die Elefanten!!! 🙂